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Toyota Yaris GRMN: Schnell weg

| Autor / Redakteur: Ampnet/Axel F. Busse / Jens Scheiner

Der Toyota Yaris GRMN ist das erste Power-Modell des japanischen Herstellers. Das Kürzel steht für „Gazoo Racing Masters of Nürburgring“.
Der Toyota Yaris GRMN ist das erste Power-Modell des japanischen Herstellers. Das Kürzel steht für „Gazoo Racing Masters of Nürburgring“. (Bild: Toyota)

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Ehemalige DDR-Bürger und potenzielle i-Phone-Kunden kennen die Situation: Schlangestehen, vor den Tresen treten – der Artikel ist vergriffen. Mit dem Toyota Yaris GRMN könnte es ähnlich sein: Der neue, limitierte Mini-Renner ist praktisch ausverkauft.

Toyota hat den bereits fast ausverkauften Yaris GRMN vorgestellt – und dass der Hersteller dennoch zur Pressepräsentation lud, hatte einen einfachen Grund: Der Yaris ist nur der Erste einer noch unbestimmt großen Folge von Fahrzeugen, die der bislang eher betulich daherkommenden Marke mehr Sportsgeist einhauchen soll. Ähnlich dem Kürzel AMG oder dem Namen Abarth soll „Gazoo Racing“ (GR) künftig eine Botschaft von Sportlichkeit und Dynamik an die Kunden transportieren. Um das auch faktisch zu untermauern, ist Gazoo Racing seit Jahren in der Langstrecken-Weltmeisterschaft und in der World Rally Championship (WRC) unterwegs. Erfolgreich: Im vergangenen Jahr fuhr das Team auf Platz 3 der Hersteller-Wertung.

Die Erstauflage des aufgeheizten Yaris-Modells ist schmal bemessen. Außer den 400 Exemplaren für Europa sind noch 200 für Japan vorgesehen, wobei der seltene Fall eintritt, dass ein japanisches Auto in Frankreich gefertigt und von dort ins Heimatland der Firma exportiert wird. Etwas mehr als 100 Deutsche – für eine Handvoll Kunden soll es angeblich noch Chancen geben – bekommen einen Yaris GRMN ab. Das nächste Power-Modell könnte der kompakte Auris sein, bestätigt ist dies allerdings nicht.

Kompressor statt Turbolader

Bei einer Produktionskapazität von sieben Exemplaren pro Tag, die in den normalen Fertigungsprozess im Werk Valenciennes nahe der belgischen Grenze eingetaktet sind, wird die Versorgung der Besteller eine Weile dauern. Sie freuen sich auf eine der muntersten Rennsemmeln, die je mit den Vorderrädern über den Asphalt radiert hat. Einem Fahrzeuggewicht von 1.135 Kilogramm stehen 156 kW/212 PS gegenüber – nahezu das Doppelte dessen, was der stärkste Yaris „von der Stange“ leistet. Der Yaris GRMN holt diese Motorkraft aus 1,8 Litern Hubraum. Behilflich ist dabei ein Kompressor, der angesichts des eng bemessenen Platzes unter der Fronthaube den Vorzug vor einem Turbolader als Mittel zur Leistungssteigerung erhielt.

Außer einem aus schwarzen, weißen und roten Farbelementen komponierten Lacktrimm zeichnen den Yaris GRMN LED-Scheinwerfer, Änderungen an Grill, Außenspiegeln sowie Nebellampen aus. Das Dach ist generell schwarz, ein zentrales Endrohr der Abgasanlage prangt über dem Heckdiffusor.

Das Sportfahrwerk ist gegenüber dem „zivilen“ Yaris um 24 Millimeter abgesenkt. Auffälligstes Merkmal des Innenraumes sind die perfekt ausgeformten Sportsitze, die Insassen über 120 Kilogramm Körpergewicht allerdings als etwas eng geschnitten empfinden könnten. Das Lederlenkrad hat eine 12-Uhr-Markierung, ähnlich der, die passionierte Toyota-Fans aus dem Coupé GT 86 kennen. Alu-Sportpedale, ein zentraler Starterknopf und die Rennsport-inspirierte Animation im TFT-Bildschirm beim Anlassen sind weitere Eigenheiten des Neulings.

Kleinere angeborene Schwächen beheben die Änderungen am Yaris-Renner allerdings nicht. So fehlt etwa eine Höhenverstellbarkeit für die Sicherheitsgurte und der Navigationsbildschirm sitzt vom Fahrer aus gesehen sehr weit außen, so dass manchmal nicht nur der Blick, sondern auch der Kopf bewegt werden muss. Um eine optimale Sitzposition für dynamik-orientiertes Fahren zu finden, wäre es wünschenswert, den Spielraum der Längsverstellbarkeit des Lenkrades zu vergrößern. Es gibt den Wagen nur als Dreitürer und man tut gut daran, den Betrieb mit mehr als zwei Insassen auf Ausnahmesituationen zu beschränken.

Know-how von Rennsportspezialist Lotus

Ob viele der späteren Besitzer die Gelegenheit suchen werden, ihren GR-Yaris auf dem Rundkurs zu bewegen? Man kann ihnen aufrichtig dazu raten, denn anders ist das Spaßpotenzial des 3,95 Meter kurzen Kraftzwergs nur schwer freizusetzen. Bei der Vorstellung des Fahrzeugs versäumt es Toyota nicht, auf die Zusammenarbeit mit den britischen Rennsportspezialisten von Lotus hinzuweisen, die dem 1,8-Liter-Vierzylinder ihre Expertise haben angedeihen lassen. Mit optimierter Zündung und Einspritzung, einem speziellen Ölkühler – ein Novum bei Toyota – sowie einem größeren Frontstabilisator, Sachs-Stoßdämpfern und dem Torsen-Differenzial treibt man diesen Yaris energisch aus der Boxengasse.

Da bei 4.800 Umdrehungen 250 Newtonmeter an der Vorderachse reißen, rechnet man mit deutlichen Antriebseinflüssen in der Lenkung, doch die sind erstaunlich gering. Besonders weiche UHP-Reifen dürften ihren Teil dazu beitragen, genug Grip aufzubauen, doch Projektleiter Steijn Peeters versichert, dass die von Bridgestone gelieferten Serienreifen den Testpneus nur wenig nachstehen. Selbst bei ausgeschalteten Stabilitätssystemen überrascht der Racing-Yaris mit guter Beherrschbarkeit, williger Spurtreue und Folgsamkeit bei Richtungsbefehlen.

Das Ansprechverhalten ist vorbildlich und wer sich nach ein paar Runden an das etwas hakelige, dafür aber sehr kurzwegige Sechs-Gang-Getriebe gewöhnt hat, dem fällt es leicht, die Fuhre temperamentvoll unter Feuer zu halten. Der Kupplungsweg ist für einen Sportwagen überraschend lang, die Federung von einer Härte, dass übersehene Temposchwellen in Wohngebieten nachhaltig disziplinieren.

Für den Standardspurt wird ein Wert von 6,4 Sekunden angegeben, erst bei 230 km/h soll dem Yaris endgültig die Puste ausgehen. Fortgesetzte Versuche, dies unter Beweis zu stellen, können natürlich nicht ohne Folgen bleiben: Statt des auf der Rolle ermittelten Normverbrauchswertes von 7,5 Litern je 100 Kilometer dürfte sich der Konsum dann zweistelligen Größenordnungen nähern.

Weitere GRMN-Modelle sollen folgen

Wer lediglich auf eine Ankündigung im Internet hin einen 30.900 Euro teuren Kleinwagen bestellt, wird sich daran kaum stören. Vielleicht eher daran, dass künftige „GR“ oder „GRS“-Modelle sowie Anbauteile im Gazoo-Racing-Look zum Nachrüsten die Exklusivität verwässern könnten. Steijn Peeters zur Entwicklung der neuen Marke: „Der Yaris GRMN ist erst der Anfang. Es wird mehr vergleichbare Produkte geben und alles, was wir bisher gelernt haben, wird uns helfen, auch sie zu einem Erfolg zu machen“.

Bleibt nur noch die Frage zu klären, wofür die Buchstaben MN in der Modellbezeichnung stehen. Sie sind als Abkürzung für „Masters of Nürburgring“ gedacht, denn Gazoo Racing, das Motorsportteam von Toyota, hat seinen Sitz an der legendären Rennstrecke in der Eifel.

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