Suchen

Leichtbau-Gipfel 2015 „Treten Sie uns auf die Füße, fragen Sie nach!“

| Redakteur: Claus-Peter Köth

In der Abschluss-Keynote des „Automobil Industrie Leichtbau-Gipfels“ 2015 gab Dr. Johannes Staeves, Clusterleiter Leichtbau Karosserie der BMW Group, Anregungen für die Positionierung der Zulieferer entlang der Wertschöpfungskette.

Firmen zum Thema

Dr. Johannes Staeves, Clusterleiter Leichtbau Karosserie der BMW Group, gab in der Abschluss-Keynote des „Automobil Industrie Leichtbau-Gipfels“ 2015 Anregungen für die Positionierung der Zulieferer entlang der Wertschöpfungskette.
Dr. Johannes Staeves, Clusterleiter Leichtbau Karosserie der BMW Group, gab in der Abschluss-Keynote des „Automobil Industrie Leichtbau-Gipfels“ 2015 Anregungen für die Positionierung der Zulieferer entlang der Wertschöpfungskette.
(Foto: Stefan Bausewein)

Erfolgsversprechend könne demzufolge nur die Innovationsführerschaft oder die Kostenführerschaft sein. In der Mitte – also zwischen den Stühlen – sei es dagegen schwer eine ordentliche Rentabilität zu erzielen. Gleichwohl gebe es immer auch Komponenten, die eine intelligente Lösung darstellen und gar nicht so weit weg sind von der Kostenführerschaft oder andersherum, kostengünstige Lösungen, die nahe dran sind an der Innovationsführerschaft. Daraus resultiere immer die Frage, wie viel Energie an welcher Stelle richtig investiert ist. Hier die richtige Balance zu finden, das sei eine der großen Herausforderungen, die man sich als BMW genauso wie als Zulieferer immer wieder neu stellen müsse.

Bildergalerie

Anregungen für die Zulieferer

Staeves zeigte auf, womit sich die OEMs derzeit beschäftigen, quasi als Anregungen für die Zulieferer eigene Produkte dahingehend zu transferieren. BMW etwa unterteilt seine Entwicklungsaktivitäten in die fünf Innovationsfelder: Efficient Dynamics, Leichtbau, Elektromobilität, Connected Drive und Emotional Experience. Folglich sei der Leichtbau ein ganz wesentliches Innovationsfeld, in dem BMW die entsprechende Energie investiert, zum Beispiel mit dem Thema Kohlefaser, aber auch mit anderen Werkstoffen. „Der Leichtbau ist ein ganz essenzieller Schlüssel, den wir brauchen, um unsere fünf Säulen der Innovationen sinnvoll bearbeiten zu können“, sagte Staeves.

Weiterhin erläuterte er, wie BMW sich Leichtbau in der Zusammenarbeit mit den Lieferanten entlang der Wertschöpfungskette vorstelle. Vom Gesamtfahrzeug kommend müsse der OEM die bedarfsorientierten Innovation nennen, und klar kommunizieren: Was brauchen wir, was wird sich ändern und welche Schwerpunkte sollte der Lieferant setzen? Auf der anderen Seite forderte er die Zulieferer auf die angebotsorientierte Innovationen stark zu fördern. Mit Blick auf die Lastenhefte sagte Staeves: „Wir wissen gar nicht immer so genau, welche Fragen Sie als Lieferant haben und wo Ihnen eine Information fehlt. Treten Sie uns auf die Füße, fragen Sie nach, wenn Sie etwas nicht verstehen oder ob wir manche Anforderung wirklich brauchen.“

Revolutionäre Konzepte notwendig

Generell sei es erste Aufgabe des Leichtbaus, ausgehend von bestehenden und neuen Fahrzeugkonzepten innovative Topologien zu entwickeln. Tragende Strukturverläufe seien im Gesamtfahrzeug, etwa für elektrifizierte Fahrzeuge aber auch in Komponenten und Bauteilen neu auszulegen, Kraftflüsse gelte es zu optimieren. Die Weiterentwicklung bestehender Materialien, neuer Faserverbundwerkstoffe und hybrider Mischbausysteme böten hier Chancen. „Es reicht aber nicht, auf Werkstoffsubstitution und den klassischen Wettbewerb der Werkstoffe zu setzen, es werden vielmehr revolutionäre Konzepte benötigt“, erklärte Staeves. Durch „Kooperation der Werkstoffe“, etwa durch Verbundwerkstoffe müsse man neue physikalische Wirkmechanismen und damit erweiterte Eigenschaftsprofile für den Mischbau erschließen.

Außerdem gelte es, fertigungstechnische Konzepte zu entwickeln, die sich bei OEM und Zulieferern in weitgehend bestehenden Fertigungsstrukturen integrieren lassen. Dabei müssten die Produktionskonzepte flexibel genug sein, um die Migration von aktuellen Topologien, Bauweisen und Werkstoffen hin zu neuen kosteneffizient zu ermöglichen. Als konkretes Beispiel nannte Staeves neue Fügeverfahren für Mischbauverbindungen.

(ID:43255544)