Geplante Grenzkontrollen VDA und BGL warnen vor Abriss der Lieferkette und Produktionsstopps

Autor: Claus-Peter Köth

Die Verbände fordern Selbstschnelltests für Lkw-Fahrer, die auch ohne ärztliches Attest akzeptiert werden. Ansonsten sei mit einem Abriss der Lieferkette und Produktionsstopps oder Versorgungsengpässen zu rechnen.

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Wenn es aufgrund der Test- und Anmeldepflichten an den Grenzen zu längeren Staus kommt, ist mit einem Abriss der Lieferkette und Produktionsstopps in den Werken zu rechnen.
Wenn es aufgrund der Test- und Anmeldepflichten an den Grenzen zu längeren Staus kommt, ist mit einem Abriss der Lieferkette und Produktionsstopps in den Werken zu rechnen.
(Bild: Daimler)

Mit großer Sorge sehen der Verband der Automobilindustrie (VDA) und der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) die Auswirkungen der geplanten Grenzkontrollen an der deutsch-tschechischen und deutsch-österreichischen Grenze. VDA und BGL schlagen vor, dass Selbstschnelltests von Fahrern auch ohne ärztliches Attest akzeptiert werden, bis ausreichende Testkapazitäten an den Grenzen zur Verfügung stehen. Nur so könne ein Abreißen der Lieferkette mit anschließenden Produktionsstopps in den Automobilwerken und Versorgungsengpässen im Handel verhindert werden.

Tschechien ebenso wichtig wie Norditalien

VDA-Präsidentin Hildegard Müller betont: „Viele Teile für die Automobilproduktion an deutschen Standorten werden aus Österreich und Tschechien just-in-time oder just-in-sequence direkt ans Montageband geliefert. Wenn es aufgrund der Test- und Anmeldepflichten an den Grenzen zu längeren Staus kommt, ist mit einem Abriss der Lieferkette und kurz danach mit Produktionsstillstand in vielen Pkw-Werken in Deutschland zu rechnen. Erste Produktionsbänder werden bereits nach wenigen Stunden stehen, wenn die Materialversorgung ausbleibt.“

Im Gegensatz zum Frühjahr 2020, als die Unternehmen eine „Vorwarnzeit“ von zwei bis drei Wochen hatten, bevor Lieferungen aus Italien ausblieben, und entsprechend ihre Teilelager vorab erhöhen konnten, komme die Entscheidung jetzt überraschend und stelle Hersteller, Zulieferer und Logistikbranche vor enorme Herausforderungen. Tschechien sei für die Pkw-Produktion in den deutschen Werken mindestens so wichtig wie Norditalien.

VDA rechnet mit Produktionsstopp

Die deutsche Autoindustrie befürchtet durch die seit Sonntag (14. Februar) geltenden Kontrollen und Corona-Testpflicht an Grenzen erhebliche Lieferprobleme und nach Darstellung des Branchenverbandes VDA bereits an diesem Montag (15. Februar) Werksschließungen.

Durch die zu erwartenden Probleme an den Grenzübergängen werde die Automobilproduktion ab Montagmittag größtenteils zum Erliegen kommen, teilte ein Sprecher des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) am Sonntag in Berlin mit. „Die Werke in Ingolstadt, Regensburg, Dingolfing, Zwickau und Leipzig sind als erste betroffen.“

VW und Daimler: Bislang keine Engpässe

Beim Volkswagen-Konzern hieß es am Sonntagnachmittag, es gebe noch keine Engpässe wegen fehlender Teile aus dem Lkw-Grenzverkehr, auch nicht im VW-Werk Sachsen und im Porsche-Werk Leipzig. Volkswagen Sachsen betonte, es würden am Montag keine Einschränkungen erwartet, und zum jetzigen Zeitpunkt seien diese nicht absehbar. Auch bei Daimler hieß es am Sonntag, es würden keine Beeinträchtigungen erwartet, von Werksschließungen könne keine Rede sein.

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