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Interview mit Frank Klein Vito folgt V-Klasse nach China

| Autor / Redakteur: Tina Rumpelt / Sven Prawitz

Die Mercedes-Benz V-Klasse ist erfolgreich im chinesischen Werk Fuzhou angelaufen. Frank Klein, Leiter Operations Mercedes-Benz Vans, berichtet über die Vorbereitungen, die auch dem nächsten Anlauf, dem des Vito, zugutekommen.

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Frank Klein ist Leiter Operations Mercedes-Benz Vans.
Frank Klein ist Leiter Operations Mercedes-Benz Vans.
(Bild: Daimler)

Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit der Produktionsstandorte bei der Vorbereitung des V-Klasse-Anlaufs in China?

Das Werk in Fuzhou arbeitet, genau wie unsere weiteren Midsize-Werke in Argentinien und den USA, eng mit unserem Produktionsstandort im spanischen Vitoria zusammen. Vitoria ist unser weltweites Kompetenzzentrum für Fahrzeuge im Midsize-Segment. Die erfahrenen Kollegen dort steuern die internationale Produktion an allen vier Standorten von der Werkzeugstrategie über die Logistik bis hin zum Qualitätsmanagement. Zahlreiche Mitarbeiter aller Werke des internationalen Produktionsverbunds – also auch aus China – haben zum einen intensive Schulungen in Vitoria absolviert. Zum anderen haben die Experten aus Spanien ihre Kollegen auch vor Ort unterstützt. Auf diese Weise haben wir auf der ganzen Welt einheitliche Mercedes-Benz-Produktionsprozesse etabliert und erzielen Qualität auf Topniveau. Das gilt natürlich ab dem ersten Fahrzeug, das vom Band rollt.

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Was sind die gravierendsten Unterschiede zwischen den Fertigungen in Vitoria und in Fuzhou?

Die Produktion in Fuzhou unterscheidet sich hauptsächlich in Bezug auf den Automatisierungsgrad und die Fertigungstiefe von der in Vitoria.

Wie wirken sich die Marktbesonderheiten auf das Produkt aus?

Wir haben die V-Klasse passgenau auf die Wünsche und Bedürfnisse der chinesischen Kunden zugeschnitten, vor allem durch zahlreiche luxuriöse Ausstattungsmöglichkeiten. Dazu zählen ein Panorama-Schiebedach, Kühlbox und Thermo-Cupholder in der Mittelkonsole mit Luxuskomfortsitze im Fond – insbesondere für Geschäftsleute, die während der Fahrt arbeiten möchten.

Wird der Vito künftig im Mix mit der V-Klasse auf einer Linie gefertigt?

Vito und V-Klasse wurden entsprechend unserer Plattformstrategie gezielt für die effiziente Fertigung auf einer gemeinsamen Produktionslinie entwickelt. Sie laufen sowohl in Vitoria als auch zukünftig – Start ist noch in 2016 – in Fuzhou gemeinsam vom Band. Damit können wir sehr flexibel auf Marktschwankungen reagieren. Dies erleichtert es uns zudem, einheitliche Qualitätsprozesse zu implementieren.

In einer Pressemeldung vom März 2016 heißt es, „ein großer Teil“ der Investition von 200 Millionen Euro für die V-Klasse in Fuzhou entfalle unter anderem „auf die Lokalisierung von Komponenten und Ausstattungen“. Was waren hier die Schwerpunkte?

Die Qualifizierung unserer Lieferanten spielt für uns stets eine zentrale Rolle, um höchste Qualitätsstandards in unserem globalen Produktionsnetzwerk sicherzustellen. Unser ebenfalls in Fuzhou ansässiges Forschungs- und Entwicklungszentrum verschafft uns dabei einen großen Vorteil in China. Zum einen konnten wir durch unsere Experten vor Ort die markt- und kundenspezifischen Anforderungen optimal in die Entwicklung der V-Klasse für China einfließen lassen. Zum anderen übernehmen die Kollegen zusätzlich mit ihrer sehr guten Kenntnis der lokalen Gegebenheiten auch die Qualifizierung der Lieferanten. Die Luxuskomfortsitze im Fond der V-Klasse, die exklusiv in China angeboten werden, sind ein Beispiel für eine Komponente, die von einem lokalen Partner gefertigt wird.

Nähe zum Markt – ein wichtiges Argument für die V-Klasse-Produktion in China. Rentiert sich der Produktionsstandort im Vergleich zu Vitoria auch unter Kostenaspekten?

Es ist Teil unserer Geschäftsfeldstrategie „Mercedes-Benz Vans goes global“, lokal in Wachstumsmärkten auf der ganzen Welt zu fertigen. Voraussetzung ist, dass dies auch wirtschaftlich sinnvoll ist. Das ist auch in China, dem weltweit größten Automobilmarkt, der Fall. Durch die Nähe können wir unsere Kunden schnell und flexibel beliefern und erschließen uns auf diese Weise zusätzliche neue Wachstumspotenziale außerhalb der europäischen Kernmärkte.

Wird Fuzhou auch als Exportwerk für die V-Klasse und später dann auch für den Vito genutzt?

Das Werk in Fuzhou fertigt die V-Klasse sowie zukünftig den Vito ausschließlich „made in China for China“. Prinzipiell können wir innerhalb unseres Produktionsnetzwerkes Nachfragespitzen aufgrund unserer standardisierten Produktionsprozesse jedoch auch zwischen den Werken ausgleichen – bei einheitlich hoher Qualität.

Das Interview führte Tina Rumpelt

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