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Wirtschaft Volkswagen will keine „Sammlung wertvoller Marken“ mehr sein

| Autor / Redakteur: Christoph Seyerlein / Lena Bromberger

VW-Vorstandschef Herbert Diess stellt Aktionäre und Mitarbeiter auf weitere Umbrüche ein. Diese werden noch „viel herausfordernder als der Umstieg auf elektrische Antriebe“.

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„Volkswagen will Auto, Gehirn und Dienste zusammenführen und ein einzigartiges Mobilitätserlebnis der neuen Zeit bieten“, erklärte Volkswagen-Chef Herbert Diess am Mittwoch.
„Volkswagen will Auto, Gehirn und Dienste zusammenführen und ein einzigartiges Mobilitätserlebnis der neuen Zeit bieten“, erklärte Volkswagen-Chef Herbert Diess am Mittwoch.
(Bild: Volkswagen)

Volkswagen-Vorstandschef Herbert Diess hat den Konzern am Mittwoch (30. September) im Rahmen der Hauptversammlung des Automobilherstellers auf einen noch extremeren Wandel als bislang eingestimmt. Die Veränderungen in der Antriebstechnik – Volkswagen setzt stark auf die Elektromobilität – sei „der einfachere Umstieg“ als die Transformation zu einem Mobilitätsanbieter, erklärte Diess. Das Auto müsse durch gesammelte Daten lernen, seine Benutzer und deren Bedürfnisse besser zu verstehen.

„Volkswagen muss in der Lage sein, nicht nur die Transporthülle anzubieten, sondern auch das Gehirn, welches das Fahrzeug mit künstlicher Intelligenz sicher steuert“, betonte Diess. „Volkswagen will Auto, Gehirn und Dienste zusammenführen und ein einzigartiges Mobilitätserlebnis der neuen Zeit bieten.“

Konzern braucht Fähigkeiten, „die es heute nicht gibt“

Dafür benötige der Konzern Fähigkeiten, „die es in unserer Industrie, auch in unserem wirtschaftlichen Ökosystem in Europa heute nicht gibt, die wir uns erschließen müssen“, so der Vorstandsvorsitzende. Die Wolfsburger müssten sich „von einer Sammlung wertvoller Marken“ mit von Verbrennungsmotoren angetriebenen Produkten zu einem Digitalunternehmen wandeln. Dieses solle „Millionen Mobilitätsdevices weltweit zuverlässig“ betreiben, mit Kunden jederzeit in Kontakt bleiben und Dienste, Komfort und Sicherheit der Autos „im Wochenrhythmus, besser täglich“ verbessern.

Insgesamt sollen 14 Milliarden Euro bis 2024 in den Aufbau der eigenen IT-Kompetenz und das autonome Fahren fließen. „Der Umbau des Unternehmens wird von Corona nicht gebremst, sondern beschleunigt“, befand Diess.

Schneller Ausstieg aus fossilen Kraftstoffen „realisierbar“

Neben der Entwicklungsperspektive gab der Volkswagen-Konzern auch einen Ausblick für dieses Jahr. Trotz der Coronakrise haben die Wolfsburger ihre Ziele bestätigt. Demnach geht der Konzern weiter von einem positiven operativen Ergebnis aus. Auch die Zukunftsinvestitionen bekräftigten Vorstand und Aufsichtsrat. Wie bekannt, sollen 33 Milliarden Euro bis 2024 in den Ausbau der E-Mobilität fließen. Diess betonte: „Wir bei Volkswagen halten einen schnellen Ausstieg aus fossilen Kraftstoffen für realisierbar.“

Dafür brauche es allerdings einen gesellschaftlichen Konsens und den politischen Willen. „Dazu gehört ein früherer Ausstieg aus der Kohle, Investitionen in grüne Stromerzeugung und Ladeinfrastruktur sowie eine spürbare Besteuerung von CO2“, forderte der Manager.

Im September rechnet der Konzern mit Auftragseingängen und Auslieferungen über Vorjahresniveau und erwartet auch für den weiteren Jahresverlauf eine Fortsetzung des Aufwärtstrends. Allerdings verwies Diess darauf, dass alle mittel- und langfristigen Prognosen weiter mit erheblichen Unsicherheiten verbunden seien und vom Verlauf der Pandemie abhingen.

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