Bosch ist raus als Partner für Assistenzsysteme bei Volkswagen. In China arbeitet der Autohersteller längst mit mehreren Zulieferern für die Technik zusammen. Ein Überblick.
Einige Zulieferer bringen sich in Position, um ihre Assistenzsysteme der Level 2++ und höher an VW zu verkaufen.
(Bild: ZF)
Seit bekannt wurde, dass VW beim hochautomatisierten Fahren die Partnerschaft mit Bosch auflöst, wird intensiv über einen Nachfolger spekuliert. Auch chinesische Namen fallen dabei. Das überrascht nicht, denn Volkswagen und seine Gemeinschaftsunternehmen in China arbeiten bereits mit mehreren Anbietern von Fahrassistenz zusammen. Grund genug für eine aktuelle Bestandsaufnahme dieser VW-Partnerschaften in der Volksrepublik.
Davon gibt es mehrere: VW verfolgt eindeutig eine „mehrgleisige Strategie“ auf dem Weg vom Assistenzsystem zur ersten Stufe des autonomen Fahrens (Level 3 und 4). Einer der wichtigsten und vielversprechendsten chinesischen Partner ist Horizon Robotics.
Carizon: Das Powerhouse mit Horizon Robotics
Gemeinsam mit diesem chinesischen Chip- und Software-Entwickler gründete VW über seine Tochter Cariad im November 2023 das Joint Venture Carizon. VW bezeichnet es selbst als hauseigenes „Powerhouse“ für das intelligente Fahren in China. Cariad hält 60 Prozent, Horizon Robotics 40 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen.
Der Arbeitsauftrag ist die Full-Stack-Entwicklung von integrierten Software- und Hardwarelösungen für das assistierte und automatisierte Fahren auf Basis der Chip-Serie „Journey“ von Horizon Robotics.
Innerhalb von relativ kurzen 18 Monaten lieferte Carizon 2025 bereits ein erstes NoA-Produkt (Navigation on Autopilot) für das assistierte Fahren der Stufe L2+ auf chinesischen Autobahnen an VW. Es kam zuerst im IDUnyx 07 zum Einsatz.
Mehrere hundert Ingenieure entwickeln derzeit in Peking und Schanghai dieses ADAS-System weiter, hin zu einer Version „Pro NoA“ (L2++ auf einem einzelnen Journey-6H-Chip mit 420 TOPS, 11 Kameras und Lidar) und einer Version „Premium NoA“ (L2++ auf einem einzelnen Journey-6P-Chip mit 560 TOPS und Lidar).
Autonomes Fahren ab 2027
Ausgewählte Zulieferer für Assistenzsysteme. Diese Unternehmen arbeiten bereits mit VW China zusammen.
(Bild: Vogel Communications Group)
Mithilfe von KI-Simulationen und Straßentests arbeitet Carizon zudem an einem L3-System, bei dem das assistierte Fahren den Sprung zum autonomen Fahren machen soll. Etwa ab dem Jahr 2027 dürfte es so weit sein. Mitarbeiter betonen, dass die hauseigene Entwicklung von ADAS-Chips die Integration mit der nötigen Software und mit der gesamten „China Electronic Architecture“ (CEA) – der speziell für China entwickelten Elektronikarchitektur – für VW besonders schnell und kostengünstig ermögliche.
Auch auf das bereits angebrochene Zeitalter des KI-definierten Fahrens reagiert Carizon: Das Unternehmen entwickelt einen KI-Chip mit dem Codenamen „C7H“, der für multimodale KI-Großmodelle optimiert wird. Er soll ab 2028 in Serienfahrzeugen einsatzfähig sein. VW kündigte diesen selbst entwickelten System-on-Chip (SoC) im November 2025 an. Damals hieß es, er werde binnen drei bis fünf Jahren verfügbar sein.
„Indem wir das System-on-Chip hier in China entwerfen und entwickeln, übernehmen wir die Kontrolle über eine Schlüsseltechnik, die die Zukunft des intelligenten Fahrens bestimmen wird“, sagte Konzernchef Oliver Blume laut einer VW-Pressemitteilung.
Xpeng liefert E/E-Architektur und Chips
Ein weiterer Partner von VW in China neben Horizon Robotics ist das E-Auto-Start-up Xpeng. Etwa 630 Millionen Euro hat Volkswagen für einen Anteil von knapp fünf Prozent der Aktien in das chinesische Unternehmen investiert. Seither haben die Wolfsburger Zugang zum Know-how der Chinesen und entwickeln gemeinsam auf sechs verschiedenen Tracks.
Xpeng liefert dem VW-Konzern bereits die Elektrik- und Elektronikarchitektur, die in China bei FAW-Volkswagen, SAIC Volkswagen und Volkswagen Anhui in verschiedenen E-Autos und Hybriden verbaut wird. Ein IDUnyx 08 mit Xpengs eigenem System für das intelligente Fahren ist ebenfalls bereits auf dem chinesischen Markt.
Auch seinen Turing-Prozessor verkauft Xpeng inzwischen an Volkswagen. In etwa zwei Jahren will man bei Level 3 angekommen sein – die Fahrer sollen dann also vorübergehend die Augen von der Straße abwenden können.
Der älteste ADAS-Partner: Zhuoyu Technology
Bereits seit 2018 beliefert die chinesische Firma Zhuoyu Technology (ZYT), früher als „DJI Automotive“ bekannt, die Volkswagen-Gruppe in China. VW-Modelle wie Sagitar L, Magotan oder Tiguan L Pro fahren mit der Fahrassistenz dieses ältesten ADAS-Zulieferers von VW in China.
Ende Juni dieses Jahres eröffnete ZYT eine Europa-Zentrale und kündigte gemeinsame Testfahrten mit Volkswagen in Europa an. Das erste Versuchsmodell ist der vollelektrische ID Buzz. Er ist damit das erste VW-Nutzfahrzeug, das mit einem chinesischen System für intelligentes Fahren auf europäischen Straßen erprobt wird.
Stand: 08.12.2025
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Huawei und Momenta als weitere Partner
Ein weiterer VW-Partner in China ist Huawei, das seit den Anfeindungen seitens der US-Regierung in die Autoindustrie und das Geschäft mit dem autonomen Fahren eingestiegen ist. Die Fahrassistenz-Plattform Qiankun ist in Modellen von FAW Audi in China im Einsatz, Berichten zufolge mit zufriedenstellender Leistung.
Wie gut die Fahrassistenz von Huawei ist, zeigen die Verkaufszahlen der E-Auto-Marke Aito, die der Konzern gemeinsam mit dem Autobauer Seres entwickelt hat. Das spricht einerseits für das ADAS von Huawei, andererseits ist die Firma damit natürlich auch ein Konkurrent von VW auf dem chinesischen Markt.
Dann gibt es noch den Anbieter Momenta, der mehrere Programme für Assistenzsysteme mit den Gemeinschaftsunternehmen SAIC Volkswagen und SAIC Audi begonnen hat. Chinesische Fachmedien rechnen mit einer Ausweitung dieser Zusammenarbeit.
Mobileye als internationaler Partner
Weitet man den Blick über China hinaus auf internationale ADAS-Partner von VW, fällt der Name Mobileye. Seit vergangenem Jahr entwickeln die Israelis mit dem VW-Konzern Autobahn-Assistenten der Stufe Level 2+ für Verbrennermodelle. Diese Kooperation läuft bislang allerdings außerhalb Chinas.
Im ID Buzz AD steckt Mobileyes Technik für Level 4, mit der der Fahrdienstleister Uber demnächst in den USA unterwegs sein will. Manche Medien spekulieren daher, Mobileye könne Bosch als wichtigen ADAS-Zulieferer von VW ablösen.
Chinesisches Modell setzt sich durch
Realistisch scheint im Moment aber eher, dass VW bei seiner mehrgleisigen Strategie bleibt und weiterhin mit mehreren Anbietern von ADAS und autonomen Fahrsystemen zusammenarbeitet.
Immer mehr spricht in diesem Wettbewerb für chinesische Zulieferer. Sie bringen einfach mehr Autos auf die Straße, werten mehr Daten aus und können folglich ihre Fahrassistenz-Modelle schneller weiterentwickeln.
Die Iteration der Innovationen – also das Tempo der Neuentwicklungen – ist in diesem Feld, insbesondere in China, so schnell, dass es unvernünftig wäre, auf einen einzelnen globalen ADAS-Partner zu setzen. Das chinesische Modell, so lässt sich auch das Ende der VW-Bosch-Allianz deuten, setzt sich weltweit weiter durch. Dabei konkurrieren viele verschiedene Anbieter mit immer neuen Erfindungen. Wer im Geschäft bleiben will, muss sich von einer Modellgeneration zur nächsten neu behaupten.
Gleichzeitig koppelt sich der chinesische Markt immer weiter von anderen internationalen Märkten ab. Partner wie Mobileye oder Rivian mögen sich für lokale Partnerschaften in westlichen Ländern eignen. Für die Kooperation in China aber bieten sich vorwiegend chinesische Partner an – die VW bereits alle ausprobiert hat.