Volkswagen elektrifiziert seine Kleinwagen-Ikone: Der ID.Polo ist das erste E-Fahrzeug des Konzerns mit klassischer Namensreferenz und dem neuen Frontantrieb, der sich direkt auf den Nutzwert im Alltag auswirkt. Der Eintiegspreis von 25.000 Euro dürfte vor allem eines sein – ein Symbol.
Volkswagen hat seinen neuen elektrischen Kleinwagen vorgestellt, den ID.Polo.
(Bild: Achter – VCG)
Volkswagen erweitert seine Elektro-Modelpalette nach unten. Mit dem ID. Polo präsentiert der Konzern in Wolfsburg erstmals einen vollelektrischen Kleinwagen, der preislich und hinsichtlich seiner Abmessungen deutlich unter dem ID.3 Neo angesiedelt ist.
Während der kürzlich vorgestellte Neo auch in neuer Generation als elektrischer Kompakter im gleichen Segment wie der Golf unterwegs ist (ohne bereits so heißen zu dürfen – er hat noch einen Heckantrieb, wie er bisher für die E-Modelle Volkswagens typisch ist), übernimmt der ID.Polo die Rolle des vielleicht etwas bezahlbareren Einstiegs in die Elektromobilität – eine Positionierung, die Händlern wahrscheinlich die eine oder andere neue Verkaufschance eröffnet. Denn nach dem Aus des E-Up hatte Volkswagen unten am Ende der Größenskala seit Längerem nichts mehr zu bieten.
Die Namensgebung ist natürlich eine Botschaft: Erstmals greift Volkswagen bei einem elektrischen ID-Modell auf die ikonischen Modellbezeichnungen aus der Verbrennerwelt zurück. Nach über 20 Millionen verkauften Polos will VW die Vertrautheit auf die ID-Modelle transferieren. Die ID-Kennzeichnung bleibt zunächst bestehen, doch die Referenz zum Erfolgsmodell steht im Mittelpunkt.
Optisch folgt der ID.Polo der neuen Designsprache „Pure Positive" von Chefdesigner Andreas Mindt. Das Ergebnis: klare Proportionen und Linien, eine Front, die Sympathie wecken soll, und ein kraftvolles Heck. Die markante C-Säule erinnert bewusst an den ersten Golf – ein weiterer Fingerzeig in Richtung Designkontinuität: Volkswagen nähert E-Modelle und Verbrenner gestalterisch an. Statt auf futuristische Experimente setzt der Konzern auf zeitlose Formen, die auch in zehn oder Jahren nicht veraltet wirken sollen. Vorteil fürs Verkaufsgespräch: Zum Design muss man nicht viel sagen – es spricht für sich. Auf manche mag es vielleicht langweilig wirken. Aber hey, hier geht es um ein Alltagsauto!
Im Cockpit setzt Volkswagen die bereits beim ID.3 Neo vollzogene Kursjustierung fort: Weniger Touch-Flächen und kapazitive Sensoren – der ID.Polo verfügt in größerem Umfang über physische Tasten und Regler. Ein 10-Zoll-Digital-Cockpit und ein 13-Zoll-Infotainmentscreen bilden die digitale Schaltzentrale, doch Klimaanlage, Lautstärke und weitere Funktionen lassen sich haptisch bedienen. Dies dürfte nicht nur technikferne Kunden ansprechen, sondern auch manches Einweisungsgespräch bei der Auslieferung verkürzen.
Mit 4,05 Metern Länge spielt der ID.Polo in der klassischen Kleinwagenliga. Doch der erste Blick auf die Maße verrät nicht alles: Dank des kompakten MEB-Plus-Baukastens und des neuen Frontantriebs bietet der Fünfsitzer deutlich mehr Platz als ein konventionell angetriebener Polo. Besonders interessant für einen Kleinwagen: Das Kofferraumvolumen wächst um 25 Prozent auf 441 Liter – mehr als mancher Kompaktwagen bietet. Bei umgeklappten Rücksitzen passen 1.240 Liter hinein. Der Frontantrieb macht's möglich: Die Batterie sitzt im Unterboden, der Motor vorne – der gesamte Heckbereich bleibt nutzbar.
Technisch beschreitet Volkswagen mit dem ID.Polo einen für die Marke neuen Pfad. Während ID.3, ID.4 und Co. bisher auf Heckantrieb setzen, treibt beim Polo ein Elektromotor an der Vorderachse an. Drei Leistungsstufen stehen zur Wahl: 85 kW (116 PS), 99 kW (135 PS) und 155 kW (211 PS). Die Höchstgeschwindigkeit ist bei allen Varianten auf 160 km/h begrenzt – ausreichend für ein primär auf Stadt und Umland ausgerichtetes Fahrzeug.
Stand: 08.12.2025
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Bis zu 330 Kilometer Reichweite
Bei den Batterien setzt VW auf zwei Größen: Die beiden kleineren Motorisierungen erhalten serienmäßig einen 37-kWh-LFP-Akku (Lithium-Ferrophosphat) mit bis zu 329 Kilometern Reichweite. Das Topmodell mit 155 kW nutzt eine 52-kWh-NMC-Batterie (Nickel-Mangan-Kobalt) und kommt bis zu 455 Kilometer weit. An der DC-Schnellladesäule lädt die kleine Batterie mit bis zu 90 kW in rund 27 Minuten von 10 auf 80 Prozent, die große mit 105 kW in etwa 24 Minuten. AC-Laden ist mit 11 kW möglich. Die Ladewerte liegen damit deutlich unter denen des ID.3 Neo, dessen Topmodell 183 kW verkraftet – ein Kompromiss zugunsten des Preises.
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Technologisch muss sich der ID. Polo nicht verstecken. Optional ist der sogenannte „Connected Travel Assist" mit automatischer Ampelerkennung erhältlich – eine Funktion, die bislang höheren Segmenten vorbehalten war. Serienmäßig gehört One-Pedal-Driving zum Repertoire, das starkes Verzögern allein über das Fahrpedal ermöglicht.
Die große Powerbank
Ein Nutzwert-Faktor: Die Vehicle-to-Load-Funktion macht den ID.Polo zur mobilen Stromquelle. Mit bis zu 3,6 kW lassen sich E-Bikes, Campingausrüstung oder Werkzeuge versorgen – über eine 230-V-Steckdose im Innenraum oder einen separaten Adapter an der Ladedose.
Volkswagen bietet den ID.Polo in drei Linien an: „Trend" als Einstiegsvariante mit LED-Scheinwerfern, Side Assist und 13-Zoll-Infotainment. „Life" ergänzt Abstands-Tempomat, Rückfahrkamera und induktive Smartphone-Ladefunktion. Die Topversion „Style" trumpft unter anderem mit LED-Matrix-Scheinwerfern, Ambientebeleuchtung und Sport-Komfort-Sitzen auf.
Preislich beginnt der ID.Polo bei 24.995 Euro – allerdings erst ab Sommer, wenn die Basisvarianten auf den Markt kommen. Die Marke von 25.000 Euro im Einstieg zu unterschreiten war Volkswagen symbolisch wichtig. Wie oft Fahrzeuge zu diesem Preis Käufer finden, muss sich zeigen. Zum jetzigen Vorverkaufsstart jedenfalls ist zunächst nur der ID. Polo Life mit 155 kW und 52-kWh-Batterie zu haben, Preis: 33.795 Euro. Händler sollten sich insofern auf Nachfragen von Kunden einstellen – und darauf, dass sie Kunden hinsichtlich günstigerer Varianten zeitlich vertrösten müssen.