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Elektromobilität

Webasto: Batteriesystem für Nutzfahrzeuge

| Autor/ Redakteur: Webasto / Claus-Peter Köth

Für Nutzfahrzeuge im städtischen Verkehr können Elektroantriebe schon jetzt eine umweltschonende und wirtschaftliche Alternative sein. Mit leicht skalierbaren Hochvolt-Batteriesystemen bietet Webasto nun ein zentrales Modul für diese Fahrzeuge an.

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Webasto hat ein modulares, flexibles und skalierbares Batteriesystem für Nutzfahrzeuge entwickelt. Im September wird es auf der IAA Nutzfahrzeuge erstmals gezeigt.
Webasto hat ein modulares, flexibles und skalierbares Batteriesystem für Nutzfahrzeuge entwickelt. Im September wird es auf der IAA Nutzfahrzeuge erstmals gezeigt.
(Bild: Webasto)

Überschaubare Reichweiten und die relativ hohen Batteriekosten stellen immer noch große Hürden auf dem Weg zur lokal emissionsfreien Elektromobilität dar. Doch speziell Nutzfahrzeuge, die innerstädtisch Lieferaufgaben übernehmen oder Personen transportieren, weisen Anforderungsprofile auf, zu denen die Stärken des batterieelektrischen Antriebs gut passen.

Einerseits sind die Reichweiten, die zwischen zwei möglichen Auflade-Stopps gefordert sind, überschaubar, und der Fahrzeugeinsatz lässt sich gut planen. Andererseits weisen die Fahrzeuge oft trotzdem hohe Laufleistungen auf, was die Amortisation infolge der geringeren Betriebskosten begünstigt. Nicht zuletzt sind Elektrofahrzeuge von eventuellen Fahrverboten zur Luftreinhaltung ausgenommen.

Kompetenz bei Thermomanagement wichtig für Li-Io-Batterien

Um die Nutzfahrzeughersteller bei der Elektrifizierung ihrer Flotten zu unterstützen, hat der bayerische Zulieferer Webasto 2017 mit der Entwicklung von Hochvolt-Batteriesystemen begonnen und im April 2018 – nur ein Jahr nach dem Start in das neue Geschäftsfeld – den ersten Serienauftrag für ein Build-to-print Projekt eines europäischen Nutzfahrzeugherstellers bekommen. Der Zulieferer nutzt dabei sein Know-how als Systemlieferant und speziell die Kompetenzen im Thermomanagement.

Auf den ersten Blick haben Hochvolt-Antriebsbatterien zwar wenige Anknüpfungspunkte zu den Dach- und Thermosystemen, auf die Webasto aus Stockdorf bei München bislang spezialisiert ist. Doch in einem essenziellen Feld kann der Zulieferer Know-how aus dem klassischen Geschäft in die Waagschale werfen: Als Spezialist für Thermomanagement ist er in der Lage, die Batterien im optimalen Temperaturbereich zu halten. Dies ist bei Lithium-Ionen-Batterien äußerst wichtig, damit sie eine möglichst hohe Lebensdauer erreichen.

Zusätzlich gehören die Integration großer Bauteile in Fahrzeuge und die langjährige Industrialisierungserfahrung zu den Kernkompetenzen des Unternehmens. Das gibt den Kunden die Sicherheit, weltweit zuverlässig und termintreu beliefert zu werden. Gleichzeitig ist es für die Entwickler in Stockdorf und die Ingenieure in den Werken selbstverständlich, nicht nur äußerst zuverlässige, sondern auch günstige Lösungen anzubieten.

Batteriesystems für Nutzfahrzeuge erstmals auf IAA 2018

Daher entwickelte Webasto ein modulares, flexibles und skalierbares Batteriesystem für Nutzfahrzeuge.

Dieses „Standard-Batteriesystem“ wird erstmals bei der IAA Nutzfahrzeuge im September dieses Jahres in Hannover gezeigt. Es ist grundsätzlich für alle Zellformate geeignet – zylindrisch, pouch und prismatisch – und stellt somit die größtmögliche Produktbreite am Markt dar.

Ein besonderer Vorteil des Systems ist seine modulare Bauweise: Der Produktentwicklungsprozess wurde durch standardisierte Module verkürzt. Und es können auch kleine Stückzahlen kosteneffizient produziert werden. Diese Bauweise ermöglicht die individuelle flexible Anpassung an aktuelle technologische Entwicklungen und kundenspezifische Anforderungen. „Das hat für den Kunden den Vorteil, dass er weniger investieren muss als in eine eigens für ihn entwickelte Lösung, und zu guten Konditionen ein individualisiertes Batteriesystem auch für kleinere Volumina bekommt“, erläutert Dr. Holger Engelmann, Vorstandsvorsitzender von Webasto.

Zusammenarbeit mit Samsung SDI geplant

Im März 2018 unterzeichnete Webasto zudem eine Absichtserklärung mit Samsung SDI über die Entwicklung des Batteriemoduls, das eigens für das Webasto-Batteriesystem optimiert wurde. Webasto integriert dieses Modul in seine Batteriepacks, die wiederum im Batteriesystem beliebig modular zusammengestellt werden können.

Da nur schwer absehbar ist, wie schnell sich der Markt für Elektro-Nutzfahrzeuge entwickelt, kann es für die Hersteller wichtig sein, auf diesem Weg ihr Investitionsrisiko zu verringern. Zudem ermöglicht Webasto den Nutzfahrzeugherstellern mit einem Full-Service-Paket gewissermaßen das Outsourcing des Batteriethemas. Denn nach Entwicklung, Produktion und Lieferung bietet der Zulieferer auch Wartung und Leasing der Batterien an sowie „Flying Doctors“, die Schäden beheben, und das Recycling oder die Weiterverwendung ausgemusterter Batterien etwa in stationären Anwendungen.

E-Mobilitätsabteilung agiert wie ein Start-up

Auf die Unwägbarkeiten und zu erwartenden Volatilitäten im gerade entstehenden Markt für Elektro-Nutzfahrzeuge hat sich das Unternehmen auch organisatorisch eingestellt. Um die Zuverlässigkeit und Bodenhaftung eines etablierten Zulieferers mit Flexibilität und Schnelligkeit zu verbinden, lässt Webasto die neue Business Unit E-Solutions & -Services wie ein Start-up unter dem Konzerndach agieren. Für die bislang noch nicht im Haus vorhandenen Technologiebereiche hat das Unternehmen Experten mit langjähriger Erfahrung in Batterieentwicklung und -produktion an Bord geholt. „Das erhöht für uns die Sicherheit, dass wir von Anfang an Produkte in der üblichen hohen Webasto-Qualität liefern können“, hebt Dr. Holger Engelmann hervor.

Für die Fertigung setzt Webasto zunächst auf sein bestehendes Produktionsnetzwerk. So befinden sich beispielsweise das Testing und der Prototypenbau im Cabrio-Kompetenzzentrum in Hengersberg. Die Serienfertigung der Batteriesysteme ist im Schiebedachwerk in Schierling und in einem der bestehenden Dachwerke in China geplant.

China ist ein wichtiger Markt zwingt aber zu Designänderungen

China ist in den Batterieplanungen von Webasto-CEO Dr. Engelmann ein wichtiger Markt. Dort sieht er „großes Potenzial“. Allerdings erzwingen Restriktionen der chinesischen Regierung in diesem Markt den Verzicht auf koreanische Zellen. „Wir werden in China andere Zellen einsetzen, die wir in unserem neuen chinesischen Testzentrum in Jiaxing validieren werden“, erläutert Engelmann.

Auf das Batteriegeschäft setzt der Unternehmenschef große Hoffnungen. Er betont: „Ziel ist, dass dieser Bereich ein weiteres wichtiges Standbein für Webasto wird. Wir sehen in den nächsten Jahren einen Umsatz in einer Größenordnung von 500 Millionen bis zu einer Milliarde Euro.“ 2017 erreichte die Gruppe insgesamt rund 3,5 Milliarden Euro Umsatz. Dabei muss das Batteriegeschäft keineswegs auf den Nutzfahrzeugbereich beschränkt bleiben. Bei Webasto liegen bereits erste Anfragen von Pkw-Herstellern zu den Stromspeichern vor.

Auf dem Wachstumspfad bewegt sich auch das Geschäft mit Ladelösungen des Stockdorfer Unternehmens. 2017 hat der Zulieferer erste Produkte vorgestellt, die als Gesamtlösungen beispielsweise Systeme zur Vernetzung beinhalten und Abrechnungsfunktionalitäten bieten. Die ersten Aufträge dafür sind bereits eingegangen. „Der Bereich Ladelösungen ist ebenfalls ein Start-up innerhalb unserer Unternehmensgruppe. Der Markteintritt ist erfolgreich gelungen. Wir rechnen damit, dass das Geschäft bis Ende des Jahres anzieht, wenn wir unseren ersten OEM-Auftrag ausliefern“, erklärt Dr. Engelmann.

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