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Zulieferer Webasto wächst und setzt auf Elektromobilität

| Redakteur: Christian Otto

Webasto-Chef Dr. Holger Engelmann vermeldet nicht nur das Überschreiten der 3-Milliarden-Euro-Umsatzgrenze sondern auch den Aufbau eines neuen Geschäftsbereichs. Dieser soll vom erwarteten E-Mobilitätsboom profitieren und Batterie-Management-Systeme und Ladestationen auf den Markt bringen.

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Dr. Holger Engelmann, CEO von Webasto, konnte sehr gute Zahlen präsentieren.
Dr. Holger Engelmann, CEO von Webasto, konnte sehr gute Zahlen präsentieren.
(Bild: Webasto)

Dr. Holger Engelmann, Vorsitzender des Vorstands, Webasto SE, präsentierte beim Jahrespressegespräch des Automobilzulieferers sehr positive Zahlen. „Die Webasto Gruppe blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2016 zurück und ist für die Zukunft gut gerüstet“, erklärte Engelmann. So erzielte das Unternehmen 2016 erstmals in seiner Geschichte einen Umsatz von über drei Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Umsatz um acht Prozent von 2,9 Milliarden auf rund 3,2 Milliarden Euro. Wechselkursbereinigt lag das Wachstum sogar bei zehn Prozent. Mit einem Ebit von 206 Millionen Euro (2015: 167 Millionen Euro) legte Webasto auch beim Ergebnis mit gut 23 Prozent deutlich zu. Die Umsatzrendite 2016 betrug 6,5 Prozent nach 5,7 Prozent im Vorjahr.

Den größten Umsatzanteil erwirtschaftete 2016 erneut der Geschäftsbereich für Schiebe- und Panoramadächer: Sunroofs & Components hatte mit rund 2,4 Milliarden Euro einen Anteil von 74 Prozent am Gruppenumsatz. Mit gut 300 Millionen Euro bzw. 10 Prozent trug der Geschäftsbereich Convertibles (Cabriodächer) zum Gesamtumsatz bei. Der Geschäftsbereich Thermo & Comfort erreichte mit Heiz- und Klimasystemen einen Umsatz von 500 Millionen Euro, was 16 Prozent des Gesamtumsatzes entspricht. Die Anzahl der Mitarbeiter der Webasto Gruppe stieg um drei Prozent und lag Ende 2016 bei gut 12.000 Beschäftigten weltweit.

Solides Kerngeschäft

„In unserem Kerngeschäft sind wir weltweit sehr gut aufgestellt“, sagte Engelmann mit Blick auf die einzelnen Regionen: Die Region Americas mit den USA, Mittel- und Südamerika, entwickelt sich stabil mit guten Perspektiven. Ein wesentlicher Teil des globalen Umsatzes wird nach wie vor in Europa erwirtschaftet. Die stärkste Dynamik verzeichnet der größte Einzelmarkt, China. Dort steigt die Nachfrage nach Schiebedächern und vor allem großflächigen Panoramadächern weiter ungebrochen. Daher baut Webasto sein Produktionsnetzwerk in China in den nächsten Jahren weiter aus. Zuletzt wurde Anfang Mai ein neuer Standort in Baoding (Provinz Hebei) eingeweiht.

Somit lag 2016 auch der Schwerpunkt der Investitionen neben Europa auf China. 150 Millionen Euro steckte der Automobilzulieferer weltweit insgesamt in den Ausbau von Gebäuden und Anlagen. Weitere 220 Millionen Euro flossen in Forschung und Entwicklung. Engelmann: „Wir richten den Fokus gezielt auf Standardisierung und Effizienz. Damit können wir unseren Kunden eine sehr breite Produktpalette mit einem hohen Individualisierungsgrad anbieten und gleichzeitig unsere Produktivität erhöhen.“

Doppelstrategie zahlt sich aus

„Unsere Doppelstrategie, bestehend aus den Säulen ‚Strengthening‘ und ‚Participating‘, zahlt sich aus“, betonte Engelmann und erläuterte: „Wir stärken zum einen konsequent unsere Kerngeschäftsfelder. Zum anderen erschließen wir neue Geschäftsfelder, die zu unserem Kompetenz-Profil passen und Lösungen für Megatrends in der Mobilität bieten.“

Seine Kerngeschäftsfelder stärkt Webasto unter anderem durch neue Technologien und Produkte. So erweitert das Unternehmen kontinuierlich sein Produktangebot an Hochvoltheizern (HVH). Vor allem durch die Elektromobilität sieht Engelmann hier großes Potenzial für die nächsten Jahre. Denn im batteriebetriebenen Fahrzeug ist das Heizsystem kein ‚nice to have‘ sondern ein ‚must have‘. Darüber hinaus ist für alle Geschäftsbereiche und Produktgruppen der gezielte, teilweise Ausbau der Fertigungstiefe wichtig. Engelmann: „Elektronik-Know-how ist für uns strategisches Know-how.“ Der Zukauf von Schaidt Innovations, einem Herstellers für Elektronikkomponenten, Anfang diesen Jahres war für Webasto laut Engelmann deshalb auch „ein logischer strategischer Schritt.“

Neuer Geschäftsbereich

Im Sinne von ‚Participating‘ konzentriert sich Webasto mit seinem neuen Geschäftsbereich E-Solutions & Services auf die Entwicklung und Produktion von Batteriesystemen und Ladelösungen für private Pkw und Dienstwagenflotten. „Als innovativer globaler Systempartner der Automobilindustrie ist es wichtig auf Basis der eigenen Kompetenzen in den Zukunftsmarkt der Mobilität zu investieren. Dort liegt für uns alle das Geschäft der Zukunft“, machte Engelmann deutlich.

Konkrete Produkte des neuen Bereiches nannte der Webasto-CEO auch: Neben Batterie-Management-Systemen, die man mit Partnern entwickelt, liegt ein weiterer Fokus auf dem Bereich Thermomanagement und Systemintegration. Engelmann betonte aber ganz klar, dass Webasto nur an der „Komplettierung des Batteriepacks“ arbeiten wolle und definitiv nicht in die Zellfertigung einsteige.

Beim Thema Ladelösungen will der Zulieferer sein Know-how in die Produktion von vollintegrierten Ladestationen, so genannten Wallboxen einbringen. Hier sieht man auch ein profitables Geschäft bei der Installation und dem Service. Gerade mit der eigenen Aftermarket-Erfahrung will man hier punkten und zu einem Anbieter mit weltweitem Service-Netzwerk wachsen.

Optimistischer Blick nach vorn

Für den Bereich E-Solutions & Services baut man gerade ein Team aus Spezialisten auf, das bis Ende des Jahres 70 Mitarbeiter umfassen soll. Und Engelmann wagte für das neue Geschäftsfeld einen vorsichtigen Blick in die Zukunft „Wenn uns der Bereich in ein paar Jahren eine Milliarde Euro Umsatzvolumen bringt, ist das schon ein tolles Ziel.“

Das Jahr 2017 startet für Webasto schon einmal sehr gut. Sowohl bei Umsatz und Ergebnis sei man sehr gut ins Geschäftsjahr 2017 gestartet. Darüber hinaus lag der Auftragsbestand zum Ende des ersten Quartals bei 13,6 Milliarden Euro. Das waren 2,7 Milliarden Euro mehr als zum gleichen Zeitpunkt 2016. Daher blickt das Unternehmen trotz der Volatilität der Automobilbranche und der geopolitischen Unsicherheiten positiv in die Zukunft. „Wir befinden uns auf Kurs, unser selbst gestecktes Umsatzziel von 5 Milliarden Euro bis 2020 zu erreichen und verfügen über ein solides Finanzfundament für weitere strategische Investitionen und Akquisitionen“, so Engelmann.

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