Nach Insolvenz Wegen Chipkrise: Bei der Veritas-Übernahme durch HDT knirscht es

Autor Svenja Gelowicz

Eigentlich sollte die Übernahme des hessischen Kunststoffspezialisten durch HDT Ende des Monats vollzogen werden. Doch hinter dem Deal steht nun ein dickes Fragezeichen.

Firmen zum Thema

Veritas soll unter das Dach des US-amerikanischen Zuliefereres HDT wandern.
Veritas soll unter das Dach des US-amerikanischen Zuliefereres HDT wandern.
(Bild: Veritas)

Die Übernahme des hessischen Automobilzulieferers Veritas durch die US-amerikanische Gesellschaft HDT Automotive Solutions ist ins Stocken geraten. Ein Sprecher des Frankfurter Insolvenzverwalters Jan Markus Plathner hat auf Anfrage Medienberichte bestätigt, wonach HDT Schwierigkeiten bei der Finanzierung des Deals angibt. „Wir sind weiterhin in Gesprächen mit HDT und unabhängig davon werden sowohl der Betrieb als auch der seit Beginn des Verfahrens eingeschlagene Sanierungsweg von Veritas in vollem Umfang fortgesetzt“, heißt es in einem Statement. Als Grund wird die Chipkrise herangezogen, die auch Transaktionen verzögere.

Demnach erhielt Insolvenzverwalter Plathner am 7. Oktober die Nachricht von HDT, dass das Unternehmen „aufgrund der sich verändernden Umstände“ wahrscheinlich nicht in der Lage sein werde, die Transaktion zu finanzieren. Dass der Kauf wie geplant zum Monatsende vollzogen wird, sei unwahrscheinlich.

Insolvenzverwalter dennoch zuversichtlich

Vor gut einer Woche hatte die „Gelnhäuser Neue Zeitung“ zuerst über das Schreiben berichtet. In einem Rundbrief an die Beschäftigten äußerte sich Plathner laut der Lokalzeitung zuversichtlich, dass HDT weiter an einem Einstieg bei Veritas interessiert sei. Nichtsdestotrotz ruhten alle „nicht umkehrbaren Arbeiten im Zusammenhang mit dem Übergang des Unternehmens“ vorerst.

Die Veritas-Übernahme gilt als eine der Wichtigsten, wenn es um mittelständische Unternehmen geht, die zuletzt in eine finanzielle Schieflage gerutscht sind. In Deutschland sollen etwa 1.520 Beschäftigte von HDT übernommen werden. HDT und Veritas haben die Vereinbarung im Juni verkündet, die Kaufverträge wurden unterzeichnet.

Veritas beliefert unter anderem viele VW-Konzernmarken, BMW, Mercedes-Benz und Opel mit Teilen. Auf der Kundenliste stehen außerdem große Zulieferer wie Bosch, Brose oder Webasto. Die Veritas-Tochter Poppe wurde bereits im Februar erfolgreich vom niederländischen Investor Elastofirm übernommen.

HDT wiederum ist ein Zusammenschluss von sechs Unternehmen. Der Hauptsitz befindet sich im US-Bundesstaat Michigan. Hauptaktionäre von HDT ist die Privatkapitalgesellschaft Ardian mit Sitz in Paris.

(ID:47756272)