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China Market Insider Wie China die Autoindustrie stützen will

| Autor / Redakteur: Henrik Bork* / Sven Prawitz

Die Automobilproduktion in China läuft wieder. Nun müssen die Autos auch verkauft werden. Dafür wollen Regierung und Chinas Großstädte Anreize für Autokäufer schaffen.

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In China erholt sich die Autobranche nach dem durch den Coronavirus verursachten Shutdown langsam wieder.
In China erholt sich die Autobranche nach dem durch den Coronavirus verursachten Shutdown langsam wieder.
(Source: Deposit Photos )

Sowohl die chinesische Regierung als auch die Stadtverwaltungen ergreifen Maßnahmen, um die Nachfrage nach Autos wieder anzukurbeln. Der chinesische Staatsrat hatte erst vor wenigen Tagen eine Fortsetzung der staatlichen Förderung für E-Autos bekannt gegeben. Das im Jahr 2016 ursprünglich auf fünf Jahre angelegte staatliche Förderprogramm ist bis 2022 verlängert worden.

Schärfere Förderkriterien

Brancheninsidern zufolge steht eine Reduzierung der Subventionen von zehn Prozent später in diesem Jahr zur Debatte. Das chinesische Finanzministerium hatte zudem Ende März angekündigt, das künftig nur noch E-Autos mit einer Reichweite von mindestens 250 Kilometern – im Gegensatz zu den bisherigen 150 Kilometern – gefördert werden sollen. Der Zuschuss für Elektro-Autos mit einer Reichweite von mindestens 400 Kilometern solle in den nächsten drei Monaten auf 25.000 Yuan (rund 3.300 Euro) halbiert werden.

Die noch unklare Nachrichtenlage mit widersprüchlichen Signalen zeigt das Dilemma, mit dem Chinas Staats- und Parteiführung derzeit ringt. Einerseits versucht sie, die heimische Elektromobil-Industrie unabhängiger von staatlichen Finanzspritzen und damit langfristig wettbewerbsfähiger zu machen. Andererseits ist gerade wegen der Coronavirus-Krise der Absatz von Personenwagen in China drastisch eingebrochen.

Mehr Nummernschilder für Autokäufer

Parallel zu den Maßnahmen der Regierung haben Chinas Großstädte begonnen, ihre Beschränkungen für die Neuzulassung von Autos leicht zu lockern. Die Ankündigung ist einer der wenigen Lichtblicke für Automobilhersteller in China, seit die Krise den Absatz von Neuwagen im Februar um 82 Prozent einbrechen ließ.

Schanghai habe im März bislang 11.970 neue Nummernschilder ausgeteilt, ein deutlicher Anstieg von den zuletzt unter 10.000 liegenden monatlichen Durchschnittszahlen, berichtete Automotive News China in Schanghai. Die Stadt Hangzhou kündigte in der vergangenen Woche an, in diesem Jahr 20.000 Nummernschilder mehr zu vergeben als bislang geplant. Guangzhou, auch Kanton genannt, will ebenfalls mehr neue Taxis und Privatwagen auf seine Straßen lassen, nannte jedoch noch keine konkreten Zahlen.

Peking verlost Nummernschilder

Seit etwa einem Jahrzehnt beschränken Chinas Großstädte wegen der notorischen Monster-Staus auf ihren Straßen die Ausgabe neuer Nummernschilder. Peking etwa führte bereits im Jahr 2011 eine Lotterie ein, an der jeder Bürger teilnehmen muss, der ein neues Auto anmelden möchte. Nicht repräsentativen Umfragen zufolge sind die Gewinnchancen denen des deutschen Lotto nicht unähnlich. Auf jeden Fall sind sie sehr gering.

Verzweifelte Autobesitzer greifen daher immer wieder zu illegalen Methoden, um doch irgendwie in den Besitz eines Nummernschildes zu kommen. Einem Bericht des chinesischen Staatsfernsehens CCTV zufolge zahlen manche Fahrer auf dem Schwarzmarkt mehr als 160.000 Yuan (knapp 21.000 Euro) für eine neue Nummer auf einem Benziner, immerhin noch 110.00 Yuan (rund 14.000 Euro) für die auf einem Elektroauto. Der Trick: Für diese Summen wird eine getürkte Hochzeit mit einer Chinesin arrangiert, die stolze Besitzerin eines echten Nummernschildes ist.

Städte sollen Konjunktur ankurbeln helfen

Während nun die Coronavirus-Krise auch die Automobilindustrie in China schwer gebeutelt hat, mehren sich allmählich die Stimmen derer, die eine Lockerung der strengen Beschränkungen fordern. Zuletzt stimmte im Februar dieses Jahres sogar Chinas Staats- und Parteipräsident Xi Jinpeng in diesen Chor mit ein und bat die großen Städte um ihre Mithilfe, auf diesem Weg die krisengeplagte Konjunktur mit ankurbeln zu helfen.

Chinesischen Medienberichten zufolge sind die ersten Lockerungen in Schanghai, Hangzhou und Kanton auf diesen Appell von ganz oben zurückzuführen. „Dies ist vermutlich das Beste, worauf die Automobilindustrie zu diesem Zeitpunkt hoffen kann“, kommentierte die Fachpublikation.

Peking will E-Autos massiv fördern

Allerdings sind die Behörden trotz der Coronavirus-Krise offenbar wenig geneigt, von ihrer Präferenz für Elektroautos abzurücken. Noch unbestätigten Informationen zufolge erwägt die Stadt Peking als Konjunkturmaßnahme im Zuge der Krise noch in diesem Jahr 100.000 zusätzliche Nummernschilder für Elektroautos auszugeben.

Die Industrie hofft zusätzlich auf neue oder zumindest verlängerte Steuererleichterungen oder Subventionen, um den chinesischen Markt für Autos wiederzubeleben. Wie viel Spielraum die chinesische Regierung da jedoch in diesem Jahr noch hat, nachdem sie bereits hunderte von Milliarden von Yuan zur Eindämmung der Virus-Epidemie ausgegeben hat, ist umstritten.

*Henrik Bork ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.

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