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Entwicklung Wie das Start-up Holo-Light das Engineering verändern will

| Autor: Svenja Gelowicz

Das Start-up Holo-Light hat eine Entwicklungsumgebung für Ingenieure auf den Markt gebracht, die auf Augmented Reality setzt. Mit frischem Geld im Säckel wollen die Gründer nun auch international Fahrt aufnehmen.

(Bild: Simon Toplak / Holo-Light )

Abschlussarbeiten können stressig sein. Die Konzeption einer Kühlanlage für eine Hochleistungslokomotive hat die angehenden Physiker Florian Haspinger und Alexander Werlberger auf jeden Fall mächtig unter Druck gesetzt. Schuld daran war nicht das Thema, sondern während der Entwicklung sind den beiden, die sich schon aus Schulzeiten kennen, viele Prozesse umständlich erschienen, gar fehlerhaft – auf jeden Fall nicht effizient.

Die beiden Österreicher gründeten dann im Masterstudium gemeinsam mit Florian Haspingers Frau, Susanne Haspinger – ebenfalls Physikerin – und einem Bekannten aus München, Luis Bollinger, das Start-up Holo-Light. Das war 2015 und in Innsbruck.

Heute arbeiten für das junge Unternehmen 40 Personen, der größte Standort ist Ismaning bei München – auch, um näher bei den Kunden zu sitzen. Zu denen gehört der Autobauer BMW, mit dem Holo-Light von Anfang an eng zusammengearbeitet hat. Aber auch Hersteller wie Porsche, Volkswagen und Honda oder Zulieferer wie Bosch und Magna nutzen die Technik.

Entwickler können im Millimeterbereich die Hologramme bearbeiten.

„Wir haben einen Augmented-Reality-Arbeitsplatz für das Engineering entwickelt“, sagt Haspinger. Von der ersten konzeptionellen Idee bis zum ersten nutzbaren Prototypen und schließlich dem Produkt vereine dieser „Augmented Reality Engineering Space“, kurz ARES, alle Elemente in einem Produktlebenszyklus.

Hologramme editieren: Ein Stift soll helfen

Um in dieser Software-Umgebung gut arbeiten zu können, gibt es eine Art Stift, Stylus genannt. Dessen Herzstück ist eine eigens entwickelte künstliche Intelligenz. Ein Großteil der Entwicklungsarbeit ist in sie geflossen. Sie verfolgt jede kleinste Bewegung des Stiftes: „Entwickler können im Millimeterbereich die Hologramme bearbeiten“, sagt Haspinger. Soft- und Hardware sind auf Microsofts AR-Headset Hololens 2 optimiert.

Ist es nun nicht eigentlich besonders fortschrittlich, die freischwebenden Hologramme mit Gesten oder Sprache steuern zu können? Nein, sagt Haspinger, diese Art der Bedienung sei für genaue Arbeiten, Messungen oder Bewegungen nicht tauglich. Für andere Zwecke ist sie besser geeignet, nicht aber für Engineering. „Nicht präzise genug“, sagt Haspinger.

Hard- und Software von Holo-Light

Stift und ARES-Software sind natürlich miteinander verknüpft. ARES hat laut Haspinger Schnittstellen zu den „industriegängigen“ CAD-Programmen. Die Funktionen sind auf Automotive-Entwickler ausgerichtet.

Für ein kleines Unternehmen dürfte es durchaus herausfordernd sein, zwei so komplexe Produkte zu entwickeln und zu verbinden. Stimmt, sagt Haspinger. „Aber es ist auch hilfreich, ein Verständnis für die Integration von Hard- und Software zu entwickeln. Ähnliche Herausforderungen haben auch unsere Kunden.“ Über Beispielprojekte mag Haspinger nicht sprechen. Denn natürlich greife man beim Engineering in einen sehr sensiblen Bereich von Unternehmen ein.

Mit Augmented Reality bei der Entwicklung Zeit sparen

Wie hoch die Einsparpotenziale bei Kosten oder Zeit sind, vermag er nicht genau zu sagen. Bislang gebe es erst einige Dutzend Nutzer pro Kunde, die Berechnungen seien deshalb noch nicht abgeschlossen. Auch hänge das stark vom jeweiligen Kunden ab. Glaubt man Haspinger, dann beschleunigen die dreidimensionalen, freischwebenden Elemente in der Entwicklung vor allem Konzept- beziehungsweise Detailentscheidungen um Monate. Auch Prototypen würden überfällig, Fehler könnten innerhalb weniger Minuten korrigiert werden. Und auch die Qualität ließe sich prüfen. Das Produkt würde hochwertiger und ließe sich schneller in den Markt bringen.

Und außerdem sollen diejenigen, die am Entwicklungsprozess beteiligt sind, besser zusammenarbeiten; also vom Entwicklungsdienstleister über verschiedene Zulieferer bis zum Autohersteller selbst. Nicht zu vernachlässigen sei außerdem, dass die Arbeit so den Ingenieuren mehr Spaß mache.

Die Zukunft ist international

Holo-Light hat Ende des vergangenen Jahres eine Series-A-Finanzierung abgeschlossen und insgesamt vier Millionen Euro eingesammelt. Das Geld wollen die Gründer vor allem in Sales, Marketing und die Internationalisierung stecken. Der Kernmarkt sei zwar die DACH-Region, doch auch Japan und die USA seien im Engineering wichtige Märkte. „Spätestens Anfang 2021 wollen wir dort Zweigstellen etablieren“, sagt Haspinger. Die Finanzspritze soll auch in die eigene Produktweiterentwicklung fließen.

Denn die Mission des Physikers lautet: Das beste Produkt in der Branche bereitstellen. Dafür wollen die Gründer eine weitere Investmentrunde starten. Hilfreich sei dafür die Nähe zur TU München: Mehr als die Hälfte der Mitarbeiter kommt von dort.

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Über den Autor

 Svenja Gelowicz

Svenja Gelowicz

Redakteurin Wirtschaft und Mobilität