Zu Besuch bei Kreisel Electric

„Wir leben im Steinzeitalter der Elektrifizierung“

| Autor: Svenja Gelowicz

Die vier CEOs von Kreisel Electric: (v. li.) Christian Schlögl und die drei Brüder Markus Kreisel, Johann Kreisel und Philipp Kreisel.
Die vier CEOs von Kreisel Electric: (v. li.) Christian Schlögl und die drei Brüder Markus Kreisel, Johann Kreisel und Philipp Kreisel. (Bild: Kreisel Electric)

Eine Silicon-Valley-Geschichte in Oberösterreich: Die Brüder von Kreisel Electric haben mit ihrer Batterietechnologie längst die Aufmerksamkeit der Großindustrie. Jetzt haben sie ihr High-Tech-Forschungs- und Entwicklungszentrum in Rainbach im Mühlkreis eröffnet.

Die Story ist perfekt: Drei Brüder tüfteln in einer Garage an einer Batterietechnologie; die OEMs werden hellhörig – und die Nachfrage explodiert förmlich. Das weiß auch Markus Kreisel. Der zweitälteste Bruder, 38, verantwortet als CEO die Bereiche Marketing und Vertrieb: „Die Geschichte „Von der Garage in die Industrie“ kommt gut an“, kommentiert Kreisel. Markus Kreisels älterer Bruder heißt Johann, er ist 41 und CEO für Produktion und Elektrotechnik. Der Jüngste ist der 28-jährige Philipp, ebenfalls CEO und dabei zuständig für Forschung und Entwicklung.

Marketing kann Kreisel generell ganz gut: In verschiedenen Projekten elektrifizieren die Brüder Flaggschiffe wie mehrere EVEX Porsche 910 oder eine G-Klasse – welche von niemand geringerem als Ex-Gouverneur Arnold Schwarzenegger gefahren wird; und der Schauspieler testet – natürlich! – auch den weltweit ersten elektrifizierten Hummer H1 (siehe Bildergalerie).

Das bringt Aufmerksamkeit – und Auszeichnungen, wie den Österreichischen Klimaschutzpreis, zahlreiche Innovationsawards oder den „Staatspreis Mobilität“.

Kreisel will keine Autos herstellen

Kreisel Electric kann selbst nur Kleinserien fertigen, die Batterie-Experten setzen auf Industriepartner für die Volumenproduktion. Was können sie besser als andere? „Wir sind extrem billig. Wir haben einen relativ einfachen Prozess, Batterien zu fertigen“, sagt Markus Kreisel. Sein Unternehmen bietet den Technologietransfer oder Lizenzen; und besonders interessant ist für Kreisel die Elektrifizierung der Flotten und Fahrzeuge von Gemeinden und Städten – zum Beispiel der Müllabfuhr. CEO Nummer Vier Christian Schlögl, 35, verantwortlich für Strategie und Recht, dazu: „Durch Lizenzen wird unser Geschäftsmodell schnell skalierbar. Wir sind ein Anbieter von Systemlösungen und nicht an der Realisierung von eigenem Volumengeschäft interessiert.“ Kreisel sei in „weit fortgeschrittenen Gesprächen“ mit der Autoindustrie für großvolumige E-Automobil-Serien.

Wie die Batterietechnologie funktioniert

Sie wiegt weniger als 4,1 kg/kWh und hat eine Energiedichte von 1,95 dm3/kWh – und Kreisel behauptet, damit die leichteste und effizienteste Batterie am Markt zu fertigen. Diese entstünde durch eine patentierte Laser-Schweißverbindung. Kreisel Electric temperiert die Rundzellen außerdem mit einer speziellen Ummantelung: einer nicht-brennbaren Flüssigkeit, welche die Batteriezelle umhüllt – und damit die optimalen 20 bis 30 Grad Celsius erreicht. „Kühlen ist wichtig. Genauso wichtig ist aber auch genug Wärme“, so Markus Kreisel, denn das zahle direkt auf Reichweite und Lebensdauer ein.

Ein weiterer Pluspunkt der Flüssigkeit: im Falle eines Kurzschlusses würde diese auch Feuer verhindern. Die Zellen selbst bezieht Kreisel Electric aus Korea, Japan und China.

Die E-Mobilität ist auf dem Vormarsch, die Klimaziele ein massiver Treiber. Fürchten die Brüder Konkurrenz, jetzt wo viele der Großen ihre Pläne für Batterien, insbesondere Festkörperzellen, äußern? Im Gegenteil: „Es müsste 100 Firmen wie uns geben. Gerade für Speziallösungen herrscht ein Riesenbedarf“, so Markus Kreisel. Auch er sieht Festkörperbatterien als Zukunftstechnologie, allerdings würde es wohl noch zehn Jahre dauern, bis die industrialisiert sind: „Das dauert zu lange. Gerade um die Klimaziele zu erreichen, müssen wir solange Lithium-Ionen-Batterien nutzen.“ Und er ergänzt: „Das fängt alles erst an. Wir leben im Steinzeitalter der Elektrifizierung.“

Im Headquarter von Kreisel Electric

Szenenwechsel Fertigung: Hier bastelt Kreisel Electric an seinen Kleinserien und schmiedet neue Ideen. Bislang arbeiten 90 Mitarbeiter im neuen Forschungs- und Entwicklungszentrum, Durchschnittsalter: 32 Jahre. „Plötzlich haben wir Licht, um Prototypen zu entwickeln“, sagt einer zum Neubau. Sie alle tragen die gleichen T-Shirts mit Kreisel-Logo wie die CEOs. Ab nächsten Jahr sollen schon über 200 Menschen dort arbeiten, denn dann will Kreisel kräftig Gas geben und sein E-Mobilitäts-Geschäft international ausweiten.

7.000 Quadratmeter groß ist das neue Headquarter, mit Prototypenwerkstatt und einer komplett automatisierten Fertigungslinie für Batteriespeicher. Auf dem Dach: Eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 273 kWp, das Headquarter greift auf selbstproduzierten Strom zurück – auch dank Batteriespeicher mit 1.248 kWh Kapazität oder eines 17.000 Liter fassenden Warmwasserspeichers.

„Unser Headquarter ist ein Verkaufsargument", sagt Markus Kreisel; und auch Energiebetreiber kämen zur Besichtigung vorbei. Gesteuert würde das Gebäude via Software, auf dem Gelände selbst gibt es 58 Ladepunkte für E-Autos.

Nicht nur Batteriebrüder

Das Portfolio von Kreisel Electric hat nicht nur Batterien in petto. Verschiedene Heimspeichertechnologien, Ladesäulen – „Power-Charger“ – mit drei Ladestandards oder ein modulares 2-Gang-Getriebe sind davon nur drei Beispiele. Den Titel „Batteriebrüder“ mag Markus Kreisel daher nicht so gerne. „Wir sind viel mehr“, so der Österreicher.

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