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Dieser Beitrag ist im Rahmen des Themenspecials "100 Jahre Preh" erschienen.

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100 Jahre Preh: „Innovation im Blut“

| Autor/ Redakteur: Claus-Peter Köth / Thomas Günnel

Als kleiner Lieferant für die Rundfunkindustrie gestartet, ist Preh heute als Zulieferer für Fahrerbediensysteme, Elektromobilität und Konnektivität etabliert. CEO Christoph Hummel spricht im Interview über die Wandlungsfähigkeit seines Unternehmens – und gibt einen Ausblick.

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Preh-CEO Christoph Hummel: „Unsere Produktion ist bis Ende 2023 gut ausgelastet.“
Preh-CEO Christoph Hummel: „Unsere Produktion ist bis Ende 2023 gut ausgelastet.“
(Bild: Preh)

Am 11. März 2019 feierte die Preh GmbH ein stolzes Jubiläum: Der Automobilzulieferer aus Bad Neustadt a. d. Saale wurde 100 Jahre alt. Ein Blick in die Preh-Historie ist ähnlich spannend wie der Ausblick in die Zukunft: Das Unternehmen musste in den vergangenen 100 Jahren Branchenkrisen meistern, sein Produktportfolio mehrfach komplett umstellen und sich letztlich auch als Firma immer wieder neu erfinden.

Angesichts der großen Veränderungen in der Automobilindustrie werden die nächsten 100 Jahre wohl nicht weniger herausfordernd. Preh hat sich als Innovationstreiber in den Marktsegmenten für Fahrerbediensysteme, E-Mobility und Connectivity positioniert. Unter dem Slogan „We drive Innovation“ will der Zulieferer die Mobilität der Zukunft aktiv mitgestalten und die Bedienung im Fahrzeugcockpit von morgen gestalten.

Preh-CEO Christoph Hummel im Exklusiv-Interview

Preh befindet sich auch im Jahr des 100-jährigen Jubiläums weiter auf Wachstumskurs. CEO Christoph Hummel über die aktuell größten Handlungsfelder, den Einfluss der Megatrends E-Mobilität und autonomes Fahren, die hohe Innovationskraft sowie die Zugehörigkeit zur Joyson-Gruppe.

Herr Hummel, Preh feiert in diesen Tagen seinen 100. Geburtstag. Wie sieht sich das Unternehmen heute aufgestellt, und wo will man in den nächsten zwei, drei Jahren hin?

Wir sind sehr gut aufgestellt. Im vergangenen Jahr sind wir um 7,8 Prozent gewachsen und haben rund 1,32 Milliarden Euro Umsatz erreicht. Zudem konnten wir viele Neuaufträge gewinnen, die uns in zwei, drei Jahren entsprechend Umsatz bringen werden. Unsere Produktion ist bis Ende der Planungsperiode 2023 gut ausgelastet.

Im laufenden Jahr sehen wir prozentual sogar ein zweistelliges Wachstum, insbesondere in unserem traditionellen Geschäft. Ursache dafür sind die vielen Aufträge, die wir seit dem Jahr 2015 akquiriert haben – weltweit mit Bestands- und Neukunden gleichermaßen.

Was zählen Sie zum traditionellen Geschäft?

Unser klassisches Business umfasst die Felder Car HMI, Commercial Vehicle HMI und unsere Aktivitäten im Bereich der Elektromobilität. Noch relativ jung ist für uns das Geschäft der Preh Car Connect mit Infotainment- und Connectivity-Lösungen. PCC ist im vergangenen Jahr – wie geplant – im Umsatz stabil geblieben. Dieses Jahr bringt PCC eine neue Generation an Navigations- und Connectivity-Systemen in Serie und wird dann auch wieder wachsen. Generell ist es PCC gelungen, die Kundenbasis zu erweitern. Große Erfolge sind zuletzt vor allem der chinesischen Schwestergesellschaft JPCC gelungen. Dabei zahlte sich die Unterstützung der Konzernmutter Joyson bei der Erschließung des chinesischen Marktes aus.

Ebenfalls nach oben ging die Zahl der Mitarbeiter, das EBIT jedoch lag deutlich unter dem Vorjahr. Warum?

Unsere Mitarbeiterzahl hat sich gegenüber 2017 um rund zehn Prozent erhöht. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern lag mit 44,8 Millionen Euro jedoch rund acht Millionen Euro unter dem Vorjahreswert, zum einen weil wir mit Blick auf das geplante Wachstum in 2019 gezielt in den Aufbau unserer Belegschaft investiert haben, zum anderen weil unsere Kunden zusätzliche Einsparungen einfordern. Der Kostendruck seitens der OEMs ist noch einmal massiv gestiegen.

Wie passt dieser Druck auf die Zulieferer zu den Ankündigungen der OEMs, die neuen Technologietrends seien nur gemeinsam zu stemmen?

Innovationen gibt es nicht zum Nulltarif. Einsparungen in der geforderten Größenordnung sind nur möglich, wenn man gemeinsam an die Produkte herangeht und technische Modifikationen definiert, in unserem Fall etwa andere Elektronikkomponenten verbaut, die Oberflächen verändert oder die Variantenanzahl reduziert. Hier müssen wir mit dem OEM zu gemeinsamen Lösungen kommen. Anderenfalls haben wir keine Luft für Preissenkungen. Zumal wir den Druck nicht nur von der Kundenseite her spüren, sondern auch von unseren Lieferanten. Insbesondere passive Bauelemente wie die Mehrschicht-Keramikkondensatoren, kurz MLCCs, machen uns im Moment große Sorgen; die Preise sind extrem gestiegen, die Verfügbarkeit zurückgegangen. Das führt dazu, dass wir tagtäglich Mehrkosten haben, etwa in Form von Sonderfrachten.

Sehen Sie zeitnah eine Entspannung?

Auf der Lieferantenseite wird der Druck anhalten. In allen Branchen wird elektrifiziert, und Produkte werden „smart“. Entsprechend hoch ist die Nachfrage nach Elektronikkomponenten. Auch der starke US-Dollar drückt auf unsere Marge. Auf der Kundenseite hoffen wir auf wieder steigende Volumina ab dem zweiten Halbjahr. Allerdings sehen wir beim Endkunden weiterhin eine hohe Verunsicherung, welches Auto oder welche Motorisierung er sich kaufen soll. Hinzu kommen die großen Handelskonflikte, die noch auf eine Lösung warten. Um unsere Ertragslage wieder zu verbessern, haben wir ein umfassendes Kostensenkungsprogramm auf den Weg gebracht. Es betrifft alle Unternehmensbereiche.

Zurück zum Jahr 2018: Was waren Ihre beiden größten Handlungsfelder?

Zum einen unser Geschäftsbereich E-Mobility, den wir noch einmal kräftig vorangebracht haben, nicht zuletzt im Hochvoltbereich mit dem Zukauf von „ePower“ in Schweden. Wir werden hier noch aktiver werden und im Laufe dieses Jahres zwei interessante Produkte in Serie bringen. E-Mobility ist der für uns am stärksten wachsende Bereich. Wir haben das Kundenportfolio erheblich verbreitert, jüngst auch mit Aufträgen für chinesische Kunden. Aktuell investieren wir massiv in die Produktion der von uns entwickelten Produkte. Zum anderen haben wir die Zusammenarbeit in der Joyson-Gruppe intensiviert, zumal Joyson Electronics durch den Zukauf von Takata im Jahr 2018 noch einmal deutlich gewachsen ist: Das Unternehmen zählt jetzt mit den Divisionen Automotive Electronics, Automotive Components und Automotive Safety zu den Top-30-Zulieferern weltweit. Zum Beispiel gibt es einige gute Ansätze mit „JOYSONQUIN“ – wo wir das Dekor-Know-how mit unserer Elektronikkompetenz vereinen. An Joyson Safety Systems, ehemals Takata, liefern wir traditionell bereits Lenkrad-Multifunktionsschalter. Hier sehen wir noch großes Potenzial, etwa wenn wir künftig von Beginn an gemeinsam Lenkräder entwickeln.

Wie wird der zweite Megatrend, das autonome Fahren, mittelfristig das Geschäft von Preh verändern?

Das autonome Fahren ist insbesondere für Preh Car Connect ein interessantes Geschäftsfeld. Zum Beispiel liefert die „Connectivity Box“ von PCC die Grundlage für die smarte Kommunikation auf der Straße, indem sie die Infrastruktur mit den Verkehrsteilnehmern und der Cloud vernetzt.

Können Sie wegbrechendes Geschäft mit den traditionellen Herstellern durch Aufträge neuer OEMs kompensieren?

Wir wachsen im traditionellen Geschäft von Preh zweistellig, da bricht nichts weg. Unser Wertanteil pro Komponente steigt erheblich. So integriert beispielsweise das für BMW entwickelte „Modulare Bedienzentrum Mittelkonsole“ den Gangwahlhebel, den iDrive Touch Controller sowie diverse Schaltfunktionen mit aktivem, haptischem Feedback in einem Bauteil. Zusätzlich gewinnen wir Geschäft mit neuen OEMs – insbesondere in China. Hier hilft uns die Zugehörigkeit zum Joyson-Konzern, mit dem entsprechenden Marktzugang.

Und inwieweit profitieren Sie von neuen Fahrzeugkonzepten wie People Movern oder Robotaxis?

Diese Konzepte sind für uns noch kein Thema. Aber auch sie werden in irgendeiner Form Bedien- und Anzeigesysteme brauchen oder auch Komponenten aus unserem Geschäftsfeld E-Mobility. Wir sehen ihrer Entwicklung mit Interesse entgegen.

Für das erwähnte „Modulare Bedienzentrum Mittelkonsole“ wurden Sie von BMW mit dem Supplier Innovation Award ausgezeichnet. Wie gelingt es Ihnen, die Innovationskultur hochzuhalten?

Preh musste sich im Laufe seiner 100-jährigen Geschichte sehr oft wandeln und immer wieder neu erfinden. Das liegt uns im Blut, Innovation ist unsere DNA. Außerdem leisten wir uns eine Vorentwicklung, die sehr innovativ unterwegs ist, und der es immer wieder gelingt, neue Themen vor anderen Marktteilnehmern zu besetzen. Unsere F&E-Quote ist zweistellig.

In welchen Feldern sehen Sie noch Möglichkeiten, das Portfolio von Preh durch Zukäufe zu erweitern? Sind die Technologietrends künstliche Intelligenz, 5G, Blockchain, Cloud Computing etc. für Sie ein Handlungsfeld?

Mit den Zukäufen von Quin im Jahr 2015, von Technisat Automotive – jetzt Preh Car Connect – und von Key Safety Systems, kurz KSS, im Jahr 2016 sowie von Takata im Jahr 2018 ist die Joyson-Gruppe sehr schnell groß geworden. Dieses rasante Wachstum gilt es erst einmal zu verarbeiten. Insbesondere die Integration von Takata wird uns noch eine Weile beschäftigen. Aktuell steht für uns eine intensivere Zusammenarbeit im Konzern im Fokus, weil wir dort noch hohes Potenzial sehen. Gleichwohl will ich eine weitere Akquisition nicht ausschließen, sollte sich eine attraktive Ergänzung ergeben. Die von ihnen genannten neuen Technologietrends sind vor allem bei Preh Car Connect in Dresden tagtägliche Themen – allen voran der Mobilfunkstandard 5G.

Wie wichtig ist für Sie die Zugehörigkeit zur Joyson-Gruppe, einem der Top-100-Zulieferer weltweit?

Wir spüren durchaus, dass wir bei bestimmten Kunden ganz anders wahrgenommen werden. Insofern haben wir auch die gemeinsame Kundenansprache im Firmenverbund forciert.

Was sehen Sie als die größte Herausforderung für Preh in den nächsten Jahren?

Unsere Aufgabe schlechthin ist es, das dynamische Wachstum der nächsten Jahre vor dem Hintergrund des immensen Kostendrucks erfolgreich und profitabel zu meistern. Diese Herausforderung gehen wir voller Zuversicht an.

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