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Automobilzulieferer „3-D-Displays sind immer noch vergleichsweise aufwendig“

| Autor / Redakteur: Claus-Peter Köth / Maximiliane Reichhardt

Frank Rabe leitet bei Continental den Bereich Human Machine Interface (HMI). Im Interview spricht er über das hohe Interesse an 3-D-Displays, technische Besonderheiten sowie den weiteren Weg bis zur Serienreife.

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Natural 3-D-Centerstack-Display: 3-D-Erlebnis für alle Passagiere – ohne Spezialbrille und erstmals mit Touch-Funktion.
Natural 3-D-Centerstack-Display: 3-D-Erlebnis für alle Passagiere – ohne Spezialbrille und erstmals mit Touch-Funktion.
(Bild: Continental)

Herr Rabe, 3-D-Displays sollen mehr und mehr das Fahrzeugcockpit schmücken. Was macht die Technologie so interessant?

Ich sehe vor allem zwei Aspekte. Sie sind schön anzusehen – ein echter Hingucker. Hinzu kommt die funktionelle Komponente: Mit dem dreidimensionalen Effekt lassen sich Informationen schneller und intuitiver als auf herkömmlichen Bildschirmen erfassen – zum Beispiel Warnsignale der Fahrerassistenzsysteme oder das Bild der Rückfahrkamera. Auch beim Navigieren durch Großstädte verhindert der 3-D-Effekt die eine oder andere Zusatzschleife. Im Übrigen: Das was wir heute als 3-D-Navigation bezeichnen, ist eigentlich nur eine 2,5-D-Darstellung.

Warum drängen die 3-D-Displays gerade jetzt ins Auto? Ist die Technologie so günstig geworden?

Nein, die Technologie ist immer noch vergleichsweise aufwendig. Unser Produkt ist jedoch ohne Kamera funktionstüchtig, und wir können jedes marktübliche Display verwenden – egal welche Größe.

Was ist das Alleinstellungsmerkmal?

Alle kamerabasierten Displays sind per Definition auf ein Augenpaar ausgerichtet. Das heißt: Nur derjenige, dessen Augen durch die Kamera fixiert werden, erlebt den 3-D-Effekt. Beifahrer und andere Mitfahrer sehen den Effekt jedoch nicht, sondern lediglich ein flaues 2-D-Bild. Die von uns eingesetzte Hinterleuchtung hingegen, die sogenannte 3-D-Lightfield-Technologie, ermöglicht allen Passagieren ein 3-D-Erlebnis – ohne Spezialbrille. Das auf der CES gezeigte Display hat zum Beispiel acht verschiedene Bilder beziehungsweise Perspektiven. Diese parallel aus einem Display herauszufiltern, ist der Clou. Des Weiteren trägt unser Display von der Bautiefe her nicht auf. Es ermöglicht moderne schlanke Designs, ohne in die Tiefe gehen zu müssen.

Wie viel Continental steckt in dem Produkt?

Unsere Kernkompetenz ist die mechanische Integration, mit der wir das System und seine Funktionalität ins Fahrzeug bringen. Darüber hinaus kaufen wir lediglich die Displays zu. Die spezielle 3-D-Hinterleuchtungstechnologie stammt vom US-amerikanischen Start-up Leia. Sie wird schon seit einiger Zeit in Smartphones und Tablets eingesetzt – im Wesentlichen in China. Gemeinsam mit Leia haben wir die Technologie für Anwendungen im Automobil weiterentwickelt und nun in unser Mittelkonsolen-Display integriert – erstmals in 4K-Auflösung, also mit einer horizontalen Bildauflösung von 4.000 Pixeln.

Sind Sie in Sachen Bedienkonzepte eingeschränkt?

Nein, wir können sämtliche Bedienkonzepte darstellen, egal ob Touchscreen, Gesten- und Sprachsteuerung oder haptisches Feedback.

Frank Rabe leitet den Geschäftsbereich „Human Machine Interface“ bei Continental.
Frank Rabe leitet den Geschäftsbereich „Human Machine Interface“ bei Continental.
(Bild: Continental)

Was fehlt noch zur Serienreife?

Technisch nichts. Wichtig ist es, die richtigen Applikationen zu finden, denn nur für ein schönes 3-D-Logo werden die OEMs nicht mehr Geld ausgeben. Aber durch die erweiterte Nutzung auch für Beifahrer und Mitfahrer gibt es mehr Möglichkeiten.

In welchem Segment und in welchem Markt sehen Sie die erste Serienanwendung?

Mit hoher Wahrscheinlichkeit in China, da die Menschen dort sehr technologieaffin sind und das auch gerne ihren Freunden und Bekannten zeigen. Und zwar Top-Down, also beginnend im Ober- und Luxusklasse-Segment.

Wann erwarten Sie den Serienstart?

In etwa zwei Jahren. Technologisch ist das Produkt abgesichert – alle Komponenten sind bekannt und werden von uns schon seit vielen Jahren im Auto verbaut. Auch die Produktion haben wir im Griff. Nun gilt es, das Display für Automotive zu qualifizieren und zu validieren.

Wie groß ist Ihr Wettbewerbsvorsprung?

Mit dem, was wir hier auf der CES zeigen, sind wir anderen Unternehmen ein ganzes Stück voraus. Von der Performance her gibt es sicher ähnliche Technologien, allerdings mit geringerer Auflösung oder mit dem Nachteil, dass sie eine Kamera brauchen und damit eben nicht multi-userfähig sind. Einen weiteren Vorteil sehen wir darin, dass Leia einen Marketplace für Applikationen vorhält, womit wir unser Produkt über den Lebenszyklus hinweg aktuell halten beziehungsweise sogar aufwerten können.

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Über den Autor

 Claus-Peter Köth

Claus-Peter Köth

Chefredakteur