Landwirtschaft Alternative Antriebe für Landmaschinen in der Praxis

Von Thomas Günnel 4 min Lesedauer

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Welche alternativen Antriebe für Landmaschinen gibt es und wie praxistauglich sind sie? Darüber diskutierten Anfang Juli Fachleute für Landtechnik – und richteten eine klare Forderung an die Politik.

Beim „Praxistag Alternative Antriebsenergien für Landmaschinen“ zeigten Unternehmen ihre Fahrzeuge.(Bild:  Wolfgang Ehrecke)
Beim „Praxistag Alternative Antriebsenergien für Landmaschinen“ zeigten Unternehmen ihre Fahrzeuge.
(Bild: Wolfgang Ehrecke)

Alternative Antriebe für landwirtschaftliche Fahrzeuge sind häufig bereits alltagstauglich – dieses Fazit zieht die Landwirtschaftskammer Niedersachsen nach dem „Praxistag Alternative Antriebsenergien für Landmaschinen“. Anfang Juli trafen sich Fachleute für Landtechnik und Beschäftigte von Herstellern und Vertriebsunternehmen – und zeigten elektrisch betriebene Rad- und Teleskoplader, Futterschiebe- und Stallreinigungsroboter, einen E-Futtermischwagen, eine elektrisch betriebene Aufsitzmaschine für Stallreinigung und Futtervorlage, eine Saat-Drohne, E-Traktoren und Traktoren, deren Verbrennungsmotoren mit Rapsöl und mit hydriertem Pflanzenöl, HVO, betrieben werden.

E-Modelle teils günstiger im Unterhalt

„Gerade für Arbeiten im Stall und auf dem Betriebsgelände sowie bei Traktoren bis etwa 100 PS Leistung ist der Elektroantrieb zunehmend als interessante Alternative zum Dieselmotor anzusehen“, erklärte Harm Drücker. Er leitet bei der Landwirtschaftskammer den Fachbereich Landtechnik, Energie, Bauen, Immissionsschutz. Betriebe, die Solarstrom produzierten, könnten diesen zum Laden ihrer E-Fahrzeuge und -Maschinen nutzen. „Bei Landmaschinen mit höherer Leistung ist ein Elektroantrieb derzeit noch nicht praktikabel – entsprechende Batterien wären zu schwer, die erforderlichen Ladezeiten zu lang“, sagte Drücker. Insbesondere bei Hofladern gebe es bereits eine brauchbare Auswahl an E-Modellen, ergänzte Martin Vaupel, Schlepper- und Transporttechnik-Experte der Landwirtschaftskammer. „Zwar sind elektrisch betriebene Fahrzeuge in der Regel deutlich teurer als vergleichbare Verbrenner-Modelle; bei unserem Hoflader-Test im Jahr 2023 haben wir jedoch festgestellt, dass manche Elektromodelle – eine staatliche Förderung und günstigen Strom etwa aus eigenen Photovoltaikanlagen vorausgesetzt – bei der Wirtschaftlichkeit ihren Verbrenner-Pendants überlegen sein können.“

Energiemix aus Strom und Flüssigkraftstoffen

Bei Maschinen mit niedrigerer Leistung sehen Fachleute laut der Landwirtschaftskammer sehr gute Chancen, dass der Elektroantrieb den Verbrennungsmotor ersetzen kann – dies wurde in den Vorträgen des Echemer Praxistages deutlich. „Kleine und mittlere Landmaschinen werden batteriegetrieben sein“, stellte etwa Ludger Frerichs. Er leitet das Institut für mobile Maschinen und Nutzfahrzeuge an der Technischen Universität Braunschweig. Insgesamt geht Frerichs von einem Energiemix mit batterieelektrischen und verbrennungsmotorischen Antrieben aus: „Jeder Betrieb ist anders, jeder muss seinen wirtschaftlich passenden Energiemix fahren.“

„Fossiler Diesel hat keine Zukunft“

Neben Strom werden flüssige Alternativen zum fossilen Dieselkraftstoff stark gefragt sein, um deutsche und EU-Klimaschutzziele zu erreichen – auch darin waren sich die Referenten laut einer Mitteilung einig. „Nach heutigen technischen Möglichkeiten werden flüssige, erneuerbare Kraftstoffe in der Landwirtschaft in der näheren Zukunft die größte Bedeutung haben“, sagte Hartmut Matthes, Geschäftsführer des Bundesverbands Lohnunternehmen. „Besonders gilt das für Landmaschinen höherer Leistungsklassen, während hof-nahe Fahrzeuge und untere Leistungsklassen organisatorisch gut mit batterie-elektrischen Antrieben nutzbar sind.“ Fossiler Dieselkraftstoff habe keine Zukunft – kurzfristig und sehr CO2-wirksam gelte es auf pflanzenbasierte Kraftstoffe zu setzen, am schnellsten auf HVO und Biodiesel, bekräftigte TU-Dozent Frerichs.

Dazu ist allerdings der politische Wille nötig, in Sachen alternative Kraftstoffe endlich klar und deutlich zu handeln.

Johannes Hipp, VDMA

„Planungssicherheit ist die Grundvoraussetzung für die Landtechnikindustrie“, sagte Johannes Hipp, Landtechnikexperte beim Maschinenbau-Branchenverband VDMA. Bereits heute sei der Großteil der Maschinen zum Beispiel HVO-ready, könne also mühelos von fossilem auf nachwachsenden Treibstoff umsteigen. Effektive Anreize zur Nutzung biogener und erneuerbarer Energieträger seien der erste Schritt, um den Umstieg bei Herstellern und Anwendern einzuleiten, führte Hipp weiter aus „Dazu ist allerdings der politische Wille nötig, in Sachen alternative Kraftstoffe endlich klar und deutlich zu handeln.“ Die Landwirtschaft selbst könne dem Umstieg durch eine entsprechende Anbauplanung gut praktisch umsetzen, ergänzte Frerichs: „Wir benötigen nur wenige Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche für den Ersatz des fossilen Diesels in der Landwirtschaft.“

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Wichtige Entscheidungen in Betrieben

Hartmut Matthes, Vertreter von Lohnunternehmen, sieht bei der Umsetzung dieser Energiewende im Tank und im Speicher wichtige Kriterien: „Dies beginnt bei den Möglichkeiten bei der Beschaffung der Landmaschinen und Energieträger – zu bedenken sind verfügbare Modelle und eine passende Lade-Infrastruktur“, erläuterte Matthes. „Weiterhin gilt es, die Wirkung der neuen Technologien auf die Produktionsverfahren abzuschätzen, etwa was die Kompatibilität zu vorhandenen Geräten anbelangt.“ Zu berücksichtigen seien außerdem die Wirkungen auf die Arbeitswirtschaft, etwa bei Tank- und Ladevorgängen und dem Handling der Energieträger. „Und schließlich sollte die Wirtschaftlichkeit der alternativen Antriebsenergien bewertet werden: Hierzu gehören Aspekte wie Investitionskosten und Investitionssicherheit, mögliche Förderungen, Einflüsse auf die Wettbewerbsfähigkeit und auf den ökologischen Fußabdruck der Agrarprodukte.“

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Forderung an die Bundesregierung

„Der Praxistag zeigt, es gibt bereits verfügbare Maschinen und eine Reihe alternativer Antriebstechnologien. Ein Zurück zu rein mit fossilen Brennstoffen betriebenen Fahrzeugen kann und wird es nicht geben“, sagte Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte während der Veranstaltung. „Wenn vollelektrische Maschinen direkt über Photovoltaik auf dem Stalldach geladen werden, zahlt das doppelt ein: auf das Klima und in den Geldbeutel des Betriebs. Insofern muss die neue Bundesregierung entsprechende Förderinstrumente auf den Weg bringen, die Dynamik, Innovationsgeist und Investitionsbereitschaft fördern“, argumentierte Staudte.

Das Event hat die Landwirtschaftskammer Niedersachsen veranstaltet, gemeinsam mit dem Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Echem, Kreis Lüneburg.