Apple-Car Apple und Hyundai: Was steckt hinter dem Nachrichten-Wirrwarr?

| Aktualisiert am 08.01.2021Redakteur: Svenja Gelowicz

Hyundai hat sich als möglicher Partner für Apples Auto-Pläne ins Spiel gebracht und sich kurz darauf wieder zurückgezogen: Ein Wirrwarr aus Nachrichten, das dem südkoreanischen Autobauer ein Börsenhoch beschert hat. Doch was könnte eine solche Partnerschaft den Unternehmen bieten?

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Der südkoreanische Konzern Hyundai bringt sich als potenzieller Partner für Apple ins Spiel - und rudert kurz darauf wieder zurück.
Der südkoreanische Konzern Hyundai bringt sich als potenzieller Partner für Apple ins Spiel - und rudert kurz darauf wieder zurück.
(Bild: Hyundai)

Der Tech-Konzern Apple will Medienberichten zufolge eigene selbstfahrende Autos auf die Straßen bringen. Nun hat sich der südkoreanische Autohersteller Hyundai als Partner ins Spiel gebracht, um das US-Unternehmen bei der Entwicklung und der Fertigung zu unterstützen. Das hat die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ am Freitag berichtet.

Einer ersten Erklärung von Hyundai zufolge befinden sich die Gespräche über eine Zusammenarbeit in einem frühen Stadium, eine Entscheidung gebe es noch nicht. Die Nachricht hat an der Börse für einen Kurssprung der Hyundai-Aktie gesorgt: Der Börsenwert des südkoreanischen Autobauers legte zuletzt um fast ein Viertel auf umgerechnet rund 42 Milliarden Euro zu.

Zuvor hatte die Wirtschaftszeitung Korea Economic Daily in ihrem TV-Sender berichtet, dass Apple bei der Entwicklung und Bau eines selbstfahrenden Elektro-Autos zusammenarbeiten will. Dem Bericht zufolge peilt Apple die Markteinführung des Autos im Jahr 2027 an. In den vergangenen Wochen hatte es wieder vermehrt Gerüchte und Spekulationen über ein Apple-Auto gegeben.

Hyundai rudert zurück

Kurz darauf ist Hyundai in mehreren Schritten wieder zurückgerudert, berichtet „Bloomberg“. Es gebe mehrere potenzielle Autobauer als Partner für die Entwicklung von E-Fahrzeugen, mit denen Apple in Kontakt stehe, heißt es von Hyundai zuerst in einer weiteren Erklärung. Keine 30 Minuten später erschien demnach eine neue Konzernmitteilung - ohne den Hinweis auf andere Autohersteller. In der letzten Erklärung wurde Apple laut der Nachrichtenagentur nicht mehr erwähnt: „Wir haben Anfragen für eine mögliche Zusammenarbeit von verschiedenen Unternehmen bezüglich der Entwicklung von autonomen E-Autos erhalten“, hieß es in der neuesten Version. „Es wurden noch keine Entscheidungen getroffen, da sich die Diskussionen in einem frühen Stadium befinden.“

Apple ist dafür bekannt, Neuentwicklungen und Partnerschaften lange geheim zu halten. Hyundai könnte sich mit dem Vorpreschen bei dem Tech-Giganten als potenzieller Kooperationspartner unbeliebt machen. Apple selbst lehnte gegenüber „Bloomberg“ eine Stellungnahme ab.

Apple: Ernstzunehmender Konkurrent

Ein möglicher Einstieg von Apple in den Bau von Autos oder die Entwicklung der Technik dafür wird von der Branche seit Jahren genau beobachtet. Angesichts der Größe und Finanzkraft sowie der Entwicklungsressourcen könnte ein Einstieg der Kalifornier die Industrie umwälzen, schätzen Experten. Fraglich ist jedoch, ob Apple tatsächlich auch selbst oder über Partnerschaften in den eigentlichen Bau einsteigen würde oder nur Software und weitere Technologie beisteuern würde

„Da die Option, alles selbst zu machen, ein hohes Risiko für Apple birgt und nur wenig Gewinn verspricht, macht es durchaus Sinn, sich einen externen Partner zu suchen. Das Beispiel Tesla zeigt, wie schwierig es ist, eine fehlerfreie und effiziente Autoproduktion von Grund auf neu aufzubauen“, sagt Philip Beil, Mobilitätsexperte beim Beratungshaus Publicis Sapient. „Selbst in seinem Kerngeschäft der Unterhaltungselektronik hat sich Apple entschieden, nicht in eigene Werke zu investieren, sondern mit Playern wie Foxconn zusammenzuarbeiten.

Vorteile für Hyundai

Auch für Hyundai kann laut Beil ein solches Partnerschaftsmodell Sinn machen. Auf diese Weise könnten die Südkoreaner auf Apples Pool an Talenten zurückgreifen, die bestehende Vorarbeit von Apple nutzen und zudem die Marke für die neuen E-Fahrzeuge nutzen. „Hyundai hat eine riesige Investition in Zukunftstechnologien bis 2025 angekündigt, rund 46 Milliarden Euro. Kombiniert man diese Finanzierung mit Apples Entwicklungsbudget, wird die verfügbare Geldsumme für jeden der OEMs schwer zu übertreffen sein und kann eine führende Marktposition sichern“, so Philip Beil.

Apple wäre nicht der erste Tech-Konzern mit Bestrebungen in der Autowelt. Die Google-Schwester Waymo gilt bis dato als führend bei der Entwicklung von Software für selbstfahrende Autos. Der Einzelhandels- und Cloudservice-Riese Amazon hat in dem Bereich in das Start-Up Aurora investiert und den Roboterauto-Entwickler Zoox übernommen. Der Fahrdienstvermittler Uber stieg hingegen kürzlich aus der Roboauto-Entwicklung aus und verkaufte seine Sparte an Aurora.

Mit Material von dpa

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