Durchstarten 2021 „Benötigen Planbarkeit und Verlässlichkeit der Politik“

Redakteur: Svenja Gelowicz

Klaus Beetz, Europachef des fränkischen Zulieferers Alfmeier, spricht über Industriepolitik und die Gefahr, von China und USA abgehängt zu werden – und über neue Kompetenzen bei der Hard- und Softwareentwicklung.

Alfmeier-Europachef Klaus Beetz.
Alfmeier-Europachef Klaus Beetz.
(Bild: Alfmeier)

Herr Beetz, die EU will zur Musterregion in Sachen Klimaschutz avancieren – insbesondere die Automobilindustrie soll dazu einen wesentlichen Beitrag leisten. Schießt Brüssel mit seinem Regulierungsehrgeiz und seinen neuen CO2-Zielen über das Ziel hinaus?

Ambitionierte Klimaziele lassen sich nicht durch Verbote und Verzicht auf Wachstum und Wohlstand erreichen. Wir als Unternehmen brauchen Planbarkeit bei gleichzeitiger aktiver Industriepolitik. So lassen sich die Klimaziele über eine Transformation mit Wachstum und Beschäftigungssicherung erreichen. An der Reduzierung des CO2-Ausstoßes führt kein Weg vorbei.

Aber?

Es ist in Europa nicht erkennbar, wie Umweltschutz und wirtschaftliche Perspektiven für soziale Sicherheit und Wohlstand politisch in Einklang gebracht werden können. Mit den heute schon weltweit schärfsten CO2-Zielen belasten wir unsere Wirtschaft schon stark und drohen weltweit hinter USA und China zurückzufallen. Die aktuellen Vorschläge zur Euro-7-Regelung entsprechen einer weiteren Verschärfung, die faktisch den Verbrenner indirekt verbietet. Wir vermissen hier eine ehrliche Diskussion auch im Hinblick auf den CO2-Rucksack von Elektrofahrzeugen. Eine erneute Reduzierung der CO2-Ziele zeugt von Planlosigkeit. Damit gehen wesentliche Erfolgsfaktoren von Unternehmen, Planbarkeit und Verlässlichkeit verloren.