Stockende Brexit-Verhandlungen Bentley reserviert Frachtflugzeuge: „Sind bereit von einer Klippe zu springen“

Autor: Sven Prawitz

Es sind nur noch wenige Tage bis zum Brexit und noch immer gibt es keinen Vertrag. Bentley trifft nun kostspielige Vorkehrungen, um die Lieferkette aufrecht zu erhalten.

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Bentley trifft Vorkehrungen für einen ungeregelten Brexit. Das Unternehmen hat sich fünf Frachtflugzeuge reserviert, um Komponenten einfliegen zu können.
Bentley trifft Vorkehrungen für einen ungeregelten Brexit. Das Unternehmen hat sich fünf Frachtflugzeuge reserviert, um Komponenten einfliegen zu können.
(Bild: Bentley)

Der britische Automobilhersteller Bentley hat fünf Frachtflugzeuge reserviert, um Komponenten einfliegen zu können. Das sei eine Notfallmaßnahme für den Fall eines No-Deal-Brexit berichtet „The Guardian“. Gemäß der Zeitung, will der Hersteller damit eine möglicherweise stark verzögerte Abfertigung an den Seehäfen umgehen. Laut dem Vorstandsvorsitzenden Adrian Hallmark hat Bentley mehrere Millionen Pfund für die Vorbereitung des Brexit ausgegeben.

Unter anderem hat der Luxushersteller sämtliche Autoteile für einen Zeitraum von 14 Tagen vorrätig. So lange komme man ohne neue Lieferungen aus. Üblich sei bei Bentley ein Vorrat für zwei Arbeitstage. Der OEM produziert laut The Guardian etwa 11.000 Fahrzeuge pro Jahr. „Wir sind bereit, mit einem Fallschirm von einer Klippe zu springen, der noch nicht getestet wurde“, wird Hallmark zitiert.

Logistikkette wichtiger als Zollkosten

Er sagte zudem, dass Störungen in den Häfen für Bentley schädlicher wären als Zölle in Höhe von zehn Prozent, die am 1. Januar in Kraft treten würden, wenn es kein Abkommen gibt und der Handel nicht den Bedingungen der Welthandelsorganisation entspricht. Das Unternehmen wolle die „am wenigsten ungünstige Balance“ zwischen Preiserhöhungen und der Übernahme eines Teils der Kosten finden. Bentley-Fahrzeuge beginnen bei 130.000 Pfund (144.000 Euro), Sondermodelle können mehr als eine Million Pfund kosten, was bedeutet, dass das Unternehmen in seinen Gewinnspannen einige Zusatzkosten auffangen kann.

No-Deal-Brexit: Gefahr für Nissan und Vauxhall

Für Autohersteller mit größeren Volumina und niedrigeren Margen wären die Zölle eine Katastrophe. Nissan teilte laut Guardian mit, dass die Zölle sein britisches Geschäftsmodell unhaltbar machen würden, während Carols Tavares, Vorstandsvorsitzende des PSA-Konzerns, gesagt habe, dass die Zukunft seines Vauxhall-Werks in Ellesmere Port davon abhängt, einen guten Brexit-Vertrag zu bekommen. Prognosen der britischen Automobilindustrie gehen davon aus, dass ein No-deal-Brexit wegen Produktionsausfällen den Sektor bis in Jahr 2025 etwa 55 Milliarden Pfund (61 Milliarden Euro) kosten würde.

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Fachredakteur, »Automobil Industrie« und Next Mobility