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Im Interview: Dr. Rolf Bulander „Benzin-Direkteinspritzung ist die Grundlage für die Elektrifizierung“

| Redakteur: Edgar Schmidt

Dr. Rolf Bulander, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH, erklärt im Interview die Vorteile der Benzin-Direkteinspritzung, und wie sich die Technik auch in China und Amerika zum Standard entwickeln soll.

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Dr. Rolf Bulander, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH.
Dr. Rolf Bulander, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH.
(Foto: Bosch)

Haben die Benzinmotoren auch ohne Hybridisierung noch eine lange Zukunft?

Insbesondere durch die Direkteinspritzung haben Benziner noch eine lange Zukunft – und zwar mit und ohne Elektrounterstützung. Die Direkteinspritzung wird den Benziner ähnlich revolutionieren wie damals den Dieselmotor. In Europa entwickelt sich die Technologie derzeit zum Standard – auch in Nordamerika und China wird das bald so sein. Ein Grund dafür sind die anspruchsvollen Emissionsgesetze. Kompakte Downsizing-Motoren mit Turboaufladung und Benzin-Direkteinspritzung haben hier ein großes Potenzial und sind darüber hinaus die günstigsten Lösungen, um CO2-Emissionen zu reduzieren. Allein in Europa wird deshalb bis 2016 jedes zweite Neufahrzeug mit einer Benzin-Direkteinspritzung ausgestattet sein, bis 2020 wird der Anteil sogar auf 60 Prozent steigen.

Trotzdem sollte man die Saugrohreinspritzung nicht abschreiben. Mit unserem konsequent weiterentwickelten Komplettsystem Advanced PFI erreichen wir mit zwei Injektoren pro Zylinder auch dort noch Kraftstoffeinsparungen von bis zu zwölf Prozent.

Welche Zahlen erwarten Sie für Amerika und China?

In den kommenden Jahren wird der Markt für die Benzin-Direkteinspritzung auch in Amerika stark wachsen. Dort werden deutlich über 90 Prozent aller Fahrzeuge von Benzinmotoren angetrieben, bis 2025 muss der Durchschnittsverbrauch aller amerikanischen Fahrzeuge drastisch sinken. Das geht nur mit sehr effektiven Brennverfahren. Deshalb halten wir einen Marktanteil der Direkteinspritzung von 50 Prozent für möglich. Achtzylinder werden wohl nur noch mit Benzin-Direkteinspritzung darstellbar sein.

Ein ähnlicher Druck der Gesetzgebung existiert auch in China, wo der Anteil von Benzinern im Pkw-Segment ebenfalls deutlich über 90 Prozent liegt. Deshalb gehen wir davon aus, dass schon im Jahr 2020 jedes dritte neu zugelassene Fahrzeug in China mit einer Benzin-Direkteinspritzung ausgerüstet sein wird.

Wird es künftig eher einen Trend hin zu mager laufender, strahlgeführter Benzin-Direkteinspritzung geben oder zu Motoren, die mit einem Luftverhältnis von Lambda 1 arbeiten?

Die strahlgeführte Direkteinspritzung eignet sich besonders für großvolumige Motoren. Durch den weltweiten Trend zu kompakten Downsizing-Motoren mit Turboaufladung werden sich die Lambda-1-Motoren durchsetzen. Kompakte Downsizing-Motoren werden die meiste Zeit in höheren Lastpunkten mit homogener Gemischbildung betrieben.

Kann nicht der Trend zur Hybridisierung wieder zu mehr kostengünstigeren Saugrohreinspritzern führen, um den Preis der Fahrzeuge zu senken?

Bisher sind die Hybridantriebe vor allem in Japan und Amerika mit Saugrohreinspritzern kombiniert. Doch die Benzin-Direkteinspritzung ist eine hervorragende und preiswerte Grundlage für die Elektrifizierung. Denn die Technik macht sehr effektive Motoren mit wenigen Zylindern möglich, die sich ideal mit einem Elektromotor ergänzen lassen. Bei kleinen Autos reicht da schon unser günstiger 48-Volt-Hybrid, das Boost Recuperation System. Bei großen Fahrzeugen bietet sich dagegen ein Plug-in-Hybrid an, um selbst anspruchsvolle Grenzwerte zu unterschreiten.

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