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Produktion

Brexit: Herausforderung für die BMW-Logistik

| Autor/ Redakteur: Tina Rumpelt / Jens Scheiner

Protektionismus, neue Handelsbarrieren, Brexit – es sind unruhige Zeiten. Auf dem VDA Forum Automobillogistik zeigte Produktionsvorstand Oliver Zipse auf, wie die BMW-Logistik die Herausforderung Brexit stemmt und warum dabei China eine Rolle spielt.

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Vorsorgemaßnahme: BMW verlegte in den vier britischen Werken (Foto: Mini in Oxford) die jährlichen Produktionsunterbrechungen vom Sommer in den April. Brexit-Stichtag ist der 29. März.
Vorsorgemaßnahme: BMW verlegte in den vier britischen Werken (Foto: Mini in Oxford) die jährlichen Produktionsunterbrechungen vom Sommer in den April. Brexit-Stichtag ist der 29. März.
(Bild: BMW)

BMWs Logistik ist ein echtes Weltunternehmen: Sie verbindet 30 Produktionsstandorte weltweit, für deren Versorgung täglich das Volumen von 7.000 Seefrachtcontainern bewegt wird. Das entspricht 30 Millionen Teile pro Tag oder 400 Teile pro Sekunde. Zipse: „Wir wollen maximale Transparenz über diese Teileströme erzielen.“ Die Brisanz dieser Forderung verdeutlichte er am Thema Brexit, für ihn „bei den möglichen Auswirkungen auf die Lieferketten vergleichbar mit einer großen Naturkatastrophe“. Nach wie vor hängt das Abkommen über Großbritannien Austritt aus der EU in der Schwebe. Zipse: „Wir müssen uns auf das schlimmste Szenario vorbereiten, einen chaotischen harten Brexit ohne irgendein Folgeabkommen mit der EU.“

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Inselverbindung: 270 Lkws pro Tag

Vier Werke unterhält BMW in Großbritannien: Mini in Oxford, Rolls-Royce in Goodwood sowie das Motorenwerk in Hams Hall und die Pressteilefertigung in Swindon. Zipse: „Deren Wertschöpfungsketten sind eng mit Europa vernetzt.“ Jeden Tag überqueren 270 Lkws, beladen mit BMW-Gut, den Ärmelkanal in beide Richtungen. Dazu zählen auch die 170.000 BMW-Fahrzeuge, die jedes Jahr auf die britische Insel importiert werden; 80.000 werden aus UK nach Europa exportiert.

Die Logistikplanung läuft längst auf Hochtouren: IT-Systeme wurden bereits angepasst, zusätzliche Lagerkapazitäten angemietet und die Lieferanten bei Zollfragen befähigt. Zudem verlegte BMW die jährlichen Produktionsunterbrechungen vom Sommer in den April. Nur, Automobilproduktion funktioniert längst nicht mehr als nationales Geschäft. Hier kommt nun unter anderem China mit ins Spiel.

Wie Zipse ausführte, sind durch den Brexit in der Auslandsversorgung auch 120 Materialnummern aus Großbritannien betroffen, darunter jede Woche allein zehn Container mit Heizklimageräten für China. China wird aus einem Packbetrieb in Leipzig versorgt, über eine Zuganbindung bis ins chinesische Shenyang. „Diese Lieferungen wollen wir ab dem 29. März, also dem Tag des Brexits, über sechs Wochen absichern“, erläuterte der Produktionsvorstand. Dafür wurde ein temporärer Sicherheitsbestand aufgebaut.

Wenn’s eng wird: Frachtkostenvergleich per Mausklick

Alle Planungen laufen über eine zentrale Datenplattform. Für die gezielte Auswertung der Daten etablierte BMW unter anderem einen Rechner für Luftfrachtkosten für Versorgungsengpässe, der, so Zipse, es ermögliche, „sehr schnell faktenbasierte Entscheidungen zu treffen, ohne lange manuelle Auswertungen zu fahren.“ Zum Beispiel dann, wenn es bei der Versorgung mehrerer Werke mit Heizklimageräten aus Großbritannien eng werde. Dann gilt zu entscheiden, welches Werk zuerst beliefert wird und wie die Versorgung des zweiten Standorts sichergestellt werden kann. Wenige Mausklicke genügen und der Frachtkostenrechner liefert Antworten auf wichtige Fragen, wie zum Beispiel: Ist die standardmäßig reservierte Frachtkapazität ausreichend? Wenn nicht, was kostet es, zum Beispiel die fehlenden Tage in der China-Pipeline zu einem späteren Zeitpunkt mit schnellerer Luftfracht zu überbrücken?

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„Logistik muss transparent und reaktionsfähig sein“, so Zipse abschließend. Das gelte nicht nur für den Brexit oder Verwerfungen durch Handelskonflikte, sondern auch zum Beispiel bei Lieferantenausfällen. Und die stehen nun ja immer wieder auf der Tagesordnung.

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