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Zulieferer Brose: Ehrgeizige Wachstumspläne

Autor / Redakteur: Tina Rumpelt / Thomas Günnel

Seit dem Jahr 2009 kennt die Umsatzkurve von Brose nur eine Richtung: nach oben. Bis 2022 soll das Geschäftsvolumen auf acht Milliarden wachsen – mit Zukäufen sind bis zu zehn Milliarden möglich.

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Verfolgen ehrgeizige Ziele bei Brose: Gründerenkel und Vorsitzender der Gesellschafter-versammlung Michael Stoschek (rechts) und Jürgen Otto, Vorsitzender der Brose-Geschäftsführung.
Verfolgen ehrgeizige Ziele bei Brose: Gründerenkel und Vorsitzender der Gesellschafter-versammlung Michael Stoschek (rechts) und Jürgen Otto, Vorsitzender der Brose-Geschäftsführung.
(Bild: Brose)

Seit 2009 kennt die Umsatzkurve von Brose nur eine Richtung: nach oben. Im Geschäftsjahr 2015 steigerte Brose den Umsatz noch um rund 17 Prozent oder rund eine Milliarde Euro auf 6,05 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr kam jedoch nur noch ein Umsatzplus von 96 Millionen Euro auf 6,15 Milliarden Euro (+1,6 Prozent) zusammen. Jürgen Otto, Vorsitzender der Brose-Geschäftsführung, erklärt die Umsatz-Delle mit dem starken Dollar und bilanztechnischen Verschiebungen. Letztere betreffen ein Joint-Venture in Asien, das bis 2015 bei Brose konsolidiert wurde und seit dem Geschäftsjahr 2016 beim JV-Partner in den Büchern steht.

Doch der globale Wettbewerbsdruck hinterlässt auch bei Brose Spuren. Für 2017 steht wieder nur ein eher kleiner Umsatzsprung im Plan: 6,44 Milliarden Euro sollen bis Jahresende erwirtschaftet werden, rund fünf Prozent mehr als 2016. „Wir erhalten weniger Erlöse für unsere Produkte, gleichzeitig steigen an vielen Stellen die Kosten“, so Otto bei der Vorstellung der Geschäftsergebnisse Ende Juli in München.

Neues Standbein in Osteuropa

Das 1908 gegründete Coburger Familienunternehmen rüstet sich für die Zukunft mit Innovationen und dem Aus- und Aufbau seiner Standorte. 370 Millionen Euro hat das Unternehmen dafür 2016 in die Hand genommen. Derzeit entstehen zwei neue Werke in China und eines in Mexiko, es ist das vierte dort. Eine neue Fertigung in der Slowakei hat im April die Produktion von Fensterhebern sowie Motoren für Heckklappen und Bremssysteme aufgenommen. Bis 2021 sollen in der Zentralslowakei 600 neue Arbeitsplätze entstehen, „langfristig ist der Ausbau zum größten europäischen Produktionsstandort denkbar“, verkündete Brose in einer Pressemitteilung im November 2016.

Zehn Milliarden Euro Umsatz bis 2022

In den nächsten Jahren wird Brose wieder voll durchstarten. So sieht es zumindest Michael Stoschek, Gründerenkel, 34 Jahre lang Unternehmenslenker und heute Vorsitzender der Gesellschafterversammlung. Er gibt die Zielmarke von acht Milliarden Euro Umsatz bis 2022 vor – mit Zukäufen sollen es bis zu zehn Milliarden werden. Sein Ausblick: „Wir sehen die Möglichkeit, die Geschäfte der Brose-Gruppe innerhalb der nächsten fünf Jahre auf ein Volumen von rund acht Milliarden auszuweiten und diese weiterhin aus dem Cashflow zu finanzieren.“ Jeweils fünf Prozent Zielrendite in 2015 und 2016 sichern die Eigenfinanzierung.

Auf die angestrebten zehn Milliarden Euro Umsatz soll Brose „mit einer geplanten Akquisition zur technologischen Ergänzung unseres Produktprogramms kommen“, sagt Stoschek. Sensorik sei ein interessanter Bereich, mehr wird noch nicht verraten. Zur Finanzierung des Zukaufs könne Brose Fremdmittel aufnehmen, „allerdings für begrenzte Zeit“, betonte der Unternehmer. Bis 2019 sollen zudem weitere 1,2 Milliarden Euro in neue Produkte, technische Anlagen und den Ausbau des globalen Unternehmensnetzwerkes fließen. 500 Millionen Euro hat Brose 2016 allein für F&E aufgewendet. Das Unternehmen ist heute an 60 Standorten in 23 Ländern präsent, mit mehr als 25.000 Mitarbeitern, davon über 3.000 in F&E. Allein in China beschäftigt Brose heute an zwölf Standorten rund 4.000 Mitarbeiter und erzielt im Reich der Mitte rund 1,2 Milliarden Euro Umsatz.

Wachsen mit dem autonomen Fahren

Brose sieht sich als „Spezialist für die Verbindung von Mechanik, Elektrik, Elektronik und Sensorik“ und beliefert weltweit rund 40 Automobilhersteller mit Türsystemen, Sitzstrukturen und Elektromotoren. Den durch das autonome Fahren hervorgerufenen Innovationsbedarf sieht der Zulieferer als Wachstumschance. So arbeiten die Brose-Entwickler unter anderem an drehbaren Sitzen und neuen Verstellsystemen für den Fahrzeuginnenraum sowie selbsttätig öffnenden und schließenden Seitentüren. Zudem treibt Brose die Entwicklung multifunktionaler Fahrzeuginnenräume voran. Durch die Elektrifizierung aller Sitzreihen lassen sie sich unkompliziert und flexibel an wechselnde Transportbedürfnisse anpassen.

Eines der Kernthemen bei der Elektrifizierung des Automobils ist das Fahrzeuggewicht. Deshalb arbeitet Brose unter anderem am Einsatz von glasfasergewebeverstärktem Kunststoff. Türsysteme aus dem sogenannten „Organoblech“ ermöglichen Gewichtseinsparungen von bis zu fünf Kilogramm pro Fahrzeug.

Wenn es um die Elektromobilität geht, hat Brose vor allem China fest im Blick. „Wir entwickeln eigene Konzepte für die chinesischen Autohersteller, um bei ihnen die gleiche führende Rolle zu erreichen wie bei anderen Kunden“, so Firmenchef Otto. Bis 2025 will Brose den Anteil des Geschäfts mit lokalen Herstellern am China-Umsatz vervierfachen. Der größte Absatzmarkt des Unternehmens mit über 50 Prozent Umsatzanteil ist und bleibt aber nach wie vor Europa – das Umsatzplus 2016 betrug hier drei Prozent.

Brose „unter Strom“

Seine elektrischen Motoren und Antriebe entwickelt Brose für den flexiblen Einsatz von zwölf bis 810 Volt und somit für alle Antriebsarten. Zudem bereitet Brose sein Motorenprogramm auf 48-Volt oder Hochvolt-Bordnetze vor. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Klimatisierung von Elektrofahrzeugen.

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