Suchen

Automobilzulieferer Brose-Patriarch Michael Stoschek schreibt Brandbrief an Markus Söder

| Autor: Svenja Gelowicz

Der Enkel des Brose-Gründers fordert in einem offenen Brief Unterstützung für die Autoindustrie und hält ein Plädoyer für deutsche Verbrennungsmotoren. Ohne Kaufprämien würden „zigtausende Kurzarbeiter bei Herstellern, Zulieferern, Händlern und Werkstätten“ bald arbeitslos sein.

Firma zum Thema

Michael Stoschek ist Vorsitzender der Gesellschafterversammlung des Zulieferers Brose.
Michael Stoschek ist Vorsitzender der Gesellschafterversammlung des Zulieferers Brose.
(Bild: Brose )

Die Automobilzulieferer stehen wegen der Coronakrise mächtig unter Druck. Einige kleinere Lieferanten haben bereits Insolvenz angemeldet, darunter Unternehmen wie Veritas, Flabeg oder Weberit Dräbing.

Sichern Sie die Arbeitsplätze in der für die Beschäftigung wichtigsten Branche, der deutschen Automobilindustrie!.

Michael Stoschek

Nun richtet sich Brose-Patriarch Michael Stoschek mit einem offenen Bief an Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU). Er habe am Freitag ein Telefongespräch mit dem bayerischen Ministerpräsidenten angeboten bekommen, die „Gedanken“ des offenen Briefs dienten zur Vorbereitung. Der 72 Jahre alte Unternehmer, Enkel des Firmengründers Max Brose und Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Brose Unternehmensgruppe, fordert darin Unterstützung der Politik für die Autoindustrie in Form von Kaufprämien. Und er holt zu einem Verteidigungsschlag für deutsche Verbrennungsmotoren aus.

„Jedes neue Fahrzeug würde die Umwelt entlasten und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten“

Stoschek schreibt: „Eine Kaufprämie für Automobile würde nicht nur den Konsumenten helfen, sich in unsicheren Zeiten für eine größere Anschaffung wie ein Neufahrzeug zu entscheiden. Jedes neue Fahrzeug würde die Umwelt entlasten und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Ich kann nicht erkennen, weshalb die deutschen Fahrzeughersteller den Technologiewandel verschlafen sollen – wie so oft behauptet wird.“

Die Forderung für Kaufprämien, die bereits verschiedene Autobauer sowie der Verband der Automobilindustrie (VDA) formuliert haben, stoßen bei Politik, Wirtschaftsforschern, Verbänden und auch den Bürgern selbst auf Kritik. Der Chef der Wirtschaftsweisen, Lars Feld, sagte dem Magazin „Business Insider“ deutlich, was er davon hält: „Nichts. Prämien für E-Autos gibt es schon. Autos mit Verbrennungsmotor zu fördern, hat im Sinne des Klimaschutzes keine Priorität.“ Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU), an den sich Stoschek mit seinem Brief wendet, forderte wiederum eine ökologisch gestaffelte Innovationsprämie“, die bis Ende 2021 läuft. Für Elektroautos solle es 10.000 Euro Zuschuss geben.

Stoschek verweist in seinem Schreiben auf moderne Verbrennungsmotoren und Systeme zur Abgasreinigung, die Emissionswerte ermöglichten, die E-Antrieben „in nichts nachstehen“. Daher, so Stoschek, mache die Konzentration der Förderung nur auf E-Autos aus „Emissionsgesichtspunkten“ keinen Sinn. Stoschek: „Auch das Argument, die Abwrackprämie hätte 2008 vor allem den Kauf ausländischer Fahrzeuge gefördert, gilt diesmal nicht“. Denn nur deutsche Autobauer verfügten über „eine so weit entwickelte Abgasreinigung“. Seiner Meinung nach unterstütze jedoch eine Kaufprämie für Elektro- oder Hybridfahrzeuge vor allem die Hersteller in Asien und Amerika.

Stoschek: „Unsachliche Polemik“

Der Unternehmer argumentiert, dass bereits vor der Coronakrise die deutschen Autokäufer durch „unsachliche Polemik gegen die heimischen Automobilhersteller und die Dieseltechnologie stark verunsichert“ wären und sich deshalb beim Neuwagenkauf zurückgehalten hätten. Dies verstärke sich nun durch Kurzarbeit und weniger Geld bei den Verbrauchern.

Würde der Staat keine Maßnahmen ergreifen, hätte das laut Stoschek verheerende Konsequenzen. Er führt aus, dass „aus zigtausenden Kurzarbeitern bei Herstellern, Zulieferern, Händlern und Werkstätten“ Arbeitslose würden. Außerdem würde die Schadstoffbelastung durch den Autoverkehr kaum zurückgehen, wenn „Fahrzeuge mit modernen Abgastechnologien nur geringfügig die Altbestände ersetzen und Elektrofahrzeuge weiterhin trotz Förderung in Deutschland fast keine Käufer finden.“

Stoschek schließt seinen Appell an die Politik mit den Worten: „Sichern Sie die Arbeitsplätze in der für die Beschäftigung wichtigsten Branche, der deutschen Automobilindustrie!“

Coronakrise: Auswirkungen auf Brose

Beim bayerischen Automobilzulieferer Brose hätte die Pandemie 600 Millionen Euro Umsatz und 135 Millionen Euro Betriebsergebnis gekostet. Das Unternehmen rechne mit einem Umsatzrückgang von 25 Prozent. Erstmals in der Firmengeschichte falle das Betriebsergebnis vollständig aus.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46585106)

Über den Autor

 Svenja Gelowicz

Svenja Gelowicz

Redakteurin Wirtschaft und Mobilität