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Wirtschaft

China-Krise: Renesas plant Produktionsstopp in fast allen Fabriken

| Autor/ Redakteur: Michael Eckstein / Svenja Gelowicz

Mit einem harten, temporären Produktionsstopp will Halbleiterhersteller Renesas der schwächelnden Nachfrage nach integrierten Schaltkreisen (ICs) für Autos und Geräten in China begegnen. Die Krise macht auch der Konkurrenz zu schaffen.

Halbleiterhersteller wie Renesas bekommen die nachlassende Nachfrage in China deutlich zu spüren.
Halbleiterhersteller wie Renesas bekommen die nachlassende Nachfrage in China deutlich zu spüren.
( Bild: Renesas Electronics )

China zuckt, und die Weltwirtschaft zittert: Aufgrund hoher Lagerbestände wird der japanische Chiphersteller Renesas Electronics voraussichtlich seine Produktion an bis zu 13 seiner 14 Fabriken für mehrere Monate stoppen. Als Hauptgrund gilt eine sinkende Nachfrage nach Fahrzeugen und Maschinen im weltweit größten Absatzmarkt China. Betroffen sind demnach alle neun inländischen Werke des gerade bei Automotive-Chips starken Halbleiterherstellers. Das berichten das japanische Branchenmagazin „Nikkei Asian Review“ und auch die „Financial Times“.

Laut „Nikkei“ wird Renesas voraussichtlich ab Ende April die Frontend-Produktion an sechs Standorten für einen Monat einstellen. Später im Jahr soll an drei japanischen Backend-Anlagen mehrere Wochen die Bänder still stehen. Darüber hinaus sollen vier Werke in China und Malaysia ebenfalls einige Wochen pausieren. Laut Nikkei erhalten die beurlaubten Mitarbeiter für die Dauer der Schließung eine Entschädigung. Insgesamt rechne Renesas mit einem Rückgang der Produktion um etwa zehn Prozent.

Große Abhängigkeit von Chinas Wirtschaft

Die Halbleiterbranche ist traditionell starken Nachfrageschwankungen unterworfen. Dass ein Chiphersteller jedoch nahezu seine komplette Produktion herunterfährt, ist eher Ausnahme als Regel. Das zeigt, wie abhängig immer mehr Branchen von der Nachfragesituation in China sind. Während in den letzten Jahren am Limit produziert wurde, um die Nachfrage zu befriedigen, agieren die Produzenten aktuell deutlich zurückhaltender.

Stand heute ist Renesas der weltweit drittgrößte Anbieter von ICs für Autos. In den letzten Jahren hatte Renesas mit teuren Übernahmen seine internationale Stellung ausgebaut – und damit auch sein Geschäft abseits des Automobilmarkts. Nach dem Kauf von Intersil für 3,3 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017 folgte im Herbst letzten Jahres die Übernahme des auf Kommunikations- und Hochgeschwindigkeits-Logikbausteinen spezialisierten US-amerikanischen Chipbäckers Integrated Device Technology (IDT) für 6,9 Mrd. US-Dollar.

Aktuell erzielt Renesas etwa die Hälfte seines Umsatzes mit Halbleitern für den Einsatz in Automobilen. Ein zurückgehender Fahrzeugabsatz im Schlüsselmarkt China – übrigens das erste Mal seit drei Jahrzehnten – trifft den Konzern daher hart.

Renesas plant Stellenabbau

Für das Geschäftsjahr 2018 musste Renesas einen Umsatzrückgang um drei Prozent auf 757,3 Milliarden Yen (6,78 Milliarden US-Dollar) ausweisen. Im Jahresvergleich notiert die Renesas-Aktie derzeit fast 48 Prozent niedriger, nachdem in den letzten Tagen um etwa 15 Prozent abgesackt war. Immerhin verzeichnet sie über die letzten drei Monate insgesamt einen positiven Trend und legte um rund 3,5 Prozent zu.

Die jetzige Krise könnte die weiteren Internationalisierungsbestrebungen von Renesas bremsen. Bislang lautet die Strategie, die Aktivitäten in Übersee auszuweiten. Gleichzeitig plant das Unternehmen, bis Juni fast 1.000 Mitarbeiter zu entlassen, um Kosten zu senken. Das entspricht rund fünf Prozent der gesamten Belegschaft. Betroffen sind nach eigenen Aussagen hauptsächlich Stellen in der japanischen Verwaltung.

Nachlassende Nachfrage in China und andere Unwägbarkeiten treffen die ganze Branche

Renesas ist nicht der einzige Hightech-Hersteller, der mit den weltweiten Unwägbarkeiten und der schwächelnden Nachfrage in China zu kämpfen hat. Die Unsicherheiten bekommt auch sein direkter Konkurrent aus Deutschland, Infineon, zu spüren. Der aktuelle Kurs liegt rund 15 Prozent unter dem Vorjahresniveau – trotz erfolgreich abgeschlossenem Geschäftsjahr 2018 und „gut gefüllten Auftragsbüchern für 2019“, wie Vorstandsvorsitzender Dr. Reinhard Ploss bestätigt. Seinen Aussagen nach ist Infineon jedoch in der Lage, „auf politische und wirtschaftliche Unwägbarkeiten angemessen zu reagieren“. Aktuell zeichnet die Aktie leicht im Minus, der Drei-Monats-Trend zeigt jedoch mit fast 8 Prozent Plus eine positive Aussicht.

Es gibt weitere Beispiele: Die Branchenriesen Apple und Samsung haben Anfang 2019 mit Gewinnwarnungen für eine deutliche Korrektur nach unten an den Aktienmärkten gesorgt. Nach einer Umsatz- und Gewinnwarnung Ende Januar 2019 brach auch Nvidias Aktie zweistellig ein. Und Osram-Chef Olaf Berlien verklausulierte einen Umsatzrückgang und die weiterhin schlechten Aussichten seines Konzerns gegenüber der „Augsburger Allgemeinen“ als „dunkle Wolken am Horizont“.

China ist nicht das einzige Problem

Zum schwächelnden Absatz in China gesellen sich noch andere Probleme: So verunsichert auch der anstehende Brexit und der ungeklärte Handelskonflikt zwischen den USA und China praktisch alle Branchen, insbesondere jedoch Hochtechnologie-Unternehmen massiv. Der weltweite Halbleitermarkt wuchs bereits 2018 deutlich langsamer als erwartet: Statt ursprünglich prognostizierten 22 Prozent lag das Wachstum laut Brancheverband ZVEI letztlich bei gut 14 Prozent. Für 2019 gehen die Auguren von einem niedrigen einstelligen Wert aus.

Die aktuelle Entwicklung weckt Erinnerungen an die Wirtschaftskrise Anfang der Nullerjahre: Damals hatten überbordende Spekulationen nach mehreren Rekordjahren und eine plötzlich sinkende Nachfrage die Halbleiteraktien auf Talfahrt geschickt. Drastische Kursstürze von 30 Prozent und mehr innerhalb von Stunden machten auch gestandenen Branchengrößen wie National Semiconductor, AMD, Infineon oder Texas Instruments zu schaffen.

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