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China Market Insider China verschärft trotz Coronakrise Abgasnorm

| Autor / Redakteur: Henrik Bork* / Sven Prawitz

Ungeachtet der wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise führt China seine Abgasnorm 6 ein. Die Stufe 6b soll strengere Vorgaben machen als Euro 6.

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Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet die »Automobil Industrie« regelmäßig über den chinesischen Automobilmarkt.
Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet die »Automobil Industrie« regelmäßig über den chinesischen Automobilmarkt.
(Source: Deposit Photos)

Trotz der Coronakrise führt Peking die neue Abgasnorm „China 6“ ein. Ab dem 1. Juli werden die neuen Grenzwerte landesweit gelten, mit nur wenigen Übergangsregelungen und vorläufigen Ausnahmen, die als Rettungsring an die von Fabrikschließungen und Lockdowns geschwächte Industrie gedeutet werden können.

China 6b wird in vielen Bereichen noch strikter sein als Euro 6.

Der von vier chinesischen Ministerien Mitte Mai gleichzeitig veröffentlichten Norm zufolge dürfen leichte Nutzfahrzeuge mit China-5-Spezifikationen ab Juli in China weder produziert noch importiert werden. China-5-Fahrzeuge, die vor dem 1. Juli gebaut oder importiert worden sind, dürfen allerdings noch bis zum Ende dieses Jahres verkauft und angemeldet werden.

Maßnahmen zum Umweltschutz trotz Coronakrise

Der chinesische Gesetzgeber hat damit einem dringenden Appell des chinesischen Automobilhersteller-Verbandes vom Februar entsprochen, in dem die Übergangsregelungen vor dem Hintergrund der Coronakrise vorgeschlagen worden sind. Dennoch signalisiert die Einführung der Abgasnorm, die zu den schärfsten weltweit gehört und Euro 6 sehr ähnlich ist, dass die kommunistische Staats- und Parteiführung den Umweltschutz zumindest derzeit nicht ihren Corona-Konjunkturmassnahmen opfern will.

„In der Periode des 14. Fünfjahresplans werden wir fortfahren, die Umweltqualität durch eine Reduzierung von verschmutzenden Emissionen zu verbessern“, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua Chinas Umweltminister Huang Runqiu am Rande der gerade tagenden Sitzung des Nationalen Volkskongresses in der Großen Halle des Volkes in Peking.

Neue Regelung nicht landesweit geplant

Dennoch war die politische Führung Chinas gezwungen, zumindest das Tempo seiner Luft- und Umweltschutzbemühungen leicht zu reduzieren. Die Übergangsregelungen werden nicht landesweit, aber in vielen Provinzen Chinas gelten, darunter etwa in Sichuan, Hubei, Hunan, Liaoning, Heilongjiang, Jilin, Fujian, Jiangxi, sowie in Chinas Grenzregionen Tibet, Xinjiang und der Inneren Mongolei.

In Betracht der schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen der Quarantänemaßnahmen und des „Volkskriegs gegen das Coronavirus“ werden die neuen Feinstaubwerte bis Ende Dezember dieses Jahres ausgesetzt. Der neue Grenzwert für Feinstaubpartikel (6,0 x 1.021) gilt ebenfalls erst am dem 1. Januar 2021.

China 6a noch im Juli, 6b folgt 2023

Wie geplant wird hingegen die Umsetzung von China 6 in zwei Phasen durchgeführt. China 6a gilt ab dem 1. Juli, China 6b zwei Jahre später, im Juli 2023. China 6b wird in vielen Bereichen noch strikter sein als Euro 6. So sieht diese zweite Phase ab 2023 nach jetzigem Planungsstand Verringerungen der Kohlenwasserstoffemissionen um bis zu 50 Prozent im Vergleich zu Euro 6 vor. Stickstoffwerte (NOx) müssen dann 40 Prozent, und Feinstaubemissionen (PM) um 33 Prozent niedriger sein als bei Euro 6.

China setzt also trotz der Corona-Wirtschaftskrise seinen Kurs fort, die internationalen Autohersteller allmählich immer stärker zu ökologisch nachhaltigen Fahrzeugen zu zwingen. Sowohl die jüngsten Signale aus Peking zum Thema Elektromobilität wie nun auch die neuen Grenzwerte für Benziner und Diesel deuten da in dieselbe Richtung: Beim Umweltschutz gibt es in China höchstens leichte Aufschübe, aber keine Pause oder Kehrtwende.

China zielt auf Marktführerschaft

Hintergrund für dieses Festhalten am Umweltschutz ist die Hoffnung der kommunistischen Staats- und Parteiführung in Peking, sich bei neuen, grünen Technologien gleich von Anfang an weltweit als Marktführer etablieren zu können. Ein weiterer Hintergrund ist die Luftverschmutzung in Chinas 130 Millionenstädten, die zu einem großen Teil auf Autoabgase zurückzuführen ist. China führt weltweit bei den Toten durch Lungenkrebs, mit rund 800.000 Menschen pro Jahr.

Über den Autor

*Henrik Bork ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.

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