In der neuen Umfrage von Clepa und McKinsey blicken 39 Prozent der befragten Autozulieferer negativ, 31 Prozent positiv in die Zukunft. Die schwache Rentabilität verhindere notwendige Investitionen in den grünen und digitalen Wandel.
43 Prozent der befragten Zulieferer äußern sich besorgt über die Wettbewerbsfähigkeit der EU. Im Bild: Zweimassenschwungrad-Fertigung bei Schaeffler.
(Bild: Schaeffler/Daniel Karmann)
Der europäische Zuliefererverband Clepa und McKinsey haben gestern (7. November) die neuesten Erkenntnisse ihrer halbjährlichen Umfrage über den Zustand und die Stimmung in der Automobilzulieferindustrie präsentiert. Auf der Grundlage von mehr als 150 Antworten liefert die Umfrage die Perspektiven des Geschäftsklimas, der Trends sowie der aktuellen Herausforderungen und Chancen in der Branche.
Der Ausblick ist gemischt: 39 Prozent der Befragten blicken negativ, 31 Prozent positiv in die Zukunft. Die Hälfte der Zulieferer rechnet mit geringen Gewinnen oder sogar mit Verlusten, 43 Prozent äußern sich besorgt über die Wettbewerbsfähigkeit der EU und 41 Prozent glauben, dass andere Regionen neue Technologien schneller auf den Markt bringen werden.
Dennoch rechnen 49 Prozent der befragten europäischen Zulieferer in den nächsten zwölf Monaten mit einem Umsatzwachstum.
Im Jahr 2023 rechnen 56 Prozent der Lieferanten mit einer operativen Rentabilität von weniger als fünf Prozent. Dies sind zwar weniger als die 76 Prozent im Jahr 2022, aber auf lange Sicht ist das immer noch nicht nachhaltig. Für das nächste Jahr erwarten nur 48 Prozent eine Rentabilität von unter fünf Prozent.
Das bedeutet: Die Hälfte der Branche rechnet mit einer geringen Rentabilität oder sogar mit Verlusten, was die Fähigkeit zur Finanzierung des grünen und digitalen Wandels mindestens infrage stellt.
Hohe Produktionskosten als primäre Herausforderung
Lukas Michor, Leiter EMEA Supplier Practice bei McKinsey, erklärt: „Zwar haben sich die Gesamtaussichten im Vergleich zu den Covid-Zeiten verbessert, dennoch ist die Branche immer noch stark von Unsicherheit geprägt, insbesondere durch die instabilen Mengenprognosen.“ Es sei einerseits nach wie vor unklar, wie stark die Gesamtvolumina im derzeitigen inflationären Umfeld anziehen werden, und andererseits blieben die Prognosen auf Ebene der Fahrzeugplattformen so unsicher wie eh und je.
Eine zentrale Herausforderung für viele Zulieferer bleiben weiterhin die steigenden Kosten und die Unfähigkeit, diese an die OEMs weiterzugeben. Hohe Produktionskosten werden von 43 Prozent der Zulieferer als primäre strategische Herausforderung genannt – ein Anstieg gegenüber 35 Prozent vor sechs Monaten.
Benjamin Krieger, Generalsekretär der Clepa, betont: „Die Zulieferer müssen weiterhin erhebliche Investitionen tätigen, um dem doppelten grünen und digitalen Wandel gerecht zu werden und global wettbewerbsfähig zu bleiben. Energie-, Material- und Verwaltungskosten stellen eine große Herausforderung dar und untergraben die Wettbewerbsfähigkeit der EU.“
Gemischte Gefühle bezüglich Risiken und Chancen in China
Weiterhin äußern 41 Prozent der Befragten die Befürchtung, dass andere Regionen, insbesondere China, die EU bei neuen Technologien überholen werden. Kürzere Produktentwicklungszyklen und die Präsentation von Innovationen auf Veranstaltungen wie der Shanghai Auto Show tragen zu dieser Besorgnis bei.
Die Befragten haben gemischte Gefühle bezüglich der Risiken und Chancen in China. Die Umfrage ergab, dass 34 Prozent der Zulieferer ihre Abhängigkeit vom chinesischen Markt aktiv verringern, während 29 Prozent China nach wie vor als zentral für ihre künftige Wachstumsstrategie ansehen.
Die meisten Zulieferer sind sich jedoch einig, dass ein Aufholbedarf besteht sowohl bei den operativen als auch bei den strategischen Fähigkeiten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Nur 17 Prozent der Zulieferer halten ihre Kostenstruktur und Preisgestaltung für wettbewerbsfähig, und nur 25 Prozent sind der Meinung, dass ihr Produktentwicklungszyklus und ihre Entscheidungsfindungsprozesse ausreichend schnell und agil sind.
Insgesamt bleiben die europäischen Zulieferer trotz der vielen Herausforderungen zukunftsorientiert: 44 Prozent wählen einen ausgewogenen Ansatz aus Kostensenkung und gezielten Investitionen. Neben einer neuen China-Strategie bleibt die Digitalisierung ein Kernelement der Wachstumsstrategie; zwei Drittel verfolgen aktiv die digitale Transformation, insbesondere in den Bereichen F&E, Produktion und Lieferkettenmanagement.
Stand: 08.12.2025
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