Suchen

EU-Abgasnorm CO2-Bilanzen: Weiter Weg für FCA, Hyundai, VW und Ford

| Autor/ Redakteur: Christoph Seyerlein / Sven Prawitz

Die schärferen CO2-Ziele in der EU rücken immer näher. Aufgrund der Diesel-Krise haben sich einige Hersteller im vergangenen Jahr beim Durchschnittsausstoß aber sogar verschlechtert. Auch die deutschen Autobauer haben großen Verbesserungsbedarf.

Firmen zum Thema

Einige Hersteller haben noch großen Nachholbedarf hinsichtlich CO2-Grenzwerte, die im Jahr 2021 verschärft werden.
Einige Hersteller haben noch großen Nachholbedarf hinsichtlich CO2-Grenzwerte, die im Jahr 2021 verschärft werden.
(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

Für die Autoindustrie gibt es auf dem Weg, bis zum Jahr 2021 die schärferen CO2-Grenzwerte in der EU zu erfüllen, weiter viel zu tun. Das International Council on clean Transportation (ICCT) hat sich anhand von Daten der European Environment Agency (EEA) kürzlich die Abgas-Bilanzen der großen Hersteller im vergangenen Jahr angeschaut. Ein Ergebnis: Aktuell spricht wenig dafür, dass die Autohersteller die vorgegebenen Ziele erreichen können. Schließlich sind die die durchschnittlichen CO2-Emissionen neu zugelassener Autos pro gefahrenem Kilometer in der EU 2017 sogar um ein Gramm auf 119 g/km gestiegen.

Blickt man auf die einzelnen Hersteller, liegt Toyota wenig überraschend am ehesten auf Kurs. Der Flottenausstoß der neu verkauften Autos der Japaner lag im vergangenen Jahr bei 103 Gramm pro Kilometer. Da die Fahrzeuge von Toyota im Durchschnitt relativ leicht sind, muss der Hersteller bis 2020/21 ein etwas strengeres Ziel erreichen als einige andere. Von den 94 Gramm, die Toyota einhalten soll, ist der OEM somit nur noch 9 Gramm entfernt. Im Vergleich zu 2016 hat Toyota seinen Durchschnittsausstoß im vergangenen Jahr übrigens um 2 Gramm senken können.

FCA und Hyundai deutlich von Vorgabe entfernt

Am weitesten von den Vorgaben entfernt war 2017 FCA. Der Konzern muss aufgrund seines hohen Anteils relativ leichter Fahrzeuge 2020/21 den Durchschnittswert von 91 Gramm CO2 pro Kilometer einhalten. Davon lag der OEM im vergangenen Jahr satte 29 Gramm entfernt. Im Vergleich zu 2016 machte FCA mit durchschnittlich 120 Gramm keine Fortschritte. Um die Ziele zu erreichen, müsste der FCA den Ausstoß nun binnen gut zwei Jahren um fast ein Viertel senken.

Nur unwesentlich besser sieht es bei Hyundai aus. Die Koreaner liegen nach den EEA-Daten 28 Gramm über ihrem Ziel von 94 Gramm. Immerhin konnte der Konzern seinen Durchschnittsausstoß im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2016 aber um 3 Gramm senken. Das war die größte Verbesserung unter allen Herstellern.

CO2-Ausstoß der deutschen OEMs gestiegen

Und die Deutschen? Auch für sie gibt es noch viel zu tun. Am weitesten vom Ziel entfernt liegt Volkswagen. Der Autobauer kam 2017 auf einen durchschnittlichen Flottenausstoß von 122 Gramm CO2 pro Kilometer und damit 26 Gramm über den für ihn ab 2020/21 vorgegebenen 96 Gramm. Und die Tendenz der Wolfsburger ist schlecht: Im vergangenen Jahr stieg der Ausstoß gegenüber 2016 um 2 Gramm. Ebenfalls um 26 Gramm muss sich übrigens Ford verbessern.

Und auch Daimler hat sich letztes Jahr um 2 auf 127 Gramm verschlechtert. Da der Stuttgarter Konzern vergleichsweise schwere Autos baut, hat er aber ein etwas moderateres Ziel von 103 Gramm. Mit 24 Gramm liegt er davon nichtsdestotrotz noch ein gewaltiges Stück entfernt. Premiumkonkurrent BMW konnte sich im vergangenen Jahr um 1 Gramm auf nun 122 verbessern. Aber auch die Münchner müssen bis 2020/21 noch 21 weitere Gramm loswerden.

Werden E-Autos bald in den Markt gepresst?

Noch sind all diese Zahlen für die Hersteller kein akuter Grund zur Sorge. Viele Marken wollen in den kommenden Monaten neue Elektro- oder Plug-in-Hybridautos auf den Markt bringen, die den CO2-Flottenausstoß in den nächsten Jahren senken sollen. Probleme macht in diesem Zusammenhang jedoch der Absturz des verbrauchsarmen Diesel-Pkw.

Sollte ein Hersteller das individuelle Ziel verpassen, drohen nach einer Übergangszeit bis 2023 Strafzahlungen in empfindlicher Höhe. Die Hersteller dürften daher versuchen, ihre sparsamen Modelle notfalls auch mit Verlusten in den Markt zu drücken. Nach Berechnungen des Center Automotive Research würde sich der Verkauf eines E-Autos selbst bei Verlusten von mehr als 10.000 Euro pro Fahrzeug für die Hersteller noch rechnen.

Diese Elektroautos kommen 2018 und 2019

Bildergalerie mit 17 Bildern

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 45402311)