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Wirtschaft

Daimler-Autosparte will mehr als eine Milliarde Euro beim Personal sparen

| Autor/ Redakteur: dpa / Svenja Gelowicz

Mit einer rigiden Schlankheitskur will Daimler-Chef Ola Källenius den schwäbischen Autohersteller für die Zukunft aufstellen und wieder auf mehr Profit trimmen. Heute (14. November) hat er seinen Masterplan vorgelegt – demnach will Källenius auch die Zulieferer stärker einbinden.

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„Die Kostenbelastungen zur Erreichung der CO2-Ziele erfordern umfassende Maßnahmen zur Effizienzsteigerung in allen Bereichen unseres Unternehmens. Dazu gehört auch die Verschlankung unserer Prozesse und Strukturen“, sagte Daimler-Chef Källenius laut Mitteilung.
„Die Kostenbelastungen zur Erreichung der CO2-Ziele erfordern umfassende Maßnahmen zur Effizienzsteigerung in allen Bereichen unseres Unternehmens. Dazu gehört auch die Verschlankung unserer Prozesse und Strukturen“, sagte Daimler-Chef Källenius laut Mitteilung.
(Bild: Daimler)

Daimler-Chef Ola Källenius will dem Auto- und Lkw-Hersteller angesichts von hohen Kosten für die Abgasreduktion einen scharfen Sparkurs verordnen. Um wieder in die Spur zu kommen, will der seit Mai amtierende Nachfolger von Dieter Zetsche allein die Personalkosten um rund 1,4 Milliarden Euro senken, vor allem in der Autosparte Mercedes-Benz. Sowohl im Management als auch in den sogenannten indirekten Bereichen, also außerhalb der Produktion, sollen dazu Stellen abgebaut werden, wie der Konzern mitteilte. Zudem will Daimler die Investitionen deckeln und auf lange Sicht auch reduzieren.

„Mit einer klaren Zukunftsstrategie stellen wir das Unternehmen für die Transformation auf“, betonte Vorstandschef Ola Källenius. „Die Kostenbelastungen zur Erreichung der CO2-Ziele erfordern umfassende Maßnahmen zur Effizienzsteigerung in allen Bereichen unseres Unternehmens. Dazu gehört auch die Verschlankung unserer Prozesse und Strukturen.“

Daimler streicht sein Management zusammen

Details zur Zahl der Stellen nannte der Konzern zunächst nicht. Man befinde sich in engem Austausch mit den Arbeitnehmervertretern, hieß es. Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht hatte Ende vergangener Woche die Zahl von 1.100 zu streichenden Stellen im Management genannt. Der Mitteilung zufolge will Daimler zudem in der Lastwagensparte bis Ende 2022 die variablen Kosten um 250 Millionen Euro senken und 300 Millionen Euro beim Personal einsparen.

Außer beim Personal will Daimler in der Autosparte auch bei den Materialkosten sparen, die allein im Pkw- und Van-Bereich rund 45 Milliarden Euro im Jahr ausmachen. Die Investitionen, auch die in Forschung und Entwicklung, sollen zunächst gedeckelt und auf lange Sicht reduziert werden.

In manchen Fällen könnte etwas, das die Zulieferer haben, das weniger komplex ist und weniger kostet, den selben Zweck erfüllen.

Ola Källenius

Was die Investitionen angeht, will Källenius künftig „wählerischer“ sein, sprich: strikter überprüfen, wofür der Konzern Geld ausgibt und wofür nicht – auch bei Forschung und Entwicklung. Das aktuelle Niveau von 16 Milliarden Euro bleibt noch 2020, danach soll es wieder sinken. „Wir haben alles von allem“, sagte der Schwede mit Blick auf die Motorvarianten, die Mercedes in seinen Fahrzeugen anbietet. Das werde es so auf lange Sicht nicht mehr geben.

Auch will Daimler künftig noch mehr aus dem lukrativen Geschäft mit AMG-Modellen, dem Maybach und den G-Klasse-Geländewagen herausholen und sich insgesamt in jedem Segment stärker auf die Fahrzeuge mit den höchsten Gewinnspannen konzentrieren. „Wir sollten wachsen, aber wir sollten profitabel wachse“, sagte Källenius. Die Frage sei, mit welchen Autos man das Geld verdiene.

Dass die Sparte damit schnell zurück zu alter Stärke und Profitabilität gelangt, glaubt auch Källenius selbst allerdings nicht. Mindestens sechs Prozent Umsatzrendite für Pkw und Vans erwartet er nun im besten Fall für das Jahr 2022. Ursprünglich war der Plan, mit dem Pkw-Geschäft schon 2021 zurück zum langfristigen Zielkorridor von acht bis zehn Prozent zu kommen.

Källenius: Zulieferer stärker in Entwicklungsarbeit integrieren

Was der Betriebsrat gar nicht gerne hören dürfte: Källenius will auch Zulieferer stärker in Entwicklungen einbeziehen. „Wir haben durchaus unseren Ingenieursstolz“, sagte er. „Aber in manchen Fällen könnte etwas, das sie haben, das weniger komplex ist und weniger kostet, den selben Zweck erfüllen.“

Im Motorenwerk in Untertürkheim wird gerade hart darüber verhandelt, ob Mercedes die Antriebe für die nächste Elektroauto-Generation von den eigenen Leuten bauen lässt oder – wie bisher – extern einkauft. Unter der Marke EQ sollen bis Ende 2022 zehn reine Elektromodelle im Markt sein. „Unser Weg muss sein, an erster Stelle Prozesse und Fremdvergaben auf den Prüfstand zu stellen“, mahnte Gesamtbetriebsrats-Vize Ergun Lümali. „Wir fordern das Insourcing von ausgelagerten Tätigkeiten.

Daimlers teure Altlasten

Källenius hat mit einer Fülle von Problemen zu kämpfen, die dem Autobauer 2018 – noch zu Zeiten von Dieter Zetsche – erst einen herben Gewinneinbruch beschert und ihn dann Mitte dieses Jahres gar zeitweilig in die roten Zahlen gedrückt haben. So muss Daimler Milliarden für seine Diesel-Altlasten zurückstellen, während zugleich der Hochlauf der Elektroauto-Produktion und die Entwicklung von Zukunftstechnologien wie autonomes Fahren gewaltige Summen verschlingen. Dazu kamen Produktionsprobleme und ein schwächelnder Absatz, der erst vor wenigen Monaten langsam wieder auf Touren kam.

Zuletzt lief es wieder deutlich besser, Euphorie wollte der Vorstandschef aber nicht aufkommen lassen. „Um die Transformation in den nächsten Jahren zu meistern, müssen wir die Anstrengungen allerdings noch erheblich steigern: Wir müssen unsere Kosten deutlich reduzieren und den Cash Flow konsequent stärken“, forderte Källenius bei der Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal.

Weniger Berater, weniger Reisen

Gespart werden, so viel ist immerhin schon klar, soll überall und auch bei vermeintlich kleinen Posten, die in Summe aber Millionen ausmachen können. „Wir haben bei den Beraterkosten im Vergleich zum Vorjahr 40 Prozent eingespart, bei den Reisekosten schon mehr als 30 Prozent“, sagte Personalvorstand Wilfried Porth kürzlich der Deutschen Presse-Agentur. Spekuliert wird zudem unter anderem darüber, dass Daimler das teure Variantenreichtum bei seinen Modellen begrenzen könnte, um die Produktion effizienter zu machen.

Betriebsbedingte Kündigungen hat Daimler bis Ende des kommenden Jahrzehnts ausgeschlossen, auch Abfindungsprogramme oder ähnliches soll es nicht geben – was nicht ausschließt, dass der Konzern zum Beispiel freiwerdende Stellen nicht nachbesetzt. Punktuelle Ausscheidungsvereinbarungen für Beschäftigte im indirekten Bereich, also zum Beispiel in der Verwaltung, könne man durchaus auch diskutieren, betonte Gesamtbetriebsratschef Brecht. Solange diese und andere Punkte noch verhandelt werden, dürfte Källenius dazu am Donnerstag aber wohl nichts sagen.

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