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Wirtschaft

Daimler will in Deutschland jede zehnte Führungsstelle abbauen

| Autor/ Redakteur: dpa / Svenja Gelowicz

Daimler-Chef Ola Källenius setzt mit seinem Sparprogramm beim Management an: Weltweit will der Autohersteller 1.100 Stellen von Führungskräften streichen. Außerdem stemmt er sich unter anderem auch gegen Tariferhöhungen für Mitarbeiter.

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Stellenabbau bei Daimler: Jede zehnte Führungskraft in Deutschland soll betroffen sein.
Stellenabbau bei Daimler: Jede zehnte Führungskraft in Deutschland soll betroffen sein.
(Bild: Daimler)

Im Zuge seines angekündigten Sparprogramms will Daimler laut Betriebsrat weltweit 1.100 Stellen von Führungskräften abbauen. In Deutschland wäre es etwa jede zehnte, wie Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht am Freitag (8. November) in einem Info-Brief an die Mitarbeiter schrieb. Zuvor hatten „Süddeutsche Zeitung“ und „Handelsblatt“ darüber berichtet. Laut Betriebsrat hat Vorstandschef Ola Källenius Anfang der Woche bei einer internen Führungskräfteveranstaltung erstmals konkrete Zahlen zu seinen Sparplänen genannt.

Um die Personalkosten zu reduzieren, habe die Unternehmensleitung zudem vorgeschlagen, mögliche Tariferhöhungen aus der im Frühjahr 2020 anstehenden Tarifrunde nicht zu übernehmen oder individuelle Lohn- und Gehaltserhöhungen hinauszuzögern. „Dies haben wir kategorisch abgelehnt“, schreibt Brecht. Ein Daimler-Sprecher sagte, man äußere sich nicht zu Spekulationen. Man befinde sich in einem konstruktiven Dialog mit den Arbeitnehmervertretern.

Viele Baustellen in Stuttgart

Den Sparkurs hatte noch Källenius' Vorgänger Dieter Zetsche Anfang des Jahres vorgegeben. Die allgemein schwache Autokonjunktur, Produktionsprobleme, hohe Kosten für Rückrufe und andere Sorgen mit dem Diesel sowie die immensen Ausgaben für Elektromobilität und Zukunftstechnologien wie das autonome Fahren machten und machen Daimler zu schaffen. Vor allem das erste Halbjahr lief nicht gut.

Källenius habe nun Anfang der Woche bei einer internen Führungskräfteveranstaltung erstmals eine konkrete Zahl zu seinen Sparplänen genannt - nämlich die der zu streichenden Managerjobs, schrieb Brecht an die Mitarbeiter. „Wir sehen als Gesamtbetriebsrat durchaus die finanziell schwierige Situation sowie die Notwendigkeit von umsichtigen Maßnahmen, aber: Ihr dürft nicht für juristische Streitigkeiten oder Qualitätsprobleme von Zulieferern zur Kasse gebeten werden!“, heißt es in dem Brief weiter.

Jedes Bauteil muss auf den Prüfstand

Laut „Süddeutscher Zeitung“ soll Källenius den Betriebsräten zuletzt auch wenig Hoffnung gemacht haben, dass man die künftige Fertigung der Elektroauto-Antriebe im Stammwerk in Untertürkheim ansiedeln werde – worum die Arbeitnehmervertreter derzeit vehement kämpfen. Erst am Donnerstag hatte der örtliche Betriebsrat dem Unternehmen vorgeworfen, überzogene Forderungen in Sachen Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit vorzubringen.

Personalvorstand Wilfried Porth hatte dazu vor einigen Tagen der Deutschen Presse-Agentur gesagt, es sei unternehmerische Pflicht, jedes neue Bauteil auf den Prüfstand zu stellen, um die Finanzkraft und damit auch die Arbeitsplätze langfristig zu sichern. „Es ist eine ganz klare wirtschaftliche Frage: Wenn wir das inhouse wirtschaftlich oder wettbewerbsfähig hinkriegen, dann spricht nichts dagegen, es selbst zu machen“, betonte Porth. „Aber wir können einfach keine Kompromisse eingehen - gerade nicht bei einer Technologie, bei der die Kosten deutlich höher sind als im traditionellen Bereich, und bei der der Kunde nicht bereit ist, diese Mehrkosten zu tragen.“

Dass die Autobranche nach der Transformation, die sie gerade durchläuft, noch so viele Mitarbeiter wie heute beschäftigen wird, glaubt Porth ohnehin nicht. „Wir werden langfristig eine Reduzierung der Arbeitskräfte in der gesamten Automobilindustrie haben“, sagte er. Was genau das für einzelne Standorte bedeute, könne er zwar nicht sagen. Es könnten durchaus auch welche von der Transformation profitieren. „Was wir aber alle wissen: Wenn sich die Elektromobilität komplett durchsetzt, dann wird weniger Wertschöpfung in der Kette sein“, sagte Porth. „Und das wird dann auch auf uns eine Auswirkung haben. Aber es wird viele Jahre dauern, bis so ein Übergang abgeschlossen ist.“

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