Daimler Truck und Volvo haben im März das Brennstoffzellen-Joint-Venture Cellcentric gegründet und jetzt ihre Strategie erläutert. Die gesteckten Ziele sind hoch.
Die Montage in Nabern: Mitarbeiter bauen Komponenten zum fertigen Brennstoffzellensystem zusammen.
(Bild: Daimler Truck)
Die Nutzfahrzeugsparten von Daimler und Volvo haben Anfang März ihr vor rund einem Jahr angekündigtes Brennstoffzellen-Joint-Venture Cellcentric gegründet. Hier wollen sie serienreife, wasserstoffbasierte Brennstoffzellensysteme für den Einsatz in Fernverkehrs-Lkw entwickeln und produzieren, zudem für „andere Anwendungen“. Dafür wollen die Lkw-Hersteller eine der größten Serienproduktionen von Brennstoffzellensystemen in Europa errichten. Wo das sein wird, will Cellcentric im nächsten Jahr sagen.
Bis dahin bereiten die Mitarbeiter die Vorserienfertigung an einem neuen Standort in Esslingen bei Stuttgart vor; und fertigen Prototypen. Die reguläre Produktion soll im Jahr 2025 starten. Erste Testfahrten mit Brennstoffzellen-Lkw bei Kunden soll es in etwa drei Jahren geben. Laut Martin Daum, Chef von Daimler Truck, wollen beide Partner mindestens jeweils neunstellige Beträge in die Technik investieren, also über 100 Millionen Euro. Bei den Fahrzeugen selbst bleiben Daimler Truck und Volvo aber Wettbewerber.
Das Joint Venture soll nichts Geringeres werden, als „ein weltweit führender Hersteller von Brennstoffzellen“. Für Cellcentric arbeiten aktuell mehr als 300 Mitarbeiter am Hauptsitz der Mercedes-Benz Fuel Cell in Nabern bei Stuttgart sowie im kanadischen Burnaby. Bisher wurden rund 700 Einzelpatente erteilt.
Mitte April forderten zwei Verbände gemeinsam den Aufbau von rund 300 Hochleistungs-Wasserstofftankstellen für schwere Nutzfahrzeuge bis 2025; und von rund 1.000 Wasserstoff-Tankstellen bis spätestens 2030 in Europa. Konkret sind das der europäische Verband der Automobilhersteller (ACEA) und die „Transport & Environment“, die Dachorganisation europäischer Organisationen aus dem nachhaltigen Verkehrsbereich. Die gemeinsame Initiative will so Wasserstoff als Träger von Ökostrom für den Betrieb elektrischer Fernverkehrs-Lkw nutzen.
Daimler Truck und Volvo fordern ebenfalls einen einheitlichen regulatorischen Rahmen in der EU; auch, damit die Brennstoffzelle wirtschaftlich mit konventionellen Antrieben vergleichbar wird. Das könnten zum Beispiel Anreize für CO2-neutrale Technologien sein, oder ein Besteuerungssystem basierend auf CO2- und Energiegehalt. Ein Emissionshandelssystem käme ebenfalls in Frage.
Kooperationen zur Brennstoffzellentechnik
Auch andere Hersteller entwickeln Brennstoffzellen für Nutzfahrzeuge. Toyota und der amerikanische Truck-Hersteller Kenworth zum Beispiel haben bereits im Frühjahr 2017 einen schweren Lkw mit Brennstoffzellenantrieb vorgestellt, der in den USA im kommerziellen Einsatz ist.
Daimler Truck und die Volvo Group haben das Joint Venture Cellcentric am 1. März 2021 gegründet. Sie wollen mit der Zusammenarbeit vor allem die Entwicklungskosten senken und die Brennstoffzellen-Systeme für den schweren Transport und Langstreckeneinsätze schneller auf den Markt bringen. Volvo hat dafür 50 Prozent der Anteile am bestehenden Unternehmen Daimler Truck Fuel Cell für rund 600 Millionen Euro erworben.
Daimler Trucks hatte hier zuvor alle konzernweiten Brennstoffzellen-Aktivitäten zusammengeführt, auch die der Mercedes-Benz Fuel Cell. Das Unternehmen entwickelt seit vielen Jahren Brennstoffzellen- und Wasserstoffspeichersystemen für Fahrzeuge. Daimler Truck und Volvo hatten im November 2020 eine verbindliche Vereinbarung zur Gründung des Joint Ventures geschlossen.
Stand: 08.12.2025
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