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IAA 2019

Die fünf Top-Studien auf der Automobilmesse IAA

| Autor/ Redakteur: Michael Gebhardt/SP-X / Thomas Günnel

Auf der IAA fehlen in diesem Jahr zahlreiche Hersteller, das wirkt sich auch auf die Studiendichte aus. Vor allem die großen deutschen Hersteller aber lassen sich den Blick in die Glaskugel nicht nehmen – und der fällt recht unterschiedlich aus.

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Der Mercedes EQS könnte der Vorbote für eine elektrische S-Klasse sein. Andere Studien der Automobilhersteller sind teilweise viel weiter von der Serie entfernt.
Der Mercedes EQS könnte der Vorbote für eine elektrische S-Klasse sein. Andere Studien der Automobilhersteller sind teilweise viel weiter von der Serie entfernt.
(Bild: Daimler)

VW ID 3, Mercedes GLB, 1er BMW oder Ford Puma – auf der IAA 2019 gibt es einige spannende Neuheiten, die schon in wenigen Wochen zu den Händlern rollen werden. Wer dagegen einen Blick in die Glaskugel werfen will, tut sich in Frankfurt in diesem Jahr reichlich schwer: Der sonst so üppige Studien-Reigen ist 2019 ausgeblieben, schon allein, weil zahlreiche Hersteller die Autoschau schwänzen. Und auch von den anwesenden Autoherstellern wagte in diesen ungewissen Zeiten nicht jeder einen Ausblick. Mehr oder wenige konkrete Vorstellungen gibt es vor allem von den deutschen Marken.

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Mercedes EQS: Vorbote der elektrischen E-Klasse?

Seine Vision vom Morgen oder Übermorgen hat Mercedes mit der Studie EQS mitgebracht. Damit gibt der Hersteller zum einen die optische Marschrichtung seiner kommenden Elektro-Autos vor. Anders als EQC und EQV, die sich stark an ihren Technikspendern GLC und V-Klasse orientieren, sollen die neuen Stromer ein eigenständiges Blechkleid erhalten. „One-Bow-Prinzip“ nennt sich die Designphilosophie, was bedeutet, dass man die Silhouette am besten mit nur einem Strich zeichnen kann.

Wie diese einfache Linie in Form eines Oberklasse-Modelles gegossen aussieht, zeigt der langgestreckte EQS, er könnte der Vorbote für eine elektrische S-Klasse sein. Ob das eins zu eins umgesetzt wird, ist freilich fraglich, doch Details wie die schmalen Scheinwerfer mit holografischen Linsen, das umlaufende Leuchtenband, der illuminierte Kühlergrill oder das luftige Interieur werden uns sicher bald wieder begegnen. Das gilt natürlich auch für die neue Elektroantriebs-Plattform, auf der der EQS aufbaut und die Basis für viele künftige Modelle sein soll.

Audi AI Trail Concept: Zukunft im Gelände

Deutlich weiter von der Serie entfernt ist die Audi-Studie „AI:Trail Concept“. Der Ausblick auf den Geländewagen der Zukunft reiht sich in eine Serie von AI-Studien ein, mit denen Audi bereits seine Vision für ein Stadt-Auto, ein Reise-Mobil und einen Racer demonstriert hat, und damit gleichzeitig betonte, dass es künftig wohl nicht mehr ein Auto für alle Fälle geben wird, sondern jedes Fahrzeug seinen eigenen Zweck erfüllt: Das ist beim 4,15 Meter langen AI:Trail mit 34 Zentimetern Bodenfreiheit und mächtigen 22-Zöllern mit Stollenreifen ganz klar der Marsch über Stock und Stein.

Angetrieben wird das Concept Car natürlich rein elektrisch, vier radnahe Motoren sorgen für zusammen 320 kW/435 PS und Allradantrieb, die Reichweite soll bei 500 Kilometern auf der Straße und 250 Kilometern im harten Gelände liegen. Die Passagiere reisen in einer Art Glaskanzel, die auf das Fahrgestell aufgesetzt wurde. Futuristisch: Audi verzichtet auf Scheinwerfer, stattdessen fliegen leuchtende Drohnen voraus und erhellen mit Spots den Weg.

Cupra Tavascan: SUV ohne Geländeambitionen

Deutlich weniger geländegängig zeigt sich die SUV-Studie Tavascan von Seats neuer Sport-Tochter Cupra. Obwohl sie im Gewand eines klassischen Hochbeiners steckt, spricht Cupra-Chef Griffiths von der Vision eines rein elektrischen Sportwagens. Zwei E-Motoren stellen 225 kW/306 PS Leistung bereit, wie schnell der Tavascan damit wird, ist aber noch nicht bekannt. Dafür die Reichweite: 77 Kilowattstunden Strom sollen für 450 Kilometer reichen. Die Technik selbst überrascht nicht, wie der neue ID.3 und alle bisherigen Elektro-Studien aus dem Volkswagen-Konzern nutzt auch der Tavascan den Elektro-Baukasten MEB.

Ähnlich geräumig wie in den anderen Concept Cars ist auch der Innenraum, wo die Designer auf sportliche Schalensitze und selbstverständlich sehr große Displays setzten. Offen bleibt die Frage, ob und wann ein Elektro-SUV von Cupra auf den Markt kommt: Die Seat-Tochter hat zwar schon einige Modelle als sehr seriennah angekündigt, bislang aber ist außer der Sport-Version des Ateca noch kein Cupra erhältlich.

Hyundai 45: Rollende Lounge

Weniger als Ausblick auf ein künftiges Modell ist die Hyundai-Studie 45 gedacht. Mit dem Coupé-Concept erinnert Hyundai zum einen an den Pony, der vor 45 Jahren auf den Markt kam. Zum anderen will der Hersteller damit eine neue Design-Ära einleiten: Wenn die sich durchsetzt, werden künftige Hyundais zahlreiche Kanten und Knicke im Blechkleid tragen, wie wir sie unter anderem auch von Seat kennen.

Innen bietet der 45 wenig Überraschungen: Auch den Hyundai-Kreativen ist klar, dass ein autonom fahrendes Auto kein klassisches Cockpit mehr braucht, also haben sie in Reihe eins zwei drehbare Loungesessel verbaut und im Fond ein gemütliches Sofa. Das Platzangebot ist dank des raumsparenden Elektroantriebs üppig, der Ein- und Ausstieg durch die großen Schiebetüren recht bequem und die weichen Stoffe sorgen für Wohlfühl-Ambiente.

Vorschau auf kommendes 4er Coupé

Ganz so geräumig geht es im Concept 4 von BMW nicht zu: Die flache Flunder nimmt, der Name deutet es schon an, das nächste 4er Coupé vorweg. Nach dem 3er Limousine und Zweitürer vor einigen Jahren schon namentlich getrennt wurden, will BMW mit der kommenden Generation Ende 2020 auch optisch für eine klare Differenzierung sorgen und dem 4er ein eigenständiges Design verpassen. Dass dabei der überdimensionale Nieren-Kühlergrill, den wir schon vom 7er und X7 kennen, nicht fehlen darf, ist klar.

Ganz so groß wie in der Studie wird er aber wohl nicht auf die Straße kommen, schließlich muss irgendwo noch Platz für das Kennzeichen bleiben. Und auch die Doppelscheinwerfer werden so wohl kaum in Serie gehen: Sie stecken nicht mehr unter einer gemeinsamen Glasabdeckung. Das sieht zwar gut aus, bedeutet aber, dass es viele Ecken und Ritzen gib, in denen sich Fliegen und Straßendreck sammeln könnten.

Die lang gezogene Haube – unter der aktuell ein nicht näher benannter E-Antrieb, später aber sicher klassische Verbrenner stecken –, das bullige Heck und die markanten Sicken in der Karosserie aber werden wir auf jeden Fall wiedersehen. Schließlich verspricht BMW, dass das noch innenraumlose Concept Car schon zu rund 90 Prozent dem Serienstand entspricht.

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