Gartner-Analyse Die fünf wichtigsten Automotive-Trends für 2022

Von Sven Prawitz

Ein stärkerer Fokus auf Software, In-House-Chipdesign und Diversifizierung der Hardware-Versorgung: Pedro Pacheco vom Beratungsunternehmen Gartner beschreibt die Top-Trends für 2022.

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Die Rolle des Mercedes EQS als Technologieträger geht weit über das elektrische Fahren hinaus. Die Modelle sollen auf der Autobahn automatisiert fahren können.
Die Rolle des Mercedes EQS als Technologieträger geht weit über das elektrische Fahren hinaus. Die Modelle sollen auf der Autobahn automatisiert fahren können.
(Bild: Mercedes-Benz)

Wie im vergangenen Jahr gibt Pedro Pacheco, Senior Research Director bei Gartner, einen Ausblick auf die Trends der Automobilindustrie in diesem Jahr. „Da die digitale Technologie den Unterschied im Auto ausmacht, wird die Software zum Haupttreiber für das Gewinnwachstum der Automobilhersteller“, sagt Pacheco.

Trend 1: Automobilhersteller überdenken ihren Ansatz bei der Beschaffung von Hardware

Die Automobilhersteller überdenken ihre seit langem verfolgte Strategie der Lagerhaltung nach dem Just-in-Time-Prinzip (JIT). Doch die Covid-Pandemie hat diese Vorgehensweise auf einen harten Prüfstand gestellt: OEMs und Tier-1-Zulieferer hielten während der verschiedenen Engpässe bei Chips keine ausreichenden Pufferbestände, auf die sie zurückgreifen konnten. Infolgedessen müssen die Automobilhersteller nun ihren Umgang mit den Chipherstellern überdenken – und erwägen verstärkt, Chips selbst zu entwickeln.

Gartner prognostiziert, dass bis 2025 5 der 10 größten Automobilhersteller ihre eigenen Chips entwickeln und direkte, langfristige Arbeitsbeziehungen mit Chip-Herstellern aufbauen werden. Parallel dazu wird die Praxis der JIT-Bestandsverwaltung weitgehend aufgegeben.

Trend 2: Tech-Giganten integrieren das Auto in ihr Ökosystem

Die Tech-Giganten wie Amazon Web Services (AWS), Google, Alibaba oder Tencent bemühen sich verstärkt, ihre Präsenz in der Fahrzeugtechnik kontinuierlich auszubauen. „Diese Tech-Unternehmen bringen das Auto näher an ihr jeweiliges Ökosystem heran, was wiederum neue, mit dem Fahrzeug verbundene Dienste eröffnet“, sagt Pacheco. Gartner prognostiziert, dass bis 2028 70 Prozent der verkauften Fahrzeuge das Betriebssystem Android Automotive verwenden werden. Aktuell sind es noch weniger als 1 Prozent.

„Da es schwierig ist, Technologie und Software selbst zu entwickeln, können Automobilunternehmen entweder Partnerschaften mit den großen Tech-Konzernen eingehen, um Software zu einem Haupteinkommensbringer zu machen, oder umfangreiche interne Ressourcen aufbauen, um dies weitgehend selbst zu erreichen“, rät Pacheco.

Trend 3: Offene Daten und Kollaborationsmodelle gewinnen an Dynamik

Im Jahr 2021 haben mehrere Technologieunternehmen quelloffene Betriebssysteme für Fahrzeugarchitekturen und offene Plattformen für Elektrofahrzeuge (EV) entwickelt. Dieser Ansatz der Einführung neuer Partnerschaftsmodelle im Automobilsektor wird 2022 zunehmen.

Darüber hinaus werden Automobilunternehmen Daten zunehmend auf eine ähnliche Weise betrachten wie die Tech-Welt. „Ihr Ziel ist nicht der Verkauf von Daten, sondern der Aufbau oder die Integration von Ökosystemen, die ihnen den Zugang zu einer breiteren Datenvielfalt ermöglichen, um attraktivere Funktionen oder digitale Dienste zu entwickeln“, fügt Pacheco hinzu.

Trend 4: Etablierte Automobilhersteller bauen OTA als ihren wichtigsten digitalen Umsatzkanal aus

Im vergangenen Jahr gab es große Veränderungen auf dem Markt für Over-the-Air-Software (OTA), als mehrere Automobilhersteller begannen, Software-Updates anzubieten. Da die meisten Automobilhersteller die Hardware in den Fahrzeugen aktualisiert haben, um Software-Updates zu ermöglichen, werden sie nun zu einem Umsatzmodell übergehen, das auf Dienstleistungen und nicht auf dem Verkauf von Vermögenswerten basiert.

Die Analysten von Gartner prognostizieren, dass bis 2023 die Hälfte der Top-10-Automobilhersteller Freischaltungen und Funktionserweiterungen durch Software-Updates anbieten wird, die nach dem Verkauf des Fahrzeugs erworben werden können.

Trend 5: Autonome Fahrzeuge – mehr Regulierung, aber immer noch Hürden bei der Kommerzialisierung

Obwohl sich die Sensortechnik verbessert, die Wahrnehmungsalgorithmen immer ausgefeilter werden und die Vorschriften und Normen fortschreiten, haben die Entwickler automatisierter und autonomer Fahrzeuge weiterhin Schwierigkeiten, den autonomen Betrieb auf neue Städte oder Regionen auszuweiten.

Die Automobilhersteller haben begonnen, automatisiert fahrende Autos der Stufe 3 anzukündigen, und arbeiten an der Einführung von selbstfahrenden Lastwagen der Stufe 4 und kommerziellen Robotaxis. Der Nachweis der Sicherheit und Wirksamkeit der Technik dauert jedoch sehr lange, und umfangreiche Simulationen und Praxistests machen die Kommerzialisierung langsam und teuer. Hinzu kommen Fragen wie die Haftung im Falle eines Unfalls und damit verbundene rechtliche und gesellschaftliche Erwägungen, z. B. die Frage, wie menschlich gesteuerte Fahrzeuge mit einem KI-gesteuerten Fahrzeug interagieren werden, was die Herausforderung noch erhöht.

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„Die sehr hohen F&E-Kosten für Robotaxis oder Level-4-Lkw behindern die schnelle Einführung in Bezug auf die Abdeckung, aber auch auf die Rentabilität. Das ist eine Ironie des Schicksals, wenn man bedenkt, dass einer der Hauptvorteile des autonomen Fahrens in der Senkung der Betriebskosten für den Transport besteht“, so Jonathan Davenport, Kommentarleiter bei Gartner. Das Beratungsunternehmen prognostiziert, dass bis 2030 weltweit viermal so viele autonome Robotaxis der Stufe 4 im Einsatz sein werden wie Taxis im Jahr 2022.

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