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Leichtbau-Gipfel 2017 „Die gesamte Wertschöpfungskette beachten“

| Redakteur: Christian Otto

Die Produktion von Leichtbaumaterialien soll ökologisch ausgeglichen sein. Dr. Stephan Krinke von Volkswagen zeigte auf dem Leichtbaugipfel einen entsprechenden Ansatz: das Life Cycle Engineering.

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Dr. Stephan Krinke von Volkswagen stellte auf dem Leichtbaugipfel das Life Cycle Engineering vor.
Dr. Stephan Krinke von Volkswagen stellte auf dem Leichtbaugipfel das Life Cycle Engineering vor.
(Bild: Stefan Bausewein)

Dr. Stephan Krinke, Leiter Umwelt und Umweltmanagement Beauftragter bei der Volkswagen AG, näherte sich dem Thema ökologischer Leichtbau von Seiten des Umweltschutzes. Dieser bringe starke Herausforderungen, wie die Dekarbonisierung, Ressourcenknappheit und zunehmende gesetzliche Anforderungen. Zudem sei die Erwartung von Politik, Kunden und Umweltverbänden gegenüber der Umweltperformance der Hersteller enorm gestiegen. Krinke sieht hier in der Ressourceneffizienz und den Life Cycle-Strategien zentrale Lösungselemente.

Vor diesem Hintergrund verwies der VW-Manager auf seit letztem Jahr ausgegebene Ausrichtung des VW-Konzerns mit der „Together 2025“-Strategie. Mit ihr hat sich der Wolfsburger Automobilkonzern das Ziel gesetzt, ein führender Anbieter nachhaltiger Mobilität und damit auch ein Vorbild im Bereich Umwelt zu werden.

CO2-intensive Produktion

Bei der Betrachtung der CO2-Bilanz über den Lebenszyklus, sind Krinke zufolge bis 2020 klare Trends absehbar: So dürfte zur Einhaltung der Flottengrenzwerte die CO2-Emission bei der Nutzung der Fahrzeuge zurückgehen. Für die Umsetzung der Themen Leichtbau und Elektrifizierung erwartet der Umweltbeauftragte aber gerade bei der Herstellung einen CO2-Zuwachs. Hier machte Krinke deutlich, dass sich die Relevanz einzelner Aspekte im Produktlebenszyklus verschieben wird.

Mit dem Life Cycle Engineering könne man aber einen Lösungsansatz bieten. „Das Life Cycle Engineering analysiert und bewertet die Umweltperformance von Produkten und Technologien über den gesamten Lebenszyklus und zu allen Umweltaspekten“, erklärte Krinke. Und er identifizierte wesentliche Erfolgsfaktoren für diesen Prozess. An erster Stelle steht die Organisation, das heißt eine klare Strategie, Ziele und Verantwortlichkeiten sowie die Integration des Life Cyle Engineering in den Entwicklungsprozess.

Transfer als Kür

Danach folgt im zweiten Schritt die Analyse, unter anderem der kosteneffizienten Prozesse. Den Schritt von Analyse zum dritten Punkt, der konkreten Optimierung, also die Überführung von Umweltbilanzen in messbare technische Zielgrößen, bezeichnet Krinke als „die eigentliche Kür“. Danach fokussierte der VW-Mann das Life Cycle Engineering in seinem Vortrag auf die Themen Leichtbau und Elektromobilität. Dafür blickte er beispielhaft auf das CO2-Profil unterschiedlicher Leichtbaumaterialien in der Herstellung. So emittiert etwa Magnesium große Mengen Treibhausgase bei der Verarbeitung. Deshalb betonte Krinke an dieser Stelle: „Wenn ich mich nicht mit der gesamten Wertschöpfungskette beschäftige, also der Frage wie und wo das Material produziert wird, dann schieße ich massiv am Ziel vorbei.“

Und er sprach gerade die Zulieferer im Plenum an und ermutigte zur Zusammenarbeit und einem „Management entlang der Wertschöpfungskette“. Aus den teilweise nachteiligen Werten der Leichtbaumaterialien bei der Produktion zu folgern, dass man das Auto wieder rein aus Stahl fertige, sei allerdings auch nicht zielführend. Stattdessen sprach er sich für intelligenten Leichtbau aus, der mit Hilfe des Life Cycle Engineerings positiv zu beeinflussen ist. Dieses Engineering bedeute, „durch geeignete Maßnahmen Produkte zu einem ökologischen Fortschritt über den gesamten Lebenszyklus zu befähigen“, so Krinke.

CO2-Intensität der Nutzungsphase

Doch die ökologischen Mehrlasten in der Herstellung könnten sich armortisieren. Allerdings hänge diese Armortisierung von der CO2-Intensität der Nutzungsphase, also der Laufleistung, ab. Hier dürfte die Elektromobilität Vorteile gegenüber den Verbrennungsmotoren haben. Im Umkehrschluss bedeutet das laut Krinke aber auch: „Je geringer der CO2-Ausstoß in der Nutzungsphase eines Fahrzeugs ist, desto anspruchsvoller wird die ökologische Amortisation von CO2-herstellungsintensiven Leichtbaukonzepten.“

In seinem Fazit betonte Krinke nochmals, dass die Kooperation entlang der Wertschöpfungskette und die gemeinsame Entwicklung neuer umweltfreundlicher Technologien und Geschäftsmodelle zentral sei für den Erfolg des Life Cycle Engineering. Damit stellte er die Zusammenarbeit zwischen OEMs und Zulieferern in den Fokus.

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