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Donkervoort Donkervoort D8 GTO: Der fliegende Holländer

Autor / Redakteur: sp-x / Gerd Steiler

Sportwagen aus Holland haben Seltenheitswert. Ein spezieller Vertreter dieser raren Spezies ist der Donkervoort D8 GTO – sein Revier ist die Rennstrecke, die Gegner heißen McLaren, Ferrari und Bugatti.

Nach fünf Jahren Entwicklungszeit und vielen Monaten im Prototypenbau ist der neue D8 GTO fertig.
Nach fünf Jahren Entwicklungszeit und vielen Monaten im Prototypenbau ist der neue D8 GTO fertig.
(Foto: sp-x)

Autos aus Holland? Wenn man Lizenzproduktionen wie die von Mitsubishi mal außen vor lässt, muss man da schon ziemlich lange grübeln. Denn um Spyker ist es nach dem Desaster mit Saab in den letzten Jahren relativ ruhig geworden und die Erinnerungen an DAF sind mittlerweile schon verblasst. Doch es gibt einen, der die Fahne von Oranje weiter hoch hält – und damit sogar im Blickfeld der etablierten Supersportwagen wedelt: Joop Donkervoort. In Lelystad vor den Toren von Amsterdam baut er mit Frau, zwei Kindern und zwei Dutzend Mitarbeitern seit 35 Jahren Sportwagen, wie sie puristischer kaum sein könnten, und ist mit einer Produktion von 40 bis 60 Fahrzeugen im Jahr mittlerweile sogar der größte Autohersteller im Land.

In diesen Tagen herrscht in der Halle am Ortsrand der Kleinstadt wieder besonders viel Betrieb. Denn nach fünf Jahren Entwicklungszeit und vielen Monaten im Prototypenbau ist der neue D8 GTO fertig. Der sieht zwar auf den ersten Blick genauso aus wie alle anderen Autos von Donkervoort. Doch wer genau hinschaut, erkennt, dass Donkervoort rund um den neuen Motor auch ein komplett neues Auto gebaut hat. „Wenn schon, denn schon“, sagt der Firmenchef, der überhaupt nur deshalb mit der Arbeit angefangen hat, weil die neuen Schadstoffnormen drohten, seinem alten Vierzylinder den Garaus zu machen. „Und weil wir dafür ohnehin das Chassis anpassen mussten, haben wir das Auto halt gleich ein bisschen aufgeblasen, so dass man damit jetzt etwas komfortabler unterwegs ist.“

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Purer Purismus

Wobei das mit dem Komfort so eine Sache ist. Ja, jetzt passen auch Menschen in die Sardinenbüchse, die etwas größer sind als Jockeys, und die Sitze erinnern nicht mehr ganz so sehr an Schraubstöcke. Aber Platz ist Joop Donkervoort eigentlich genauso gleichgültig wie Protz und Prunk. Ihm geht es um maximalen Fahrspaß. Und weil es den nur bei minimalem Gewicht gibt, spart er nicht nur an der Karosserie, sondern auch an allen Extras.

Die kleinen Flügeltüren haben weder Griffe noch Schlösser, die Fenster sind Steckscheiben, die man am besten zu Hause lässt, ein Dach gibt es erst gar nicht und Finessen wie eine Klimaanlage, ein Radio oder wenigstens eine rudimentäre Sicherheitsausstattung sucht man vergebens: Airbags? Erhöhen nur das Gewicht! ABS und ESP? Verfälschen nur das Fahrgefühl! Bremskraftverstärker und Servolenkung? Braucht man nicht, dafür hat man ja seine Muskeln.

Weil Donkervoort beim neuen Modell zudem von Aluminium auf Karbon gewechselt hat, wiegt der D8 GTO trotz des größeren Motors und des gewachsenen Formats kaum mehr als sein Vorgänger. „Wir konnten die Gewichtszunahme auf 70 Kilo begrenzen“, sagt Donkervoort ein wenig zerknirscht, nur um gleich wieder zu strahlen, wenn er den Gesamtwert nennt: 695 Kilo – das wiegt beim Bugatti Veyron wahrscheinlich der Motor fast alleine.

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