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Dr. Schneider: Gute Zahlen und viele Projekte

| Autor: Svenja Gelowicz

Der oberfränkische Autozulieferer Dr. Schneider hat seine Geschäftszahlen für das letzte Jahr vorgestellt – und kann seinen Aufwärtstrend weiter fortsetzen. Doch: Das Projektgeschäft drückt das Wachstum.

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„Wir haben 127 neue Projekte im Serienanlauf“, unterstreicht Parag Shah, Vorsitzender der Geschäftsführung, beim Jahrespressegespräch.
„Wir haben 127 neue Projekte im Serienanlauf“, unterstreicht Parag Shah, Vorsitzender der Geschäftsführung, beim Jahrespressegespräch.
(Bild: Dr. Schneider)

Die diesjährige Präsentation der Geschäftszahlen startet beim familiengeführten Unternehmen Dr. Schneider anders als sonst: Bevor es an die Kennzahlen ging, durften sich die geladenen Pressevertreter im Rahmen einer „Innovations Show“ über neue Produkte des Zulieferers ein Bild machen – Haptiktest inklusive. Und die Verantwortlichen versprachen: Spätestens zur IZB im Oktober in Wolfsburg gibt es wieder neue Ansätze.

Weg vom Dr.-Schneider-Bauchladen hin zu den Fakten: Das Unternehmen, das letztes Jahr 90. Geburtstag feierte, konnte seine positive Geschäftsentwicklung fortsetzen. Der Zulieferer Schneider hat im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von 517 Millionen Euro erwirtschaftet. Im Jahr zuvor waren es noch rund 500 Millionen Euro.

Die Hälfte davon generierten die Oberfranken in Deutschland, weitere 34 Prozent in Europa sowie 16 Prozent in den USA und China. Aber: Trotz des Umsatzes fiel das Wachstum geringer aus als erwartet: „Grund war das anspruchsvolle Projektgeschäft“, sagt dazu Wilhelm Wirth, der in der Geschäftsführung die kaufmännischen Belange verantwortet.

Investitionen in das neue Tech-Center

In die Zukunft blickt die Unternehmensgruppe positiv. Für dieses Jahr plant Dr. Schneider Investitionen in Höhe von rund 57 Millionen Euro. Damit will das Unternehmen sein Tech-Knowhow weiter ausbauen. Unter anderem soll das Technologie- und Prozess-Center am Stammsitz im bayerischen Kronach fertiggestellt werden. Ebenfalls steckt der Automobilzulieferer Geld in die weltweiten Produktionswerke.

Zudem wird weiter in neue Technologien sowie den Maschinenpark investiert, denn in den sieben Produktionswerken weltweit gehen zahlreiche neue Projekte in Serie. „Wir haben 127 neue Projekte im Serienanlauf“, unterstreicht Parag Shah, Vorsitzender der Geschäftsführung. Dafür müsse das Unternehmen auch als Bank für den Kunden fungieren. Und: Dr. Schneider will die digitale Transformation vorantreiben und dafür unternehmensweit SAP S/4 HANA einführen.

Dr. Schneiders Blick nach vorne

Automobile Trends wie autonomes Fahren, E-Mobilität oder die zunehmende Individualisierung von Fahrzeugen sind für Dr. Schneider Entwicklungschancen. „Wir haben bis zu 20 Prozent mehr Fahrzeuge durch den Elektrohype auszustatten“, erklärt Shah. Denn die OEM-Kunden stellten ihr Produktportfolio in Richtung elektrischer Fahrzeuge um. Für 2018 rechnet der Zulieferer mit einem größeren Anstieg des Gesamtumsatzes.

Mit dem neuen Claim „Focus on Excellence“, der das bisherige „Excellence in Plastics“ ablöst, will der Zulieferer außerdem den Produktfokus stärker auf den Bereich Elektrik/Elektronik legen. Trotzdem spielen Kunststoffprodukte nach wie vor eine große Rolle. Das Geschäft mit den Belüftungssystemen, das derzeit 50 Prozent umfasst, werde langfristig einen geringeren Anteil einnehmen. Doch dafür wird das Geschäft mit Dekore, Blenden und Verkleidungen zulegen, sagt Shah.

Weltweite Märkte von Dr. Schneider

Auch das Thema Handelsstreitigkeiten zwischen den USA auf der einen und Asien und Europa auf der anderen Seite diskutierten die Geschäftsführer: „Wir haben in Kentucky einen Standort, mit dem wir alle Automotive-Kunden in den USA zu 90 Prozent beliefern“, so Wirth. Dr. Schneider fertigt die Produkte dort vor Ort, muss also nicht mit Strafzöllen rechnen. Trotzdem beobachtet man die Entwicklungen mit Vorsicht und Unverständnis. Dr. Schneider beschäftigt aktuell über 4.000 Mitarbeiter weltweit; rund die Hälfte davon in Deutschland.

Aber man hoffe auch auf neue OEM-Kunden. „Wir wollen mit den Koreanern ins Geschäft kommen. Aber auch mit den starken chinesischen OEMs Great Wall und der Volvo-Tochter Geely sind wir in guten Gesprächen“, sagt Shah. Zumal Volvo schon zu den Kunden von Dr. Schneider zählt.

Doch trotz aller Chancen haben die bereits angelaufenen Projekte für Shah Priorität: „Wir müssen aufpassen, das wir uns nicht verzetteln.“

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 Svenja Gelowicz

Svenja Gelowicz

Autojournalistin