Geschäftszahlen 2020 Dr. Schneider: „Mit einem blauen Auge davongekommen“

Autor: Claus-Peter Köth

Trotz Verlust ist Dr. Schneider besser durch die Krise gekommen als erwartet. Mit neuen Kompetenzfeldern will der Interieur-Spezialist spätestens 2023 wieder das Vorkrisenniveau erreichen.

Firma zum Thema

Auch die Dr. Schneider Unternehmensgruppe musste im Geschäftsjahr 2020 der Corona-Pandemie Tribut zollen. Der Ausblick ist verhalten positiv.
Auch die Dr. Schneider Unternehmensgruppe musste im Geschäftsjahr 2020 der Corona-Pandemie Tribut zollen. Der Ausblick ist verhalten positiv.
(Bild: Dr. Schneider)

Auch die Dr. Schneider Unternehmensgruppe musste im Geschäftsjahr 2020 der Corona-Pandemie Tribut zollen. Die Gesamtleistung ging im Vergleich zum Vorjahr um 80 Millionen Euro (etwa 15 Prozent) auf knapp 440 Millionen Euro zurück. Das Ergebnis ist negativ, wenngleich sich die Einbußen letztlich geringer erwiesen als ursprünglich – zu Beginn der Pandemie – noch prognostiziert. „Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen“, sagte Thomas Stadelmann, Vorsitzender der Geschäftsführung. Genaue Zahlen wollte er nicht nennen.

Allerdings betonte er: „Wir verfügen nach wie vor über eine solide Ausstattung an Eigenmitteln, so dass wir in diesem schwierigen Marktumfeld Investitionen in Höhe von 30 Millionen Euro tätigen konnten.“ Schwerpunkte der Investitionen stellten Betriebsmittel für bevorstehende Serienanläufe, Vorhaben im Geschäftsbereich IT/Digitalisierung, etwa das Projekt SAP S/4 Hana, sowie die Lackieranlage im Werk Kronach-Neuses dar.

Positiv ausgewirkt habe sich laut Stadelmann der Zukauf der Elektronikfertigung des TV-Herstellers Loewe Technology im benachbarten Kronach im Jahr 2019. Der neue Bereich firmiert unter dem Namen Dr. Schneider EMS GmbH. Dadurch könne der Interieur-Spezialist seinen Kunden nunmehr eine höhere Fertigungstiefe anbieten.

Neue Produkte in der Pipeline

„Die Transformation der Branche in Richtung Elektromobilität hat sich deutlich beschleunigt“, ergänzte Geschäftsführer Parag Shah. Das parallele Entwickeln der Produkte für Fahrzeuge mit Verbrennungs- und Elektromotor fordere doppelte Entwicklungskapazitäten, jedoch bei einem nahezu gleichbleibenden Umsatz. „Wenn wir am Markt langfristig überleben wollen, ist es enorm wichtig, Kompetenzen zu bündeln und Synergieeffekte zu nutzen. Um unseren Ansprüchen gerecht zu werden, müssen wir nicht nur unsere eigene Innovationskraft ausbauen, sondern auch neue Kompetenzfelder generieren.“ Konkret nannte Shah Innovationen in den Feldern „Smart Surfaces“ und „Smart Lighting“ sowie multifunktionale Konsolenkonzepte in Verbindung mit Leichtbau sowie die Luftreinigungssysteme „Aelus“ und „PureVent“.

Letzteres überwache die Luftgüte, zeige die Luftqualität optisch an und reinige die Luft im Fahrzeuginnenraum. Flüchtige organische Verbindungen (VOCs) wie Kohlenwasserstoffe, aber auch Pollen, Allergene, Viren, Bakterien oder Geruchsstoffe könnten damit zum Großteil aus der Luft gefiltert und unter anderem durch UV-Strahlung unschädlich gemacht werden. Das Resultat sei saubere Luft, die dank ihrer Reinheit und Güte maßgeblich zum Wohlbefinden der Fahrzeuginsassen beitrage. Ein vielversprechender Anwendungsfall für Shared Mobility, da vor allem dort Passagiere oder die Fahrer häufig wechselten.

Ausblick: Verhalten positiv

Ins laufende Jahr sei Dr. Schneider gut gestartet, wenngleich man laut Stadelmann erst wieder in den Jahren 2022/23 das Vorkrisenniveau erreichen werde. Große Sorgen bereite aktuell der Halbleitermangel und damit verbunden stillstehende Bänder einiger Kunden. „Insgesamt gehen wir im Planungszeitraum bis 2024 davon aus, dass sich Ergebnis und Eigenkapital unserer Unternehmensgruppe positiv entwickeln werden.“ Dieses Ziel gelte es, primär durch strategische Initiativen, die eine Anpassung an die neuen Marktgegebenheiten erwirken, zu erreichen.

Darüber hinaus will die Unternehmensgruppe perspektivisch ihre hohe Abhängigkeit vom Standort Europa reduzieren – wo aktuell etwa 82 Prozent der Umsätze generiert werden. Schwerpunkte künftiger Investitionen im Planungszeitraum sind: Betriebsmittel für neue Projekte, die in den Produktionswerken weltweit in Serie gehen, der Produktionsausbau an den deutschen Standorten, in Nordamerika, Polen und China, der Einsatz neuer, hochautomatisierter Produktionsanlagen am Standort Deutschland sowie ein neues Lackierzentrum in Polen. Dazu stünden jährlich etwa 30 Millionen Euro zur Verfügung.

(ID:47425127)

Über den Autor

 Claus-Peter Köth

Claus-Peter Köth

Chefredakteur Automobil Industrie & Next Mobility