Elektrische Nutzfahrzeuge E-Actros: So laufen die praktischen Tests

Autor: Thomas Günnel

Daimler Truck testet den elektrisch angetriebenen Lkw für den schweren Verteilverkehr unter anderem mit Logistikpartnern. Wie sieht das konkret aus?

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Der E-Actros im Praxistest bei einem Logistikpartner von Mercedes-Benz.
Der E-Actros im Praxistest bei einem Logistikpartner von Mercedes-Benz.
(Bild: Daimler Truck)

Im zweiten Halbjahr soll es soweit sein: Dann soll der E-Actros auf den Markt kommen, ein 25-Tonner für den schweren Verteilverkehr. Derzeit fahren Testkunden mit dem Prototypen. Dessen Reichweite beträgt „gut 200 Kilometer“.

Einer der Tester ist „Logistik Schmitt“ im Nordschwarzwald. Das Unternehmen ist mit dem E-Actros seit Mitte 2019 bislang rund 50.000 Kilometer gefahren. Insgesamt habe der elektrische Lkw dabei 5.000 Touren mit insgesamt über 100.000 Ladungsträgern absolviert; und rund 30.000 Tonnen Fracht transportiert.

Die Serienversion soll mit einer Batterieladung aber eine „deutlich größere“ Reichweite als 200 Kilometer haben, teilte das Unternehmen am Mittwoch (24. März) der Nachrichtenagentur dpa mit.

Welche Routen fährt der Prototyp?

Seit 2019 fährt der E-Actros zwischen dem Standort der Firma Schmitt in Ötigheim und dem Werkteil Rastatt; seit Januar zudem über die B462 zum Werk Gaggenau. Täglich sind das jeweils sechs Touren à 14 km nach Rastatt und sechs Touren à 28 km nach Gaggenau. Mit Fahrten auf den Betriebsgeländen kommen so bis zu 300 Kilometer pro Tag zustande.

Zum Laden nutzen die Fahrer eine mobile Ladestation auf dem Gelände des Logistikpartners. Hier lädt der Akku zwischen den Touren beim Be- und Entladen.

Auf den Fahrten nach Rastatt transportiert der Lkw Getriebegehäuse, nach Gaggenau befördert er Achskomponenten. Ab Sommer 2021 soll der weiterentwickelte, seriennahe E-Actros – mit höherer Reichweite – das aktuelle Fahrzeug ersetzen.

Modell für Fernverkehr soll folgen

Produzieren will Daimler Truck den Lkw im Werk im rheinland-pfälzischen Wörth am Rhein. Neben dem E-Actros soll 2024 ein elektrisch angetriebener Lkw für die Langstrecke auf den Markt kommen, der E-Actros „Long Haul“. Dessen Reichweite soll bei rund 500 Kilometern liegen.

Parallel entwickelt Daimler gemeinsam mit Volvo Brennstoffzellen-Antriebe für Lastwagen. Erste Serienmodelle soll es in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts geben. Eigene Oberleitungs-Lkw will Daimler Truck nicht herstellen. Sich damit vergleichen aber schon.

Antriebskonzepte praktisch vergleichen

Im Rahmen des Projekts „E Way BW“ soll der Warentransport auf der B462 bei Rastatt für den Betrieb von Oberleitungs-Lkw testweise elektrifiziert werden. Dann soll verglichen werden: batterieelektrischer E-Actros, Oberleitungs-Lkw und Brennstoffzellen-Lkw anderer Fahrzeughersteller.

Wozu? Um mit Fahrten auf ähnlichen Strecken Daten und Erkenntnisse für den Vergleich der jeweiligen Fahrzeugkonzepte zu sammeln, zum Beispiel zu deren Einsatzeignung.

Zusätzlich zu diesen „Parallelfahrten“ soll es einen Direktvergleich mit den anderen Lkw geben. Dabei fährt der E-Actros für einen definierten Zeitraum die exakte Oberleitungs-Strecke im identischen Einsatz der Oberleitungs-Lkw. So wollen die Projektpartner die Parallelfahrten validieren. Beim Direktvergleich transportiert der E-Actros – genau wie die Lkw von E Way BW – Papierrollen auf den circa 18 Kilometern von den Papiermühlen in Gernsbach-Obertsrot zum Logistik-Standort der Firma Fahrner in Kuppenheim.

Was ist „E Way BW“?

E Way BW ist ein Pilotprojekt zu elektrisch betriebenen Hybrid-Oberleitungs-Lkw. Dazu elektrifizieren die Projektpartner auf einer 18 Kilometer lange Strecke der B462 bei Rastatt zwei Abschnitte mit einer Länge von insgesamt rund vier Kilometern.
Lkws mit Oberleitungstechnik können so Fahrstrom beziehen und parallel einen Akku laden. Mit dem gespeicherten Strom können sie dann abseits der Oberleitung weiterfahren.

Alle Informationen zum Projekt E Way BW

Mit Material von dpa

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Über den Autor

 Thomas Günnel

Thomas Günnel

Redakteur/Fachjournalist, Redaktion AUTOMOBIL INDUSTRIE