Nutzfahrzeuge Daimler Truck und Volvo gründen Joint Venture für Brennstoffzellen

Autor: Thomas Günnel

Brennstoffzellen sind vor allem in Nutzfahrzeugen eine vielversprechende alternative Antriebsform. Zwei der größten Nutzfahrzeughersteller entwickeln die Systeme jetzt in einem gemeinsamen Unternehmen.

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Die Montage einer Brennstoffzellen-Antriebseinheit. Die Systeme sind vor allem in Nutzfahrzeugen eine gute Alternative zu batterieelektrischen Antrieben.
Die Montage einer Brennstoffzellen-Antriebseinheit. Die Systeme sind vor allem in Nutzfahrzeugen eine gute Alternative zu batterieelektrischen Antrieben.
(Bild: Daimler)

Die Nutzfahrzeugsparten von Daimler und Volvo haben am 1. März ihr vor rund einem Jahr angekündigtes Brennstoffzellen-Joint-Venture gegründet. In „Cellcentric“ wollen Daimler Truck und die Volvo Group gemeinsam serienreife Brennstoffzellensysteme für den Einsatz in schweren Trucks entwickeln und produzieren. In der zweiten Hälfte des Jahrzehnts sollen diese für den Einsatz im Fernverkehr serienreif sein. Erste Erprobungen mit Kunden sollen bereits in etwa drei Jahren stattfinden.

„Für den Lkw-Einsatz im schweren Fernverkehr sind Brennstoffzellen eine entscheidende Lösung“, sagt Martin Daum, Daimler-Trucks-Chef. „Die Partnerschaft mit Volvo ist ein Meilenstein, um brennstoffzellenbetriebene Lkw und Busse nun auf unsere Straßen zu bringen.“ Die Systeme aus dem gemeinsamen unternehmen sollen auch für andere Anwendungen verfügbar sein.

Daimler und Volvo wollen über 200 Millionen Euro investieren

Volvo hat wie vereinbart die Hälfte des bestehenden Unternehmens Daimler Truck Fuel Cell für rund 600 Millionen Euro erworben. Daimler Trucks hatte hier zuvor alle konzernweiten Brennstoffzellen-Aktivitäten zusammengeführt, auch die von Mercedes-Benz Fuel Cell. Das Unternehmen entwickelt seit vielen Jahren Brennstoffzellen- und Wasserstoffspeichersystemen für Fahrzeuge.

Cellcentric umfasst Standorte in Nabern/Deutschland, dem derzeitigen Hauptsitz von Mercedes-Benz Fuel Cell, und weitere Produktionsstätten in Deutschland und Kanada. Laut Daum wollen beide Partner mindestens jeweils neunstellige Beträge in die Technik investieren, also über 100 Millionen Euro. Das Joint Venture soll nichts Geringeres werden, als „ein weltweit führender Hersteller von Brennstoffzellen“.

Brennstoffzelle: Die Infrastruktur ist entscheidend

Die Unternehmen wollen mit der Zusammenarbeit vor allem die Entwicklungskosten senken und die Brennstoffzellen-Systeme für den schweren Transport und Langstreckeneinsätze schneller auf den Markt bringen. Ganz überraschend ist die Zusammenarbeit von Daimler und Volvo nicht: Großaktionär beider Unternehmen ist der der Milliardär Li Shufu, Gründer des chinesischen Autokonzerns Geely. „Mit der Gründung dieses Joint Ventures zeigen wir deutlich, dass wir an die mit Wasserstoff angetriebene Brennstoffzelle für Nutzfahrzeuge glauben. Damit diese Vision jedoch Wirklichkeit werden kann, müssen auch andere Unternehmen und Institutionen diese Entwicklung unterstützen, nicht zuletzt, um die erforderliche Kraftstoffinfrastruktur aufzubauen“, sagt Martin Lundstedt, Vorstand der Volvo Group.

Kooperationen zur Brennstoffzellentechnik

Auch andere Hersteller entwickeln Brennstoffzellen für Nutzfahrzeuge. Toyota und der amerikanische Truck-Hersteller Kenworth zum Beispiel haben bereits im Frühjahr 2017 einen schweren Lkw mit Brennstoffzellenantrieb vorgestellt, der in den USA im kommerziellen Einsatz ist. Hyundai liefert Lkw mit Brennstoffzellenantrieb seit diesem Jahr in der Schweiz aus, schon im Jahr 2025 sollen es rund 1.600 Stück sein.

Hintergrund ist, dass die EU die CO2-Grenzwerte über die kommenden Jahre auch bei Lastkraftwagen deutlich verschärft hat. Schwere Lkw müssen die klimaschädlichen Abgase bis zum Jahr 2025 um 15 Prozent gegenüber 2019/20 und bis 2030 um 30 Prozent reduzieren. Außerdem entstehen häufiger Kooperationen auch zwischen Automobilzulieferern zu Brennstoffzellen.

Mit Material von dpa

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Redakteur/Fachjournalist, Redaktion AUTOMOBIL INDUSTRIE