Der europäische Neuwagenmarkt stagniert, nach vier Monaten sind die Verkaufszahlen leicht im Minus – elektrifizierte Modelle steigen jedoch steil in der Käufergunst. Vorreiter Tesla lahmt dennoch und wird von BYD überholt.
Der Anteil von E-Autos an den Neuwagen steigt gesamteuropäisch betrachtet deutlich an.
(Bild: Grimm – VCG)
Der europäische Automarkt tritt in diesem Jahr weiterhin auf der Stelle. Nach vier Monaten wurden 4,46 Millionen Neuwagen zugelassen – ein Rückgang um 0,4 Prozent. Im April lag das Minus bei 0,3 Prozent auf 1,08 Millionen Einheiten. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach elektrifizierten Modellen jenseits von Tesla-Fahrzeugen signifikant. In den ersten vier Monaten entfielen 17,0 Prozent der Neuzulassungen in Europa auf reine Batterieautos, ein Jahr zuvor waren es nur 13,2 Prozent gewesen. 758.000 neue BEV bedeuten ein Plus von 27,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Positiv ist die Entwicklung auch bei Plug-in-Hybriden (PHEV) und Mildhybriden (HEV). Der Absatz der PHEV legte in den 32 betrachteten europäischen Ländern um 11,2 Prozent auf 365.000 Neuwagen zu. Bei den HEV ging es um 19,7 Prozent auf 1,59 Millionen Einheiten in den ersten vier Monaten nach oben. Benziner (-21,5 %) und Diesel-Fahrzeuge (-25,8 %) fielen dagegen deutlich zurück.
Tesla kann den Aufschwung am europäischen Elektroautomarkt weiter gar nicht für sich nutzen. Im April musste die Firma des umstrittenen Firmenchefs Elon Musk einen weiteren Rückschlag hinnehmen. Erneut stürzten die Neuzulassungen in den Ländern der EU, der Efta und in Großbritannien, im Berichtsmonat um rund die Hälfte ab (7.261 Einheiten; -49 %), wie aus Daten des europäischen Herstellerverbands Acea hervorgeht.
Nach den ersten vier Monaten des Jahres muss Tesla gesamteuropäisch ein Minus von 38,8 Prozent auf nur noch 61.320 Neuwagen verkraften. Nur in den EU-Märkten war der Absturz noch härter: Hier steht ein Minus von 46,1 Prozent.
VW verdoppelt E-Auto-Auslieferungen
Tesla kommt damit zusehends unter Druck in einem Markt, für den der umstrittene Unternehmer Musk mit der sogenannten Gigafabrik in Grünheide vor den Toren Berlins seine Zelte aufschlug und dafür Milliarden investierte. Nicht nur kommt Volkswagen mit seinen Elektroautos mittlerweile auf Touren und fährt Tesla meilenweit voraus – der Wolfsburger Konzern konnte die Auslieferungen reiner Elektrofahrzeuge in Europa im ersten Quartal mehr als verdoppeln.
Auch der chinesische Elektro-Weltmarktführer BYD sitzt Musk im Nacken – mehr noch: Er hat ihn in Europa bei reinen Elektroantrieben (BEV) nun überholt. Nach Daten der Marktforscher von Jato Dynamics war es im April erstmals so weit.
BYD zieht an Tesla vorbei
In den Zahlen von Jato – die allerdings nur die Zahlen der EU und Großbritannien betrachten, nicht die Efta-Länder Norwegen, Island und Schweiz – landete BYD im April mit 7.231 Autos hauchdünn vor Tesla mit 7.165 Autos. Jato-Analyst Felipe Munoz sprach trotz des geringen Vorsprungs von einem „Wendepunkt“ für den europäischen Automarkt, vor allem weil Tesla den Markt seit Jahren anführe und BYD erst vor zwei Jahren flächendeckend gestartet ist.
Im Jato-Ranking liegt Tesla (7.165 Neuzulassungen) nur noch auf Platz elf der E-Auto-Produzenten, BYD kommt auf Platz 10 (7.231 Einheiten). Marktführer war im April VW mit 23.514 Neuzulassungen vor BMW (14.867 Einheiten) und Skoda (13.598 Einheiten). Meistverkauftes E-Auto im April war der Skoda Elroq mit 7.998 Einheiten, gefolgt von den VW-Modellen ID.3 (6.932), ID.7 (6.776) und ID.4 (6.297).
BYD greift derzeit stark auf Eigenzulassungen der Händler und Verkäufe an Autovermieter zurück, wie Daten des Kraftfahrtbundesamts für Deutschland zeigen, den größten Automarkt in der EU. In den ersten vier Monaten gingen hierzulande von 2.791 neu zugelassenen BYD-Modellen nur knapp zwölf Prozent an private Halterinnen und Halter.
Zwar macht der Absatz an Firmen in Deutschland generell den Löwenanteil der Zulassungen auch bei anderen Autobauern aus. Allerdings ist der Anteil von Privatkäufern bei BYD sehr niedrig: Mercedes etwa kommt auf fast 37 Prozent, die Marke VW Pkw auf rund 26 Prozent.
BYD, Nio und Xpeng in Deutschland wenig gefragt
Generell liegt BYD in Deutschland mit seinen Verkäufen bislang auf einem niedrigen Niveau. Das geht auch anderen Anbietern wie Nio und Xpeng nicht anders. Wie Branchenanalyst Matthias Schmidt von Schmidt Automotive Research erklärt, haben es die chinesischen Hersteller insgesamt aber zunächst vor allem auf Großbritannien, Spanien und Italien abgesehen – und fahren mit dieser Strategie auch gut.
In Großbritannien gilt es wegen der nicht so großen heimischen Konkurrenz als einfacher für Newcomer, einen Platz im Markt zu finden. Das zeigt sich auch in historischen Daten des Marktes, sagt Experte Schmidt. Und in Spanien und Italien fänden günstige Autos ohnehin mehr Anklang bei den dort preisbewussten Käufern, erläutert der Fachmann. In Westeuropa sei im ersten Quartal fast jedes 20. neue Auto ein chinesisches gewesen, analysiert er. Das ist ein fast doppelt so hoher Marktanteil wie vor zwei Jahren.
Stand: 08.12.2025
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EU-Zölle bremsen Anbieter aus China
Die Zölle aus Brüssel gegen importierte Elektroautos aus der Volksrepublik sind den Anbietern aus Fernost dabei allerdings in die Parade gefahren. Die EU-Kommission wähnte unlauteren Billigwettbewerb durch Subventionen aus Peking und erhob vergangenes Jahr Strafzölle, die je nach Hersteller variieren. Die Chinesen machen eine Tugend daraus: Zwei von drei Autos chinesischer Hersteller haben laut Schmidt mittlerweile mindestens einen Plug-in-Antrieb, enthalten also einen Verbrennungsmotor. Somit fallen sie nicht unter die erhöhten Zölle.
Aber auch bei den Vollstromern wollen die Asiaten vorankommen. BYD stellte vergangene Woche seinen Elektrokleinwagen Dolphin Surf vor – ein Auto zum Einführungspreis von 19.990 Euro. Lange schon fordern etwa Politiker und nicht zuletzt die Käufer günstigere Elektroautos, damit sich die Elektromobilität auch bei den Normalverbrauchern ausbreitet. Das von VW angekündigte günstige Kleinwagenpendant „ID.Every1“ in dieser Preisklasse dürfte aber erst 2027 auf den Markt kommen.