Elektromobilität

Eine Million E-Autos bis 2020: Regierung hält doch daran fest

| Redakteur: Sven Prawitz

Hält die Bundeskanzlerin an ihrem Vorhaben fest, bis 2020 eine Million E-Autos auf die Straßen zu bringen?
Hält die Bundeskanzlerin an ihrem Vorhaben fest, bis 2020 eine Million E-Autos auf die Straßen zu bringen? (Bild: Kia)

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte das Ziel, bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen zu haben, längst einkassiert. Nun ruderte die Bundesregierung überraschend zurück und bestätigte stattdessen das Vorhaben.

Die Bundesregierung hält überraschend an ihrem einst ausgegebenen Ziel fest, dass bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos in Deutschland unterwegs sein sollen. Ein Experte hält das für unrealistisch. Auf eine Anfrage des Grünen-Politikers Oliver Krischer, ob jenes Vorhaben weiter Bestand habe, antwortete die Regierung schriftlich: „Es ist nach wie vor das Ziel der Bundesregierung, zügig möglichst viele Elektroautos auf die Straße zu bringen. Vor diesem Hintergrund ist das 2020-Ziel als politische Richtgröße nach wie vor gültig.“

Diese Aussage ist durchaus verwunderlich, hatten in der Vergangenheit doch bereits mehrere Spitzenpolitiker vermutet, dass jene Ansage nicht einzuhalten sei. Beispielsweise hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel im Mai 2017 gesagt: „So, wie es im Moment aussieht, werden wir dieses Ziel nicht erreichen.“

Keine 100.000 elektrifizierte Pkw in Deutschland

Auch in der Zwischenzeit hat kein derartiger Boom eingesetzt, der die Millionenmarke in Reichweite bringt. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hatte zum 1. Januar 2018 mit 53.861 reinen E-Autos und 44.419 Plug-in-Hybriden weniger als 100.000 elektrifizierte Fahrzeuge in Deutschland registriert.

Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management (CAM), zeigte sich auf Anfrage von unserem Schwestermagazin »kfz-betrieb« ebenfalls skeptisch. „Ich halte es für unrealistisch, dass bis 2020 eine Million Elektroautos in Deutschland unterwegs sind“, so Bratzel. Generell halte er von derartigen Zahlenspielen wenig, wichtiger sei es, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen.

„Regierung und Hersteller haben bereits einige wichtige Fortschritte gemacht. Aber es gibt nach wie vor Hausaufgaben zu erledigen“, sagte Bratzel. Dabei denkt er beispielsweise an die Infrastruktur: „Wir brauchen vor allem Lademöglichkeiten. Auch in Firmen, Mietgebäuden und Parkhäusern. Dort besteht noch viel Nachholbedarf.“ Auch die viel kritisierte Aussage von Bald-Ex-VW-Chef Matthias Müller, die staatliche Diesel-Förderung besser in Richtung Elektromobilität umzuschichten, hält Bratzel für durchaus sinnvoll.

Weitere Maßnahmen bislang nur skizziert

Wie die Bundesregierung das Wachstum von E-Autos hierzulande derart beschleunigen will, dass das Ziel erreichbar erscheint, wird aus ihrem Schreiben nur schleierhaft klar. Zwar verweist sie unter anderem auf die E-Auto-Prämie – offizielle Zahlen des Bundesamts für Ausfuhrkontrolle zeigen aber, dass jenes Förderprogramm nur schwer angenommen wird. Bis Ende März waren 57.549 Anträge eingegangen, der Fördertopf damit lediglich zu 17 Prozent ausgeschöpft.

Außerdem gibt die Regierung an, die Ladeinfrastruktur auszubauen, steuerliche Anreize zu schaffen und den Anteil von Elektrofahrzeugen in öffentlichen Flotten kontinuierlich erhöhen zu wollen. Weitere Maßnahmen seien im neuen Koalitionsvertrag vereinbart, unter anderem will sich die Regierung um mehr Ladepunkte für Mieter und Wohnungseigentümer kümmern, die pauschale Dienstwagenbesteuerung für Elektroautos reduzieren und die Kaufprämie für Elektrotaxis erhöhen.

Lieferengpässe bei VW

Erschweren dürfte das Vorhaben jedoch auch die Tatsache, dass zahlreiche Hersteller erst nach und nach ein adäquates Angebot an Elektroautos schaffen. Außerdem zeichnen sich bereits jetzt Lieferengpässe ab: Trotz der überschaubaren Volumenzahlen müssen Interessenten eines VW E-Golf derzeit beispielsweise damit rechnen, rund ein Jahr auf ihr Auto warten zu müssen.

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