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Serie: Kreativ in der Krise Elring-Klinger-Chef Stefan Wolf: „Vermehrt auf Lieferanten aus Deutschland oder Europa setzen“

| Redakteur: Christian Otto

Stefan Wolf, Vorstandsvorsitzender von Elring Klinger, spricht sich im vierten Teil unserer Serie für staatliche Konjunkturmaßnahmen in Richtung der Automobilindustrie aus, sieht aber auch die Branche in der Pflicht, die Beschaffungsstrategien nach der Krise zu prüfen.

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Elring-Klinger-Chef Stefan Wolf erachtet Kaufanreize als probates Mittel, um der Branche zu helfen.
Elring-Klinger-Chef Stefan Wolf erachtet Kaufanreize als probates Mittel, um der Branche zu helfen.
(Bild: Elring Klinger)

Herr Wolf, in dieser Woche gibt es erste politische Entscheidungen zu einem langsamen Exit aus dem Corona-Lockdown. Wie planen Sie den Hochlauf Ihrer Produktion? Welche Szenarien haben Sie durchgespielt?

Ich rechne damit, dass die Autoproduktion im Mai allmählich wieder richtig hochgefahren wird. Das wird natürlich eine große Herausforderung, so ein umfassendes System wieder in Gang zu bringen. Eine funktionierende Lieferkette ist dabei das wichtigste Element. Wir bei Elring Klinger sind in engem Austausch mit unseren Kunden und haben bereits vorbereitende Maßnahmen getroffen, um unsere Produktion vorgeschaltet dem Bedarf der Kunden hochfahren zu können.

Wird die Coronakrise den Technologiewandel in Richtung Elektromobilität beschleunigen, wenn etwa eine Ökoprämie als Konjunkturmaßnahme verabschiedet wird?

Als konjunkturbelebende Maßnahme braucht es von staatlicher Seite Stimulation und Anreize für die Menschen, damit sie nach der Isolation in die Autohäuser gehen und Fahrzeuge kaufen. Wenn es dann ein Auto mit alternativem Antrieb ist, umso besser. Um den Absatz wieder anzukurbeln, sollten wir auch über Kaufanreize ähnlich wie damals die Abwrackprämie nachdenken.

Man muss nicht für jeden Termin ständig um die Welt fliegen.

Die Corona-Pandemie zeigte die Anfälligkeit der Lieferketten. Braucht es hier in der Automobilindustrie eine Anpassung – und wenn ja, wie könnte diese aussehen?

Die Coronakrise hat gezeigt, dass die Lieferketten in der Automobilindustrie stark von Asien abhängig sind. Hier müssen die Beschaffungsstrategien in unserer Branche nach der Krise überdacht werden. Es kann zukünftig nicht mehr nur darum gehen, möglichst günstig in Ländern wie China einzukaufen. Wir sollten uns etwas mehr auf Werte zurückbesinnen und die Lieferketten dahingehend ausgestalten.

Planen Sie selbst, künftig stärker regional agierende Lieferanten zu beauftragen?

Die Lieferketten stärker lokal auszurichten und vermehrt auf solide Lieferanten in Deutschland oder Europa zu setzen, wäre aus meiner Sicht der richtige Weg, um aus der einseitigen Abhängigkeit von einzelnen Regionen herauszukommen. Wir bei Elring Klinger beziehen, wo möglich, unsere Materialien seit jeher von mehreren Lieferanten, um das Risiko von Produktionsunterbrechungen bei Störungen in der Lieferkette so gering wie möglich zu halten.

Wird der digitale Arbeitsplatz in der Nach-Corona-Ära physische Kontakte und Dienstreisen mehr als bisher ersetzen?

Ich persönlich bin in jüngster Zeit wenig gereist und habe stattdessen vermehrt Telefon- und Videokonferenzen von zuhause durchgeführt. Das hat besser funktioniert, als man es sich vorher vielleicht gedacht hätte. Das ist eine Lehre aus der Coronakrise: Man muss nicht für jeden Termin ständig um die Welt fliegen. Und besser für das Klima ist es allemal. Das sollten wir auch in Zukunft beibehalten.

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