Bilanz 2020 Elring Klinger: Weniger Umsatz aber optimistischer Ausblick

Autor: Hartmut Hammer

Coronabedingt verzeichnete Elring Klinger 2020 ein Siebtel weniger Umsatz, aber eine stabile Finanzsituation. Ab 2021 will das Unternehmen wieder überdurchschnittlich wachsen.

Stefan Wolf ist Vorstandsvorsitzender von Elring Klinger.
Stefan Wolf ist Vorstandsvorsitzender von Elring Klinger.
(Bild: Elring Klinger)

Leicht bessere Umsatzzahlen als die Branche hat Elring Klinger nach Angaben seines Vorstandsvorsitzenden Stefan Wolf im Vorjahr verzeichnet. Während die globalen Automobilproduktion um 16,2 Prozent einbrach, ging der Umsatz des Konzerns um 247 Millionen Euro (oder 14,3 Prozent) auf 1,48 Milliarden Euro zurück. Bereinigt um Währungs- und Akquisitionseffekte betrug der Umsatzrückgang 11,7 Prozent.

Regional gab es allerdings Unterschiede. Während der Umsatzrückgang in Asien wegen der raschen Erholung in China „nur“ 9,7 Prozent betrug, waren es in Euro 11,7 und in Nordamerika 14,6 Prozent. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) blieb im Geschäftsjahr 2020 mit 27,7 Millionen Euro und einer Marge von 1,9 Prozent deutlich unter dem Vorjahresniveau von 61,2 Millionen Euro beziehungsweise 3,5 Prozent.

Den Free Cashflow konnte Elring Klinger im Jahr 2020 mit 164,7 Millionen Euro fast halten (2019: 175,8 Millionen Euro), ebenso wie seine Eigenkapitalquote von 41,4 Prozent. Allerdings wird den Aktionären für 2020 keine Dividende gezahlt. Die Mitarbeiterzahl ging von 10.393 auf 9724 zurück.

Wachstum bei alternativen Antrieben

Den positiven Ausblick auf 2021 führt Stefan Wolf nicht zuletzt auf zwei Entscheidungen im Brennstoffzellengeschäft zurück: eine Partnerschaft mit Airbus und ein Joint Venture mit Plastic Omnium. In beiden Kooperationen geht es um die selbst entwickelten Stacks, die nach Angaben des Zulieferers eine im Wettbewerb sehr hohe Leistungsdichte haben.

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Gemeinsam mit Airbus will Elring Klinger Brennstoffzellenstacks für eine emissionsfreie Luftfahrt entwickeln. Das Ziel des Joint Ventures EKPO Fuel Cell Technologies ist die Entwicklung, Produktion und Vermarktung von Brennstoffzellensystemen für Automobile.

Hier sehen die Partner schon sehr kurzfristig gute Marktchancen bei Lkw, Bussen und Taxis, sukzessive dann bei größeren Pkw, Schienenfahrzeugen und Gabelstaplern. Etwa 2026 oder 2027 sieht Stefan Wolf durch Skaleneffekte den Preis eines Brennstoffzellenantriebs auf ähnlichem Niveau wie bei einem kompletten verbrennungsmotorischen Antriebsstrang inklusive Abgasanlage.

Großauftrag für Zellkontaktiersysteme

Bei der Batterietechnik hat Elring Klinger im Frühjahr 2021 einen Großauftrag in mittlerer dreistelliger Millionen-Euro-Höhe für Zellkontaktiersysteme abgeschlossen. Sie sollen noch in diesem Jahr bei einem in Deutschland produzierenden Batteriehersteller – vielleicht CATL? – zum Einsatz kommen. Weitere Marktchancen sieht Wolf bei elektrischen Antriebssträngen. 2021 nimmt Elring Klinger eine Produktionsstätte in Großbritannien in Betrieb, die eine englische Nobelmarke mit kompletten elektrischen Antriebssträngen beliefern wird.

Weiteres Ertragspotenzial sieht das Unternehmen bei klassischen Geschäftsbereichen wie dem Strukturleichtbau; und im Dichtungsgeschäft: Dort erwartet Wolf, dass immer mehr Wettbewerber aus dem kontinuierlich leicht nachlassenden Markt ausscheiden, weil sie weitere Investitionen scheuen. Elring Klinger will hier mit maßvollen Investitionen technisch an der Spitze bleiben und perspektivisch als „last man standing“ im Kundengeschäft ordentliche Margen generieren.

Wertanteil pro Komponente/System steigt

Die Transformation weg von Standardprodukten hin zu hochwertigen Systemen wird den Wertanteil von Elring-Klinger-Produkten je Fahrzeug ansteigen lassen. Während eine Zylinderkopfdichtung einen Wert von drei bis sieben Euro hat, sind es bei Zellkontaktiersystemen 100 bis 250 Euro, bei einer Bipolarplatte 350 bis 500 Euro, einem kompletten Brennstoffzellenstack 2.000 bis 10.000 Euro und bei einer elektrischen Antriebseinheit 1.000 bis 3.000 Euro.

Stefan Wolf beschrieb, dass bei den Neuaufträgen seit 2019 der Umsatzanteil von alternativen Antrieben inzwischen 62 Prozent beträgt (38 Prozent für Verbrennungsmotoren). Perspektivisch (etwa 2030) dürfte das zu einem Gleichgewicht des generierten Umsatzes mit Produkten für Verbrennungsmotoren und alternativen Antrieben führen.

Für die nähere Zukunft rechnet Stefan Wolf vor allem in Europa und Nordamerika mit einem starken Geschäft wegen des cornabedingten Nachholbedarfs. Allerdings wird die weltweite Automobilproduktion wohl erst 2025 das Vor-Krisen-Niveau von 2018 wieder erreichen. Elring Klinger will dabei stärker als die globale Fahrzeugproduktion wachsen und nach 2021 eine EBIT-Marge von mehr als fünf Prozent erreichen.

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Journalist