Software-Tochter Cariad Entwickelt VW künftig eigene Halbleiter-Chips?

Autor / Redakteur: dpa / Tanja Schmitt

Volkswagen investiert jährlich mehrere Milliarden Euro in seine Software-Tochter. Auch Zukäufe stehen im Raum.

Firma zum Thema

Diess geht davon aus, dass 2035 etwa 40 Prozent aller Autos autonom fahren.
Diess geht davon aus, dass 2035 etwa 40 Prozent aller Autos autonom fahren.
(Bild: Volkswagen)

Der Volkswagen-Konzern investiert mehrere Milliarden Euro in seine Software-Tochter Cariad und fasst Zukäufe ins Auge. Pro Jahr investiere man 2,5 Milliarden Euro, sagte VW-Konzernchef Herbert Diess dem „Handelsblatt“ am Freitag (30. April). „Dazu kommt dann noch die ein oder andere Akquisition hinzu“, kündigte der Manager an. Zudem mehren sich die Anzeichen, dass sich der am Absatz gemessen zweitgrößte Autobauer der Welt bald mit der Entwicklung eigener Computerchips beschäftigen könnte.

Die Digitalisierung des Autos bedeutet für Diess eine noch größere Herausforderung als die Umstellung auf Elektroantriebe. Software „wird das Herz-Kreislauf-System eines Autos sein“, sagte er. Autonomes Fahren werde zudem die größte Veränderung für die Branche, sagte der Manager. „Es wird sich über das Jahr 2025 hinausziehen, bis das ein Geschäftsmodell wird.“ Dann könne es aber sehr schnell gehen. „Ich erwarte, dass im Jahr 2035 etwa 40 Prozent aller Autos autonom fahren können“, sagte Diess. So ein Dienst könne dann für acht bis zehn Euro pro Tag verfügbar sein.

Designt VW künftig seine eigenen Halbleiter-Chips?

Zudem hatte Diess bereits in Aussicht gestellt, möglicherweise das Design von Chips für automatisiertes Fahren selbst in die Hand nehmen zu wollen. Cariad müsse Fähigkeiten bei der Entwicklung von Prozessoren aufbauen, sagte Diess nun. „Apple, Tesla und andere haben mehr Definitionskompetenz bei Halbleitern. Um bei den hohen Anforderungen im Auto die optimale Leistung zu erzielen, müssen Software und Hardware aus einem Guss kommen.“

Ähnlich äußerte sich VW-Markenchef Ralf Brandstätter. „Es gibt auch Überlegungen im Konzern, das Halbleiter-Design als Kompetenz stärker zu beherrschen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Das hat aber eher mit der Strategie in Richtung Digitalisierung zu tun.“

Halbleiterkrise ist weltweites Problem

Daneben sorgt die aktuelle Versorgungskrise bei den wichtigen Elektronik-Bauteilen weiter für Probleme in der gesamten Autobranche. Brandstätter verwies auf die Nachwirkungen der Lieferausfälle aus dem ersten Corona-Jahr 2020. Vor allem die IT-Industrie hatte zuletzt mehr Halbleiter abgenommen, was aus Sicht des VW-Markenchefs auch mit dem Trend zu digitalem Austausch in Arbeitswelt und Schule durch Homeoffice und Homeschooling zusammenhängt.

Direkte Einflussmöglichkeiten auf die Chiphersteller seien eher begrenzt: „Die Automobilindustrie ist an der Stelle kein großer Spieler, wir machen insgesamt als Kunde zwölf Prozent des weltweiten Halbleitermarkts aus“, so der Markenchef. „Wir als Volkswagen-Konzern haben dann daran wiederum rund zehn Prozent Anteil.“

Softwareschmiede „42 Wolfsburg“

Software-Themen spielen in der Aus- und Weiterbildung des Konzerns ebenfalls eine größere Rolle. Mit Google wurde eine Partnerschaft zur Programmierschule „42 Wolfsburg“ vereinbart. Die Kooperation soll das Studienangebot in den Gebieten automobile Software-Anwendungen, Cloud Computing und Nachhaltigkeit ausbauen. Das Engagement bei „42 Wolfsburg“ ist bei VW ein Teil der Bemühungen, dem Mangel an Experten entgegenzuwirken. Der Bedarf an ausgebildeten IT-Fachkräften in Deutschland ist nach Berechnungen des Digitalverbandes Bitkom mit über 86.000 unbesetzten Stellen unvermindert hoch.

(ID:47379180)