Drohende Pleite Evergrande: E-Auto-Sparte wackelt – welche Konsequenzen das für Autofirmen hat

Autor: Svenja Gelowicz

Mit großer Sorge blickt die Welt auf den chinesischen Konzern. Auch für die Autobranche hätte ein Scheitern große Konsequenzen – denn Evergrandes Geflecht aus Beteiligungen reicht bis in die deutsche Zulieferbranche.

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„China Evergrande New Energy Vehicle Group“: Neun eigene Elektrofahrzeuge für den Einstieg ins Auto-Geschäft.
„China Evergrande New Energy Vehicle Group“: Neun eigene Elektrofahrzeuge für den Einstieg ins Auto-Geschäft.
(Bild: Evergrande Cars / orangechallenger / CC BY-ND 1.0)

Die drohende Pleite des chinesischen Immobilienriesen Evergrande hält die weltweite Wirtschaft in Atem. Mit über 300 Milliarden Dollar ist der Konzern, einer der größten Immobilienentwickler Chinas, verschuldet. Das betrifft nicht nur die Immobilienbranche. Evergrande ist zudem in andere Geschäftsbereiche eingestiegen – unter anderem in die Elektromobilität. Die sogenannte China Evergrande New Energy Vehicle Group ist die E-Auto-Sparte neben anderen neuen Branchen wie Lebensmittel, Kleidung, Kultur oder Gesundheit.

Diese Automotive-Sparte hat laut der Chinesen 14 Fahrzeugmodelle entwickelt. Zehn Fertigungsstandorte baut der Konzern gerade auf und produziert eigenen Angaben zufolge bereits testweise. Die ersten neun Modelle hatte das Unternehmen unter seiner Marke Hengchi auf der Autoshow in Schanghai präsentiert. Insgesamt habe der Immobiliengigant über 47 Milliarden Renminbi in das Geschäft mit Elektromobilität investiert, was umgerechnet gut sechs Milliarden Euro entspricht.

Evergrandes Auto-Sparte angeschlagen

Laut der Nachrichtenagentur „Reuters“ schlug die E-Auto-Sparte am Freitag (24. September) Alarm: Ohne frisches Geld könnte sie Mitarbeiter und Zulieferer nicht bezahlen und keine Fahrzeuge fertigen. Berichten zufolge verhandelt Evergrande bereits über den Verkauf des Elektroauto-Geschäfts mit dem chinesischen Tech-Unternehmen Xiaomi.

Andere Unternehmen dürften besorgt auf Evergrande blicken. Denn die Automotive-Sparte von Evergrande hat sich in den vergangenen Jahren ein Geflecht aus Zukäufen aufgebaut. So beteiligte sich Evergrande am chinesisch-amerikanischen E-Auto-Wackelkandidaten Faraday Future. Das 2008 gegründete E-Motoren-Unternehmen Protean Electric mit Sitz in Großbritannien gehört Evergrande wiederum vollständig.

Wie Hofer Powertrain mit Evergrande verbandelt ist

Die Krise bei Evergrandes Auto-Sparte trifft auch einen deutschen Zulieferer und Entwicklungsdienstleister: Hofer Powertrain mit Sitz in Nürtingen gründete 2019 ein Gemeinschaftsunternehmen mit Evergrande: die sogenannte Evergrande Hofer Powertrain. Das Joint Venture ist für die E-Antriebe im Produktportfolio zuständig, inklusive Software und Elektronik. Darüber hatte zuerst die „Wirtschaftswoche“ am Freitag berichtet. Demnach hält Evergrande zwei Drittel des Unternehmens.

Laut des Beitrags wollten die Unternehmen die von Hofer entwickelte sogenannte Electric Drive Unit für Evergrande industrialisieren und bis zu 15.000 Stück lokal herstellen. Dazu sei es bislang nicht gekommen. Die Wirtschaftszeitung zitiert einen Sprecher, Hofer Evergrande Powertrain sei „offen für weitere Partnerschaften und gemeinsam mit Hofer Powertrain bereit, Engineering-, Industrialisierungs- und Produktionsprojekte anzunehmen.“

Eine weitere Verflechtung Evergrandes betrifft wiederum das Elektroauto-Start-up Sono Motors. Denn das Fertigungsunternehmen NEVS und damit auch die ehemalige Saab-Fabrik in Schweden gehört der Evergrande-Auto-Sparte vollständig. Dort will Sono seinen Sion genannten Stromer fertigen. Der „Wirtschaftswoche“ sagte das Start-up allerdings, dass die Produktion nicht in Gefahr sei.

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Redakteurin im Ressort Management