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Fahrbericht Audi Q2: Otto- versus Dieselmotor

| Autor / Redakteur: Wolfgang Pester / Thomas Günnel

Mit dem Q2 hat Audi einen Verkaufserfolg gelandet. Wir haben verglichen: den Q2 mit Diesel- und mit Ottomotor.
Mit dem Q2 hat Audi einen Verkaufserfolg gelandet. Wir haben verglichen: den Q2 mit Diesel- und mit Ottomotor. (Bild: Audi)

Mit dem Q2 trifft Audi den Lifestyle und mitten ins Herz der hippen Autokäufer – das „Einstiegs“-SUV preschte im ersten vollen Produktionsjahr 2017 nach vorn und ist Audis absatzstärkstes SUV in Europa. Wir haben es getestet: mit Otto- und mit Dieselmotor.

Audis kleinstes SUV ist markant: ein großer cooler Kühlergrill, der flache Karosserieaufbau, steile Front, Flanken und Verglasung. Der Q2 basiert auf der technischen Plattform des kompakten A3, ist mit 4,20 Metern Länge aber vergleichsweise 11,2 Zentimeter kürzer als der A3 Sportback. Dagegen ist er 1,6 Zentimeter breiter und 7,1 Zentimeter höher als sein rein für Straßenfahrten konzipierter Bruder. Trotz des um 3,5 Zentimeter geringeren Radstands zum Sportback (2,64 Meter) bietet der Q2 im Fond angemessen Platz und genügend Beinfreiheit – die mit 1,54 Meter um 2,7 Zentimeter größere Spurweite hinten dürfte dazu beigetragen haben.

Übrigens sitzen selbst lange Fahrer und Beifahrer vorne in der „ersten Reihe“. Insgesamt betrachtet finden zumindest vier Insassen des Q2 bemerkenswert bequem Platz. Ihr Gepäck hat im Kofferraum mit 405 Liter – bei umgeklappten Rücksitzlehnen 1.050 Liter – mehr Platz als etwa im Sportback mit 380 Liter, maximal 1.220 Liter. Die maximale Zuladung beträgt 485 Kilogramm.

Überraschende Materialien

Nach dem angenehmen Einstieg überraschen die verwendeten harten Kunststoffe, besonders die brettharte Türverkleidung. Die bekannten, sich weich anfühlenden Oberflächen fehlen, werden im Premiumsegment eigentlich erwartet. Gespart hat Audi auch die vier Handgriffe am Dachhimmel, was „Best Ager“ sofort bemängeln. Der Höhenzuwachs um 7,9 Zentimeter zum A3 Sportback ist vorteilhaft, die Sitzposition von 62 Zentimetern über der Straße ist zwar ein Plus, doch Truckerfeeling mit überlegenem Blick auf den Straßenverkehr bleibt bei dem kleinen SUV freilich aus. Insgesamt ist die Übersicht mäßig, besonders eingeschränkt durch die breiten „Blade“ bezeichneten hinteren Abschlusssäulen der Karosserie.

Das Fahrwerk ist gut, wie die Testfahrten belegen, wobei die empfehlenswerte und einstellbare Dämpferregelung für 800 Euro den Fahrkomfort weiter erhöht und ein agiles Handling sichert. Wasser in den Wein: Das früh eingreifende ESP „bremst“ die Fahrdynamik. Das Sechsgang-Schaltgetriebe lässt sich vorzüglich bedienen und das Doppelkupplungsgetriebe schaltet situativ exakt. Die klasse zugreifenden Bremsen geben dem Fahrer Sicherheit und führen zu vergleichsweise kurzen Bremswegen.

Das „schön zu haben und haben müssen“ treibt den Preis steil in die Höhe. Zwar bleibt die Basisausstattung des Q2 etwas hinter der des Sportback zurück, was keinen eine Träne weinen lässt. Die Kosten der individuellen Wünsche für ein Mehr an Sicherheit, Komfort und Entertainment lassen den Endpreis aber so steil nach oben klettern, wie der sehr schnell wachsende Bambus. Etwa durch das fortschrittliche virtuelle Cockpit mit präziser Kartendarstellung für 3.150 Euro, das Head-up-Display für 600 Euro, die LED-Lichttechnik für 1.245 Euro, das Navigationssystem Plus mit MMI touch für 3.250 Euro und das Assistenzpaket für 1.590 Euro.

Zu den preistreibenden Sonderausstattungen gehört aber auch „Kleinvieh“: wie Außenspiegel, elektrisch einstell-, beheiz- und anklappbar inklusive Bordsteinautomatik für den Beifahreraußenspiegel für 300 Euro, ein automatisch abblendbarer Innenspiegel mit Licht- und Regensensor für 130 Euro, Komfortschlüssel mit Diebstahlwarnanlage für 760 Euro, eine Rückfahrkamera für 380 Euro, eine teil- und umklappbare Rücksitzlehne für 250 Euro. Dass ein Wagenheber nicht zur Grundausstattung zählt und für 25 Euro angeboten wird, ist in keiner Weise nachvollziehbar.

Vom SUV-Boom profitieren

So entfernt sich der Wunsch-Q2 sehr schnell vom Basispreis. Der Q2 1.0 TFSI „Ultra“ mit Dreizylinder-Benzinmotor (85 kW/116 PS) und Sechsgang-Schaltgetriebe kostet 23.400 Euro, der Q2 1.6 TDI mit Vierzylinder-Diesel sowie gleicher Leistung und Kraftübertragung 26.350 Euro. Wir wählten für unsere Fahrvergleiche den Diesel Q2 1.6 TDI mit der Einstiegsmotorisierung und den Benziner Q2 1.4 TFSI (110 kW/150 PS) mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Der Testwagen in der Ausstattungslinie „Sport“ hatte einen Endpreis von 47.340 Euro, fast 20.00 Euro über dem Basispreis von 27.400 Euro. Der gefahrene Diesel Q2 1.6 TDI „Design“ kostete 41.440 Euro und lag mit 13.240 Euro über dem Modellgrundpreis von 28.200 Euro. Selbst wenn der Käufer sich zurückhält, der Preis für die „nötigsten“ Ausstattungswünsche klettert schnell auf über 10.000 Euro.

Lifestyle hat seinen Preis – doch auch seine Freuden, wie die Fahrten mit den frontgetriebenen Q2 zeigten. Der Diesel mit 25 kW/34 PS weniger Leistung als der Benziner brummt ein wenig und benötigt bei gleichem maximalem Drehmoment von 250 Nm 10,3 Sekunden von null auf 100 km/h, das Höchsttempo ist mit 197 km/h angegeben. Der 1,6-l-Vierzyinder erfüllt die Abgasnorm EU 6 und verbraucht im EU-Normtest „NEFZ kombiniert“ 4,4 l/100 km (114 g CO2/km). Auf unseren Fahrten resultierte ein Dieselkonsum je 100 km von 5,4 Liter, wobei der Autobahnfahrtanteil ein Viertel betrug.

Flott und mit viel Fahrspaß lässt sich der Q2 1.4 TFSI mit Doppelkupplungsgetriebe fahren und dabei verhält er sich kultiviert und geräuscharm. In 8,5 Sekunden sprintet er auf Tempo 100 km/h, maximal auf 212 km/h. Den Benzinverbrauch zügelt die Zylinderabschaltung des Motors, die ihn mit zwei Zylindern arbeiten lässt, wenn für das Tempo alle Viere nicht benötigt werden. Im Alltagsbetrieb kommt er freilich nicht auf den Verbrauchswert des EU-Normtests von 5,2 l/100 km (119 g CO2/km), doch die durchschnittlichen 6,7 Liter sind vergleichsweise niedrig.

SUV liegen weiter im Trend. So fuhren sie 2017 erstmals an die Spitze der deutschen Pkw-Zulassungsstatistik. SUV und Geländewagen erzielten mit fast 821.000 Neuzulassungen einen Anteil von knapp 24 Prozent, vor den Kompaktwagen mit über 23 Prozent und den Kleinwagen mit 14,5 Prozent. Das kleinste SUV von Audi preschte ebenfalls voran: In Deutschland verdrängte der Q2 mit 23.147 Verkäufen hinter dem SUV-Spitzenreiter Opel Mokka mit 35.631 Neuzulassungen fast den Renault Capture mit 23.700 Einheiten vom zweiten Platz. Weltweit wurden im vergangenen Jahr rund 93.483 Q2-Modelle verkauft, wobei der Q2 mit 83.081 Einheiten das absatzstärkste SUV von Audi in Europa wurde.

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