Suchen

Neue Modelle

Fahrbericht Hyundai i30 N: Korea-GTI

| Autor/ Redakteur: Andreas Wehner / Jens Scheiner

Hyundai hat seine eigene Sportlinie: Seit Anfang November ist der i30N auf dem Markt – und soll sich mit Vertretern der GTI-, Cupra- und ST-Riege messen.

Firmen zum Thema

Konkurrenz für GTI und Co.: Hyundai hat den i30 N vorgestellt – für die Rennstrecke und für daheim.
Konkurrenz für GTI und Co.: Hyundai hat den i30 N vorgestellt – für die Rennstrecke und für daheim.
(Bild: Hyundai)

Er grummelt, er bollert, er knallt und mit seinem brettharten Fahrwerk gibt sich der Hyundai i30 N wie ein rabiater Sportler – aber nur wenn man möchte. Auf Knopfdruck wird der bis zu 275 PS starke Kompaktwagen zum zivilen Alltagsfahrzeug. Mit dem i30 N ist seit Anfang November das erste Performance-Modell der Koreaner auf dem Markt, das sich mit Konkurrenten wie dem Golf GTI, dem Seat Leon Cupra oder dem Ford Focus ST messen soll.

Neben dem regulären Fünftürer und dem Kombi ist der i30 N das dritte Modell in der Kompaktbaureihe des Herstellers. Es wendet sich an sportliche, ambitionierte Fahrer, soll aber volle Alltagstauglichkeit in allen Situationen bieten. Das „N“ steht dabei für Namyang, wo das Auto entwickelt wurde, für den Nürburgring, wo der Sportler seine Abstimmung bekam und unzählige Kilometer herunterspulte, und für die Form einer Schikane.

Bildergalerie

Bildergalerie mit 20 Bildern

Im Januar komplettiert Hyundai dann die i30-Familie mit dem coupéhaften Fastback, den es nur in den höheren Ausstattungslinien geben wird. Mehr als die Hälfte der Kunden (55 Prozent) wird sich nach den Erwartungen von Hyundai-Deutschland-Geschäftsführer Markus Schrick für den Fünftürer entscheiden, 30 Prozent für den Kombi, zehn Prozent für den Fastback und fünf Prozent für den i30 N. Von den insgesamt 20.000 geplanten Einheiten würden die Hyundai-Händler also 1.000 Sportler verkaufen. Es gibt übrigens keine exklusiven N-Händler – das Modell ist bei allen 380 Hyundai-Partnern in Deutschland erhältlich.

Optisch unterscheidet sich die N-Variante durch die veränderte Front mit größeren Lufteinlässen, einem speziellen Kühlergrill und einer roten Zierleiste, die sich auch unterhalb des Heckdiffusors wiederfindet. Im oben angesetzten Heckspoiler hat der i30 N eine triangelförmige Bremsleuchte, zudem stechen das ausgefallene Felgendesign und die rot lackierten Bremssättel ins Auge. Innen gibt es Sportsitze, ein Sportlenkrad, einen runden N-Schalthebel, Alu-Pedale und einen schwarzen Dachhimmel.

Auch unter dem Blech ist vieles anders im i30 N. Technisch haben die Entwickler einiges modifiziert. Klaus Köster, Leiter des High-Performance-Teams im Hyundai-Entwicklungszentrum in Rüsselsheim, betont jedoch, dass – auch aus Kostengründen – überwiegend Großserientechnik verbaut wurde. Erstmals bei einem Hyundai-Modell hierzulande kommt im i30 N ein Sportfahrwerk mit adaptiven Stoßdämpfern zum Einsatz. Die Vorderachse ist komplett neu und auch die Lenkung haben die Entwickler verbessert: Die Servounterstützung greift nicht an der Lenksäule, sondern ist direkt am Lenkgetriebe platziert. So kann die Lenkung höhere Kräfte übertragen, reagiert schneller und gibt präzisere Rückmeldungen.

250 oder 275 PS

Unter der Haube steckt ein Zwei-Liter-Turbomotor, der in der Grundvariante des i30 N 184 kW/250 PS leistet. Die 353 Nm Drehmoment können kurzzeitig per Overboost-Funktion auf 378 Nm gesteigert werden. In 6,4 Sekunden schafft es das Auto aus dem Stand auf 100 km/h, Schluss ist bei Tempo 250. Mindestens 29.700 Euro müssen Autokäufer für den i30 N beim Händler lassen. Dafür sind dann alle Lampen in LED-Technik ausgeführt, es gibt eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, ein DAB-Radio, eine Rückfahrkamera und Helfer wie einen Spurhalteassistenten, einen Aufmerksamkeitsassistenten, einen Lichtsensor sowie einen Tempomaten. Vordersitze und Lenkrad sind beheizbar, die eigens entwickelten Reifen stecken auf 18-Zoll-Leichtmetallfelgen.

Die etwas stärkere Performance-Variante kostet 32.200 Euro. Sie bietet 25 PS mehr und braucht 0,3 Sekunden weniger für den Sprint auf Tempo 100. Der i30 N Performance kommt zudem mit 19-Zoll-Rädern, einer elektronisch geregelten Differenzialsperre für bessere Traktion und einer Klappensteuerung an der Abgasanlage. Zudem hat er das für die Grundvariante optional erhältliche Funktionspaket bereits an Bord. Es beinhaltet eine Einparkhilfe vorn, einen Regensensor, eine Umfeldbeleuchtung, kabelloses Laden für das Smartphone und ein Smart-Key-System inklusive Startknopf. Zudem sind die Außenspiegel elektrisch einklappbar.

Es grummelt, bollert und knallt

Eben diese Version war unser Testfahrzeug. Und was soll man zum Fahreindruck mehr schreiben als: Das Ding macht verdammt viel Spaß. Der i30 N lenkt sich leichtgängig und präzise, die kurzen Schaltwege machen den Gangwechsel im wahrsten Sinne des Wortes zur Fingerübung. Die Sportsitze bieten dazu guten Seitenhalt, taugen aber auch als bequemes Reisegestühl.

Per Knopfdruck sind Fahrmodi wählbar. In der Normaleinstellung lässt sich der i30 N sehr zivil bewegen, ruft aber die komplette Leistung ab und hat somit ordentlich Druck, sodass man sich sowohl auf kurviger Strecke als auch auf der linken Autobahnspur wohlfühlen kann. Der N-Modus entfesselt das Biest. Der Kompaktsportler reagiert plötzlich direkter auf den Gasfuß und wird laut. Der Klappenauspuff macht auf, im Leerlauf grummelt es, beim Gas geben röhrt es, beim Gaswegnehmen bollert und knallt es: Der i30 N ist plötzlich ganz Sportwagen. Hinzu kommt das nun brettharte Fahrwerk. Für den Alltag ist dieser Modus nicht gedacht – allenfalls kann man so mal kurz den Nachbarn ärgern.

Bildergalerie

Bildergalerie mit 20 Bildern

Automatisches Zwischengas

Um (nicht nur) auf der Rennstrecke für mehr Spaß und bessere Kontrollierbarkeit zu sorgen, hat der i30 N einige technische Helfer an Bord. So passt die „Rev Matching“-Funktion beim Herunterschalten automatisch das Drehzahlniveau des Motors per Zwischengas an die Geschwindigkeit der Getriebeeingangswelle an und ermöglicht so schnellere Gangwechsel. Beim zügigen Losfahren unterstützt die serienmäßige „Launch Control“. Die Funktion verhindert bei voller Beschleunigung aus dem Stand Schlupf und durchdrehende Räder und ermöglicht so einen Start wie im Rennwagen.

Versierte Fahrer können all diese Funktionen abschalten. Und nicht nur das: Ob Dämpfung, Lenkung, Motor und Hilfen wie das Sperrdifferenzial oder das ESP: Viele Parameter lassen sich individuell nach den eigenen Vorlieben konfigurieren. Laut Klaus Köster sind insgesamt 1.944 Kombinationen möglich.

Auf der Optionsliste steht unter anderem ein Panorama-Schiebedach (1.100 Euro), ein Komfortpaket mit elektrisch verstellbaren Teilledersitzen inklusive Memory-Funktion, bei Rückwärtsfahrt absinkenden Außenspiegeln und wärmegedämmter Frontscheibe. Für 750 Euro gibt es ein Radio-Navigationssystem mit Acht-Zoll-Touchscreen inklusive Apple Carplay und Android Auto sowie der Möglichkeit, sich diverse Fahrdaten im Display anzeigen zu lassen.

Zubehör für die Rennstrecke ab Januar 2018

Für den i30 N Performance können sportliche Fahrer für 180 Euro eine zusätzliche Versteifung im Gepäckraum bestellen. Wer mit dem Auto häufiger auf die Rennstrecke möchte, findet im Zubehörprogramm ab Januar 2018 zudem Recaro-Schalensitze (3.100 Euro), extraleichte Felgen mit Semislicks und Motorsport-Radmuttern (3.349 Euro), Rennbremsbeläge (349 Euro pro Achse) und einen verstellbaren Hinterachs-Stabilisator (289 Euro) zum Nachrüsten.

Eine Ausweitung der N-Linie ist angedacht, wenngleich sich die Hyundai-Verantwortlichen noch sehr bedeckt halten, welches Modell als nächstes kommen könnte. Am wahrscheinlichsten ist, dass Hyundai zunächst auch den i30 Fastback als N-Version anbietet, da es diesen auf anderen Märkten ohnehin auch als Sportler geben wird.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 44997870)

Über den Autor

 Andreas Wehner

Andreas Wehner

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«