Rückrufe Fahrwerksprobleme bei 150.000 Pkw von VW-Konzernmarken

Autor / Redakteur: Niko Ganzer / Andreas Wehner

Diverse Modellreihen von Audi, sowie den VW Touareg, den Porsche Cayenne und den Bentley Bentayga müssen in die Werkstatt. Es gibt Probleme mit der Hinterachse. Bei Porsche stehen zudem noch weitere Maßnahmen auf dem Programm.

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Der Audi Q8 gehört zu den diversen Modellen, die der VW-Konzern aktuell wegen möglicher Fahrwerksprobleme in die Werkstätten beordert.
Der Audi Q8 gehört zu den diversen Modellen, die der VW-Konzern aktuell wegen möglicher Fahrwerksprobleme in die Werkstätten beordert.
(Bild: Audi)

Mehrere gleich lautende Warnungen der US-Verkehrssicherheitsbehörde (NHTSA) zu Modellen des VW-Konzerns tauchen bislang nur teilweise auf der Internetseite des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) auf. So meldet die deutsche Behörde aktuell bloß einen Rückruf für weltweit 6.650 Porsche Cayenne „aufgrund von Spannungsrisskorrosion“. Sie kann den Angaben zufolge zu erhöhtem Spiel zwischen Hinterachslenker und Radträger führen, „wodurch das Fahrverhalten eingeschränkt ist“. Dies betrifft 169 in Deutschland zugelassene SUV.

Identische Fehlermeldungen gab es in Übersee bereits Ende April auch zum Bentley Bentayga und vor allem zu einer großen Anzahl diverser Audi-Modelle. Die Liste der betroffenen Baureihen reicht hier vom A4 bis zum A8 und vom Q5 bis zum Q8. Allein in den USA holt die Marke mit den vier Ringen deswegen knapp 41.000 Einheiten in die Vertragswerkstätten. Außerhalb der Vereinigten Staaten sind es laut Behördenzahlen weitere 100.000 Fahrzeuge, darunter zusätzlich das Elektro-SUV E-Tron. Hinzu kommen einige Tausend nicht in Nordamerika angebotene VW Touareg.

Querlenker der Hinterachse betroffen

Ohne den Eingriff droht ein Bruch der Muttern zur Verschraubung der hinteren Querlenker. Eine dann mögliche Veränderung der Einstellung der Hinterachse macht sich durch eine Schiefstellung des Lenkrads bei Geradeausfahrt oder durch ein seitliches Ziehen des Fahrzeugs beim Bremsen oder Beschleunigen bemerkbar.

„Die Unfall- und Verletzungsgefahr ist erhöht, da ein plötzliches, nicht beherrschbares ‚Auslenken‘ der Hinterachse bei höheren Geschwindigkeiten nicht ausgeschlossen werden kann. Dieses kann in sehr seltenen Fällen zu einem Kontrollverlust über das Fahrzeug führen“, warnt VW in einem Ende Juni auch in Deutschland versandten Kundenanschreiben.

Reparaturdauer bis zu fünf Stunden

Die Kontrolle samt nötiger Instandsetzungsarbeiten dauert der Ankündigung zufolge etwa 90 Minuten. Laut KBA ist zumindest bei Porsche ein „Ersatz der Klemmmutter“ vorgesehen. Der interne Aktionscode bei den Zuffenhausenern lautet „AMA9“ und ist für Cayenne aus dem Bauzeitraum 16. September bis 31. Oktober 2020 relevant. Die Kürzel bei Audi, VW und Bentley lauten „42L1“ (relevant für unterschiedliche Produktionsdaten zwischen 7. November 2019 und 16. April 2021), „42K9“ (16. September bis 23. November 2020) und „RE21/17 (RB98)“.

Die 444 weltweit betroffenen britischen Luxus-SUV liefen zwischen 3. Oktober und 19. Dezember 2020 vom Band, wie ein Markensprecher auf Anfrage verriet. Er nannte eine deutlich längere Reparaturdauer als VW in seinem Brief, nämlich bis zu fünf Stunden. Die deutschen Pressestellen in Ingolstadt, Stuttgart und Wolfsburg ließen eine Anfrage zum Rückruf bislang unbeantwortet.

Weitere Fahrwerks-Rückrufe bei Porsche

Behördliche Hinweise auf mögliche instabile Fahrzustände hat es in den vergangenen Wochen zudem noch für weitere Porsche-Modelle gegeben. Das KBA meldete die Aktionen „AMB2“ für über 3.000 Panamera und Taycan, „AMA3“ für knapp 1.500 Exemplare des 718 Cayman, 911 und Taycan, „AMA6“ für 34 Einheiten des 911, sowie „AMA8“ für 159 Macan weltweit. Es geht um unterschiedliche Produktionszeiträume zwischen 2018 und 2021.

Die Werkstattmitarbeiter prüfen diverse Fahrwerkskomponenten, tauschen sie bei Bedarf aus oder verschrauben die Verbindungen den Vorgaben entsprechend neu. „Bei Fahrzeugen, an denen die Vorderachse betroffen ist, muss zusätzlich der Lagerbock ausgetauscht werden“, kündigt die Behörde betroffenen Macan-Haltern an.

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 Niko Ganzer

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Freier Journalist