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Docter Optics Geschäft mit Perspektive

| Redakteur: Jens Badstübner

Das Scheinwerferdesign kann den Fahrzeugkauf entscheiden. Das freut Hella und Automotive Lighting – und auch Docter Optics. Denn seine Linsen bauen beide ein.

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Links die A9 von Berlin nach München. Knapp über Neustadt an der Orla die A4 als Ost/West–Verbindung. „Kombiniert mit dem Logistikzentrum Leipzig ist das für einen Produktionsbetrieb die perfekte Anbindung“, sagt Dr. Jan Hamkens. Hamkens ist seit 2001 Geschäftsführer und seit 2002 Mitgesellschafter vom Glasspezialisten Docter Optics. 1999 ist die Firma aus dem hessischen Wetzlar vor die Tore Jenas gezogen. Nicht nur um sich den geografischen Standortvorteil zu sichern. Sondern auch, um vom Optik-Kompetenz-Cluster der Region zu profitieren. Das ist gelungen: Die Firma ist mit etwa 40 Prozent Marktanteil Weltmarktführer für asphärische Linsen.

Früher waren diese elementarer Bestandteil jedes Dia- und Overheadprojektors. Heute sind sie es in jedem Automobil. Zumindest dann, wenn die Fahrzeugfront ein Projektionsscheinwerfer ziert. Das können sowohl Halogen- (H7), Xenon- als neuerdings auch LED-Scheinwerfer sein. Die beiden Letztgenannten kommen ohne die zusätzliche Optik überhaupt nicht aus.

Das Prinzip des Projektionsscheinwerfers wurde von Hella entwickelt und 1986 in die Serie eingeführt. Damals wie heute ersetzt darin ein dreiachsiger Ellipsoid den Parabolspiegel als Reflektor. Der Vorteil: Der Ellipsoid erzeugt ein deutlich stärkeres und fokussierteres Lichtbündel, dessen Brennpunkt kurz nach dem Reflektor liegt. Um das Licht von hier auf die Straße zu bekommen, bedarf es einer sehr komplexen Optik. Das ist die Aufgabe der nur wenige Quadratzentimeter großen äsphärischen Linse und bis heute das Erfolgsgeheimnis von Docter Optics.

Die Ersten und Einzigen auf der Welt

Die Zauberformel ist der so genannte Warmumformprozess von Glas, den der Wetzlarer Firmengründer Bernhard Docter Anfang der achtziger Jahre industrialisiert hat. Schritt eins: Portionieren eines Glasrohlings auf ein zehntel Gramm genau mit anschließendem partiellen Erwärmen. Im zweiten Schritt stellt Docter Optics aus diesem Glastropfen („Gob“) die Linse durch beidseitiges Blankpressen her. Das Besondere dabei: „Wir sind die Ersten und Einzigen auf der Welt, die das ohne Schleifen und Nacharbeiten können“, sagt Hamkens.

Das haben auch Hella und Bosch erkannt und sind 1996 als Gesellschafter in das Unternehmen eingestiegen. Bis heute hält Hella ein Drittel der Anteile. Ein weiteres Drittel hält Randolph Rodenstock als Finanzinvestor. Das verbleibende Drittel hat Geschäftsführer Hamkens im Jahr 2002 übernommen, weil Robert Bosch mit dem Verkauf von Automotive Lighting (AL) an Magneti Marelli aus dem Gesellschafterkreis von Docter Optics ausscheiden wollte.

AL-Chefentwickler Dr. Hamm hinderte das aber nicht, im Mai diesen Jahres Docter Optics mit dem „Best Supplier Award 2008“ in der Kategorie „Innovation“ auszuzeichnen. Grund für die Auszeichnung: die Projektionslinse für die weiter entwickelte S-Klasse von Mercedes-Benz, die im Herbst 2009 in Serie geht.

Bei der Preisvergabe würdigte Dr. Hamm von Automotive Lighting insbesondere die Technik des beidseitigen Blankpressens (DOC3D). Unabhängig von der Art der Lichtquelle (LED, Xenon oder Halogen) sei Docter Optics in der Lage, annähernd jede geforderte Linse herzustellen und mit optisch komplexen Zusatzfunktionen zu versehen, begründete Hamm die Entscheidung.

Damit das auch so bleibt, hat Hamkens in den letzten beiden Jahren über 8 Millionen Euro in die Entwicklung der Fertigungstechnik investiert. Rund 200 000 Euro flossen alleine in die gemeinsam mit Fraunhofer entwickelte kontaktlose 3D-Messtechnik. Sie misst die Schrumpfung der in der Pressform abkühlenden Glastropfen. Das Expertenmodell errechnet daraus Temperatur und Druck für den Pressprozess. Danach wird die Linse abgekühlt und verpackt. Die dazwischenliegende manuelle Inspektion will Hamkens demnächst ersetzen.

Darüber hinaus erfolgte eine Investition in den Aufbau einer eigenen Glasschmelze, mit der Hamkens die Weichen mittel- bis langfristig stellen will: Immer kleinere Linsen erfordern darauf abgestimmte Halbzeuge, beispielsweise für LED-Scheinwerfer. Hamkens will diese Teile zukünftig selber herstellen, weil er befürchtet, dass die klassischen Glasschmelzen nicht umstellen können oder wollen.

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