Elektromobilität

Gogoro entwickelt Elektroroller der Zukunft

| Autor / Redakteur: Hartmut Hammer / Jens Scheiner

Fahrzeug, Batterien und Ladeinfrastruktur aus einem Guss: das Gogoro-„Ökosystem“.
Fahrzeug, Batterien und Ladeinfrastruktur aus einem Guss: das Gogoro-„Ökosystem“. (Foto: Gogoro)

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Das spektakuläre Projekt von „Better Place“, mit Wechselbatterien die Reichweitenproblematik der Elektrofahrzeuge auf revolutionäre Weise zu lösen, endete 2013 in der Insolvenz. Die Idee dahinter lebt weiter – in einem Roller aus Taiwan.

Das Start-Unternehmen Gogoro bringt diesen Sommer einen Elektro-Scooter auf den Markt, bei dem der Batteriewechsel an speziellen Ladestationen in weniger als zehn Sekunden gelingen soll, so Gogoro-Gründer und CEO Horace Luke. Als Pilotmarkt hat man Taipeh, die Hauptstadt von Taiwan auserkoren: Mehrere Millionen potenzielle Kunden, eine hohe Roller-Affinität der Bevölkerung und der Stadtverwaltung (zum Beispiel Unterstützung beim Fahrzeugkauf und der Einrichtung der Ladestationen) seien ausschlaggebende Gründe gewesen. Mit einem Flagship-Store, der stark an Apple-Verkaufsstellen erinnert, macht man den Kunden das Produkt seit diesem Frühjahr schmackhaft.

100 Kilometer Reichweite

Der Roller ist komplett neu konstruiert, sein Elektromotor mit sechs Kilowatt Leistung sorgt für eine Beschleunigung von 0 auf Tempo 50 in 4,2 Sekunden und eine Spitzengeschwindigkeit von fast 100 Kilometer pro Stunde. Das liegt im Bereich der populären konventionellen Roller mit 125 Kubikzentimeter großem Verbrennungsmotor. Dank zweier Lithium-Ionen-Batterien soll der Aktionsradius bis zu 100 Kilometer betragen. Die handlichen Energiespeicher stammen von Panasonic und sind unter der Sitzbank eingebaut. Fährt der Scooter zum Batteriewechsel vor, gibt die Ladestation automatisch zwei vollgeladene Batterien frei. Der Fahrer klappt die Sitzbank auf und kann dann die jeweils neun Kilogramm schweren Batterien ohne technische Hilfsmittel einfach austauschen. Ein kompletter Boxenstopp inklusive An- und Abfahrt soll in weniger als einer Minute zu bewältigen sein.

Vernetzung inklusive

Bei der Datenübermittlung des Gogoro-Projekts wirkt die Mobilfunkvergangenheit von CEO Horace Luke und CTO Matt Taylor nach. Roller, Batterien, Ladestationen, das Smartphone des Fahrers und die Gogoro-Administration kommunizieren per NFC, WLAN, Bluetooth sowie den Mobilfunkstandards 3G und 4G miteinander. Auf diese Weise werden nicht nur neue Batterien an der nächsten Ladestation reserviert, sondern auch Kundendienstaktionen und die Bezahlung organisiert. Via Mobilfunk und zugehöriger Smartphone-App sind zum Beispiel auch die Beschleunigung und das Rekuperieren des Elektromotors, die Cockpitgrafik, Frontbeleuchtung und der Ton des Signalhorns individuell einstellbar. Die Kunden müssen nur den Roller – Kosten etwa 2.000 bis 3.000 Euro – kaufen. Die Bereitstellung der Batterien und anderen Servicedienstleistungen erfolgt nach Abschluss eines Vertrags mit Gogoro, ähnlich einer monatlichen Flatrate beim Mobilfunk.

Dichtes Ladenetz geplant

Als Vorteil zu „Better Place“ führt Luke an, dass Gogoro, neben dem Fahrzeug und den Batterien, mit der Ladeinfrastruktur auch den dritten Schlüsselfaktor selbst kontrollieren könne. Die Ladestationen sind etwa so groß wie ein Getränkeautomat und sollen weniger als 10.000 Euro pro Einheit kosten. Dank einer Kooperation mit dem Staat, der etwa drei Viertel der Tankstellen in Taiwan besitzt, dürften genügend Standorte zu finden sein. Gogoro sieht in Taipeh etwa sechs Stationen pro zehn Quadratkilometer für eine komfortable Abdeckung als ausreichend an. Laut Luke verfügt Gogoro aktuell über genug Reserven, um in mehreren Metropolen ein dichtes Netz an Ladestationen zu installieren. Sollte das Rollerprojekt Erfolg haben, will Gogoro noch weitere Produkte für einen ressourcenschonenden urbanen Lebensstil anbieten.

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