Suchen

Zulieferer Hohe Verluste bei Hella führen zu weiterem Stellenabbau

| Autor: Sven Prawitz

Hella-CEO Rolf Breidenbach geht nicht davon aus, dass sich der weltweite Fahrzeugmarkt rasch erholt. Deshalb will der Zulieferer in Deutschland weitere bis zu 450 Stellen streichen. Auch die Aktionäre sollen einen Beitrag leisten.

Firmen zum Thema

Hella baut am Hauptsitz in Lippstadt 900 Stellen ab. Deutschlandweit werden in den kommenden Jahren mindestens 300 weitere Arbeitsplätze entfallen.
Hella baut am Hauptsitz in Lippstadt 900 Stellen ab. Deutschlandweit werden in den kommenden Jahren mindestens 300 weitere Arbeitsplätze entfallen.
(Bild: Hella)

Der Licht- und Elektronikspezialist Hella hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019/2020 (Ende 31. Mai) wie erwartet einen hohen Verlust eingefahren: Das Ebit beträgt minus 343 Millionen Euro. Der Zulieferer begründet diesen Verlust unter anderem mit Wertminderungen, die sich durch eine geringere Auslastung der Standorte ergeben hätten. Ein Jahr zuvor hatte Hella noch ein operatives Ergebnis von 808 Millionen Euro erzielt.

CEO Rolf Breidenbach geht nicht davon aus, dass sich die Fahrzeugproduktion vor dem Jahr 2023 auf das Vorkrisenniveau von etwa 89 Millionen Einheiten weltweit erhole. Deshalb werde der Zulieferer weiter seine Kosten reduzieren, erklärte der Hella-Chef am Freitagmorgen (14. August). Darunter fällt auch ein weiterer Stellenabbau in Deutschland – über die bereits angekündigten 900 Stellen am Hauptsitz in Lippstadt hinaus.

Hella streicht weitere bis zu 450 Stellen

Auf Nachfrage bestätigte Breidenbach, dass der Standort in Regensburg derzeit geschlossen werde. Zusätzlich sollen, je nach Entwicklung des Marktes, in Deutschland in den kommenden drei Jahren jeweils 100 bis 150 Stellen entfallen. Eigenen Angaben zufolge beschäftigt der Zulieferer in Deutschland derzeit an 15 Standorten etwa 9.500 Menschen.

Neben der gesunkenen Fahrzeugproduktion nannte Breidenbach zwei weitere Gründe für den steigenden Kostendruck: einen steigenden Wettbewerb mit IT- und Tech-Unternehmen sowie zunehmende Konkurrenz auf dem chinesischen Markt durch lokale Zulieferer. Außerdem verwies er auf die bereits seit 2018 deutlich zurückgegangene globale Fahrzeugproduktion. Der Licht- und Elektronikspezialist, der zu den 50 größten Zulieferern der Welt zählt, solle nach Breidenbachs Vorgabe deshalb künftig stärker wachsen als der Automobilmarkt.

Aktionäre sollen helfen, Risiken zu minimieren

Für das bereits begonnene Geschäftsjahr rechnet Hella mindestens mit einem annähernd gleichen Umsatz wie im Vorjahr (5,6 Milliarden Euro). Im besten Fall könne ein Umsatz von knapp über sechs Milliarden Euro erzielt werden. Um die finanziellen Risiken zu minimieren habe sich der Zulieferer weitere Kredite gesichert. Außerdem will Breidenbach auf der Hauptversammlung im September den Aktionären vorschlagen auf eine Dividende für das Geschäftsjahr 2019/2020 zu verzichten.

Weitere Stabilität soll ein zugesicherter Kredit in Höhe von 500 Millionen Euro geben. Er könne bei Bedarf abgerufen werden und trage zum gesamten Finanzpolster von etwa zwei Milliarden Euro bei.

Abläufe in Verwaltung und Produktion automatisieren

Bei Forschung und Entwicklung werde bei Hella zwar ebenfalls das Budget gekürzt, aber proportional zum Umsatz sollen die Ausgaben bei etwa zehn Prozent bleiben. Doch auch hier wird der Fokus wohl eher auf Maßnahmen liegen, die helfen Kosten zu reduzieren. Das legen die Beispiele nahe, die der Hella-CEO in der Telefonkonferenz nannte: So werde künftig verstärkt in Software und Automatisierung investiert. Mit dem Ziel, den Arbeitsaufwand der Mitarbeiter in der Verwaltung und Produktion zu reduzieren.

Hellas „Welt-Scheinwerfer“

Keine Variantenvielfalt: Das Licht wird über ein baugleiches Lichtmodul SSL 100 ausschließlich softwaregesteuert angepasst.
Keine Variantenvielfalt: Das Licht wird über ein baugleiches Lichtmodul SSL 100 ausschließlich softwaregesteuert angepasst.
(Bild: Hella)

Kollaborative Roboter und künstliche Intelligenz sollen die Produktion in den Hella-Werken effizienter machen. Software-Roboter will der Zulieferer einsetzen, um sich wiederholende, manuelle Arbeitsschritte in der Verwaltung zu automatisieren. In sechs bis acht Wochen soll in Mexiko die Serienproduktion des von Hella als „Welt-Scheinwerfer“ bezeichneten Lichtmoduls starten.

Hella könne laut Breidenbach bei diesem Produkt Kosten senken, weil es weltweit lediglich eine Hardware gebe. Die unterschiedlichen Anforderungen einzelner Länder und Regionen werde man über die mitgelieferte Software erfüllen. Das Konzept mache bis zu zwölf unterschiedliche Scheinwerfervarianten überflüssig.

(ID:46807432)

Über den Autor

 Sven Prawitz

Sven Prawitz

Technikjournalist